Medientage Im Zeichen des Wandels

Mit einem Aufruf zur Neuausrichtung starten an diesem Mittwoch die 23. Medientage München. Dabei ist die Debatte um Gratis-Journalismus im Internet eines der zentralen Themen.

München - Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, forderte ein Umdenken von Anbietern und Nutzern. Auf Dauer sei es nicht möglich, kreative und schöpferische Leistung zu generieren, wenn sie nicht entsprechend honoriert wird. Ähnlich argumentiert Andreas Scherer, Vorsitzender des Verbandes Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV). Zeitungshäuser böten gute und umfangreiche Qualitätsauftritte, "und deshalb müssen wir versuchen, das Ganze jetzt zu refinanzieren".

Die von der BLM organisierten 23. Medientage München (28. bis 30. Oktober) stehen unter dem Titel "MUT - Medien und Transformation". Medienmogul Rupert Murdoch ist international einer der Verfechter für ein Ende des Gratis-Journalismus im Internet, immer mehr Verlage machen sich auch in Deutschland für neue Formen eines redaktionellen Leistungsschutzrechtes stark.

Die stark steigende Zahl der kostenfreien Online-Nutzer und der stete Rückgang der Zeitungsabonnenten zwinge die Zeitungsverlage dazu, den lange hinausgezögerten Weg der Gebühr für die Nutzung der Online-Angebote nun einzuschlagen, sagte Scherer, Geschäftsführer der Presse-Druck- und Verlags-GmbH ("Augsburger Allgemeine"). Während früher galt, dass eine Zeitung sich zu einem Drittel über den Vertrieb und über zwei Drittel Anzeigen finanziert, seien die Anzeigen bei vielen Verlagen inzwischen der kleinere Teil der Refinanzierung. "Wir sind gerne bereit, unseren Zeitungsabonnenten unsere Online-Dienste ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung zu stellen", sagte Scherer. "Es ist aber nur fair und richtig, diejenigen Online-User, die unsere Qualitätsinhalte kostenfrei genutzt haben, an unseren Aufwendungen zu beteiligen."

Mit Blick auf die kostenlosen Online-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender bekräftigte BLM-Präsident Ring erneut, dass hier enge Grenzen herrschen müssten. "Man kann nicht die Mehrfachverwertung einfach zum Prinzip machen." Die Rundfunkanstalten seien mit knapp 7,6 Milliarden Euro an Einnahmen aus Gebühren und Werbung in einer komfortablen Situation, dagegen müssten die Privaten sehen, wo sie bleiben. Für Diskussionsstoff sorgt daher derzeit auch der im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag festgeschriebene sogenannte Drei-Stufen-Test, mit dem geprüft wird, ob die Online-Angebote der Rundfunkanstalten dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechen.

Die aktuelle Wirtschaftskrise hat zudem den Kampf um Erlösquellen und Werbeeinnahmen zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien weiter verschärft. Dabei kamen auch seit Jahren gestellte Forderungen, die Werbung etwa zunächst bei Radioprogrammen der ARD-Sender stärker zu beschränken, erneut auf den Tisch. "Wir sehen uns als Sachwalter des Dualen Systems", sagte Ring.

Mit Blick auf die aus der Wirtschaftskrise erwachsende Medienkrise setzen die Verleger jedoch nicht nur auf künftige Online-Einnahmen, sondern vor allem auch auf die Politik. "Es ist entscheidend, dass wir den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent nicht nur für die Zeitung erhalten, sondern auch auf unser Online-Geschäft ausweiten", forderte Scherer. Zudem müsse die Regierung aus Union und FDP das Leistungsschutzrecht vorantreiben, das - gemäß der Gema in der Musikbranche - für die Weitergabe und Wiedergabetechnik von Texten auch Abgaben fordert. Mit Blick auf die erwartbaren Zwänge zu mehr Kooperation bis hin zur Fusion von Zeitungsverlagen forderte der VBZV-Vorsitzende zudem erneut die Lockerung des Presse-Kartellrechts.

manager-magazin.de mit Material der dpa

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