Wirtschaftskrise Alcatel-Lucent spekuliert auf 2010

Der angeschlagene Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent rutscht immer tiefer in die roten Zahlen, an der Börse sinkt der Aktienkurs des Konzerns. Dennoch sieht Vorstandschef Ben Verwaayen sein Unternehmen auf Kurs. Analysten halten das nicht für ausgeschlossen. Im kommenden Jahr könne es tatsächlich aufwärts gehen.

Paris - Die Investitionskürzungen bei großen Telekomkonzernen treffen den französischen Netzwerk-Ausrüster Alcatel-Lucent schwer: Der Nokia Siemens-Konkurrent verbuchte am Freitag den zwölften Quartalsverlust in Folge. Das Marktumfeld sei noch immer schwierig, sagte Vorstandschef Ben Verwaayen und bekräftigte seine Prognose, der Markt für Telekomausrüster werde in diesem Jahr zwischen 8 und 12 Prozent einbrechen. Die Anleger an der Börse in Paris reagierten enttäuscht. Die Alcatel-Aktie  büßte mehr als 5 Prozent ein.

Bereinigt belief sich der operative Fehlbetrag im dritten Quartal auf elf Millionen Euro. Analysten hatten mit einem etwas höheren Verlust gerechnet. Der Umsatz lag mit 3,687 Milliarden Euro unter den Erwartungen. Alcatels Rivale Ericsson hatte vergangene Woche mit überraschend schwachen Zahlen ebenfalls für Ernüchterung gesorgt. Beide Konzerne leiden darunter, dass Telekomriesen wie France Telecom in diesem Jahr Investitionen auf Eis legen, da sich die Folgen der Rezession in den Geldbeuteln ihrer Kunden bemerkbar machen. Um sich gegen die Wirtschaftskrise zu stemmen, hat sich Alcatel für dieses Jahr strikte Kostensenkungen auferlegt.

Verwaayen sieht den Konzern dabei auf Kurs. 80 Prozent des 750 Millionen Euro schweren Programms seien bereits umgesetzt, sagte der Vorstandschef. Er hoffe weiterhin, der Konzern werde 2009 auf bereinigter operativer Basis die Gewinnschwelle erreichen. Mit einem Nettogewinn rechnet Alcatel erst in der zweiten Jahreshälfte 2010.

Die Fusion von Alcatel und Lucent war bislang nicht von Erfolg gekrönt: Seit dem Zusammenschluss im November 2006 hat das Unternehmen Milliardenverluste angehäuft, seinen Vorstand komplett umgebaut und tausende Stellen gestrichen. In diesem Jahr sollen 750 Millionen Euro eingespart werden. Davon seien bereits 80 Prozent erreicht, sagte Verwaayen.

Analysten gehen davon aus, dass 2010 Entlastung von den Telekomriesen kommen könnte, wenn diese wieder mehr Geld in ihre Netzwerke stecken. Alcatel rechne im kommenden Jahr mit einem Wachstum von fünf Prozent oder weniger auf dem Telekomausrüstungsmarkt, sagte Finanzvorstand Paul Tufano und erklärte, der Konzern wolle sich von Bereichen außerhalb des Kerngeschäfts trennen. "Eine dieser Verhandlungen steckt bereits in der Endphase und wir hoffen, bis Quartalsende diesbezüglich etwas mitteilen zu können."

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters