All-in-One-PCs Surfen per Fingerzeig

Schnelles Navigieren durch Internetseiten, Ansichten vergrößern oder verkleinern - das alles geht jetzt auch auf dem Personal Computer per Touchscreen. Das direkte Bedienkonzept der neuen All-in-One-Rechner profitiert davon, dass das neue Betriebssystem Windows 7 von Haus fingerfertig ist.

München - All-in-One-PCs sind Rechner, bei denen die Technik komplett im Displaygehäuse steckt. Neu ist das Konzept solcher kurz AIO genannten Rechner nicht: Verdient Apple doch mit entsprechend gestalteten iMacs schon seit Jahren gutes Geld. Und auch AIO-Rechner mit Windows als Betriebssystem kommen immer mal wieder auf den Markt. Nun gibt es aber eine regelrechte AIO-Offensive. Was die aktuellen Modelle von Geräten früherer Generationen unterscheidet, ist ihre Touchfunktion. Die Rechner lassen sich durch Berührungen mit den Fingern direkt über das Display steuern: Browser aufrufen, Fenster öffnen und vieles mehr - alles mit den Fingern.

Der direkte und meist intuitive Einsatz der Finger sei in vielen Bereichen einfacher und schneller als die Arbeit mit Tastatur und Maus, sagt Dirk Neuneier vom Hersteller MSI Technology. Schnelles Navigieren durch Websites oder das Vergrößern und Verkleinern der Website-Ansicht würden vereinfacht. Das direkte Bedienkonzept mache den PC zudem für eine breite Zielgruppe interessant - inklusive der Anwender, die nicht mit einem Computer aufgewachsen sind, so Neuneier.

Mit Windows 7 ist erst jetzt ein Betriebssystem verfügbar, das von Haus aus touchfähig ist. Zu den Geräten, die davon profitieren, gehört der Aspire Z5610 von Acer. Das 23-Zoll-Gerät im 16:9-Format kostet ab 999 Euro. Je nach Wunsch des Kunden wird der Rechner mit Dual- oder Quad-Prozessoren und mit bis zu 8 Gigabyte (GB) DDR3-Arbeitsspeicher ausgestattet. Als Grafikkarte kommt eine ATI HD4570 mit 512 MB zum Einsatz. Auch WLAN 802.11n ist an Bord. Hinzu kommt ein integrierter Hybrid-TV Tuner.

MSI hat seinen All-in-one-PC Wind Top AE2220 Multitouch, der über eine Bildschirmdiagonale von rund 55 Zentimetern verfügt, mit eingebauter Webcam versehen. Zur Ausstattung des PCs gehören ferner WLAN, eine 640 GB große Festplatte, ein DVD-Super-Multi-Laufwerk, HDMI-Eingang sowie ein 6-in-1-Kartenleser. Als Prozessor kommt ein Intel Core 2 Duo zum Einsatz, der von vier GB Arbeitsspeicher und einem ION-Grafikprozessor von Nvidia unterstützt wird. Der mit Windows 7 ausgerüstete und mit kabelloser Maus und Tastatur ausgelieferte Rechner kostet 799 Euro.

Elegant ohne Kabelsalat

Acer und MSI sind nicht die einzigen Anbieter von All-in-One-Systemen mit Touch-Technologie. Es gibt sie auch von HP und Medion. "Die Geräte verfügen meist auch über eine eingebaute Webcam und ein Mikrofon. Und oft werden kabellose Eingabegeräte mitgeliefert, so dass schon mal der Kabelsalat entfällt", erklärt Andreas Kuch von der Zeitschrift "PC-Welt".

Die neuen AIO-Computer mit Touchbedienung sollten nicht pauschal mit den günstigen AIOs gleichgesetzt werden, deren Hardware häufig auf Netbook-Technik basiert. Bei Geräten bis zur 600-Euro-Grenze werden laut Kuch Netbook-Teile verwendet, die entsprechend leistungsschwach sind. Die aktuellen AIOs haben jedoch deutlich mehr Power, auch wenn bei manchen Modellen bestimmte Komponenten der Hardware eigentlich für Notebooks konzipiert wurden. Durch die Verwendung von etwas leistungsschwächeren, aber auch weniger heiß werdenden Notebookprozessoren lässt sich an der Kühlung und damit am Platz sparen.

PC-Aufgaben wie E-Mails schreiben und Surfen lassen sich damit auf jeden Fall erledigen. Auch für die Bearbeitung von Fotos und Videos in normaler Auflösung reichen diese Systeme aus. "Fürs Schneiden von HD-Videos eher nicht", sagt Kuch. Von Nachteil ist auch, dass sich All-in-One-Geräte nur begrenzt um- oder aufrüsten lassen. "Arbeitsspeicher und Festplatte lassen sich in der Regel aber einfach austauschen", erklärt Kuch. Der Touchfunktion sind jedoch Grenzen gesetzt. Sie kann die Bedienung durch Tastatur und Maus nicht vollständig ersetzen. "Schreibt man eine längere E-Mail oder gar einen Artikel, kommt man um die Standardtastatur nicht herum", so MSI.

Sven Appel, dpa