Samstag, 17. August 2019

Yahoo-Europa-Chef "Die Tage geschlossener Webseiten sind gezählt"

Yahoo geht mit einem neuen Webauftritt nun auch in Deutschland an den Start. Europa-Chef Rich Riley erklärt im Gespräch mit manager-magazin.de, wie er den Wettlauf mit Facebook und Google damit in Zukunft gewinnen will.

mm.de: Yahoo, Facebook, Google - alle wollen zu der Seite im Netz heranwachsen, von der aus die Nutzer ausschließlich online gehen werden. Warum sollte ausgerechnet Yahoo Börsen-Chart zeigen den Wettlauf um die Pole Position im World Wide Web gewinnen?

"Sind in Europa auf dem Wachstumspfad": Yahoo-Europa-Chef Rich Riley
Riley: Jeder von uns nutzt das Internet für sehr Persönliches wie E-Mail-Schreiben oder zum Kommunizieren in sozialen Netzwerken. Und es gibt Angebote, die uns alle interessieren, etwa Nachrichten. Yahoo befriedigt beide Bedürfnisse. Und wir haben die Dienste unserer Wettbewerber Facebook und Google Börsen-Chart zeigen in den neuen Seitenauftritt jetzt integriert. Damit sind wir einzigartig aufgestellt. Wir bieten nicht nur mehr als unsere Wettbewerber, wir sind auch für die Nutzer relevanter. Deswegen werden diese zu uns kommen.

mm.de: Ist diese Strategie, die starken Konkurrenten ins eigene Angebot zu integrieren, nicht zu gefährlich? Yahoo läuft doch Gefahr, Nutzer zu verlieren, statt sie zu gewinnen.

Riley: Die Entscheidung, uns zu öffnen, ist in der Tat ein Bruch mit der alten Firmenphilosophie. Aber die Nutzer werden immer besser darin, das zu finden, was sie im Internet suchen. Deswegen sind die Tage der in sich geschlossenen Seiten gezählt. Wir wollen dem Nutzer nicht nur das Beste zeigen, was wir im Angebot haben, sondern das Beste aus dem ganzen Internet.

mm.de: Yahoo steckt in einem bitteren Abwärtstrend. Und in Europa waren Sie ohnehin nie stark. Wie wollen Sie dies ändern?

Zur Person
Rich Riley (36) leitet seit Ende 2008 das Europageschäft des US-Internetkonzerns. Sein Eintritt bei Yahoo war lukrativ: Riley, damals 25, verkaufte das Online-Unternehmen Log Me On, das er mitgegründet hatte, für 5 Millionen Dollar an seinen zukünftigen Arbeitgeber.
Riley: Europa ist in der Tat schon immer eine größere Herausforderung für uns gewesen. In der Vergangenheit arbeiteten die einzelnen Regionen sehr autonom, jede hatte ihre eigenen Finanz-, Sport, und Nachrichtenangebote. Die Seiten litten darunter, dass sie kein globales Profil besaßen. Das habe ich geändert. Wir haben jetzt globale Produkte, die sich lokal anfühlen und erreichen damit jeden Monat 123 Millionen Nutzer. Das sind 14 Prozent mehr als im Jahr davor. In Europa befinden wir uns also auf einem Wachstumspfad.

mm.de: Was wollen Sie weiter erreichen auf dem europäischen Markt?

Riley: Heute nutzt die Hälfte aller Internetbesucher in Europa Yahoo. Ich will, dass sich diese Quote vergrößert - und zwar Monat um Monat. Ich werde aber keine konkreten Zahlen nennen. Und ich will den größten Marktanteil im Geschäft mit Display-Anzeigen gewinnen. Wir haben der Konkurrenz im vergangenen Jahr Marktanteile abgenommen und beabsichtigen, dies auch weiterhin zu tun. Aber auch hier kann ich leider keine konkreten Angaben machen.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung