Kooperation Microsoft und Google durchsuchen Twitter

Der Wettlauf um die Echtzeitsuche ist bereits im vollen Gang. Microsoft und Google wollen künftig Twitter-Botschaften sekundenschnell durchstöbern. Der Gates-Konzern kam dem Rivalen dabei ausgerechnet in dessen Kerngeschäft zuvor - und hat außerdem noch mit Facebook ein Geschäft abgeschlossen.

San Francisco - Erst verkündete Microsoft  eine Partnerschaft mit Twitter, wenig später auch Google : Die Suchmaschinen der beiden rivalisierenden Techgiganten werden in Zukunft auch die Kurznachrichten des Internetdienstes erfassen. Beide Konzerne kündigten am Mittwoch entsprechende Einigungen über eine Echtzeit-Suche an.

Sie wollen also die Kurzbotschaften von Twitter indizieren und nahezu in dem Moment, in dem sie gepostet werden, durchsuchen können.

Bei den Ankündigungen der Deals lieferten sich die beiden Erzrivalen eine Art Echtzeitduell. Nachdem eine entsprechende Ankündigung von Microsoft bereits durch Blogs und Fachpresse ging, beeilte sich auch Google, einen entsprechenden Deal bekannt zu geben.

Die Ankündigung des Suchmaschinenriesen wirkt insgesamt weniger fortgeschritten. Während Microsoft in den USA schon eine Testversion der Twitter-Suche online gestellt hat, kündigte Google lediglich an, in den "kommenden Monaten" diese Funktion anbieten zu wollen. Wichtiger als der erste zu sein, sei die Qualität der Ergebnisse bei der Echtzeitsuche, sagte Jack Menzel, einer der führenden Ingenieure für das Twitter-Projekt bei Google.

Microsoft schloss neben der Twitter-Kooperation noch ein Geschäft für die Blitzsuche nach aktuellen Mitteilungen ab: Der weltgrößte Softwarehersteller teilte auf einer Internetkonferenz mit, seine Suchmaschine Bing werde auch die Seiten des sozialen Netzwerks Facebook erfassen.

Dem Softwareriesen ist mit diesen Ankündigungen ein kleiner Coup gelungen. Microsoft kämpft mit Bing gegen Google an; der Software-Hersteller hatte die Suchmaschine erst im Sommer gestartet. Zunächst skeptisch beäugt von Kritikern, überraschte Bing mit guten, schnellen und nützlichen Treffern. Zwar hinkt es Google bei den Marktanteilen noch meilenweit hinterher, holt aber immer weiter auf.

Dass Microsoft nun Google im eigenen Revier mit der Ankündigung eines wichtigen Deals zuvorgekommen ist, dürfte nach Ansicht von Analysten allerdings nur kurzzeitige PR-Effekte haben. Der Coup gebe Microsoft eine gute Gelegenheit, Aufmerksamkeit auf Bing zu lenken, schreibt der Branchenexperte Danny Sullivan in seinem Blog Search Engine Land. Langfristig dürften sich die Auswirkungen indes in Grenzen halten.

Deutlich profitieren dürfte vom Wettlauf der Giganten Twitter. Zwar nannten weder Google noch Microsoft finanzielle Einzelheiten zu dem Deal. Sollten die Konzerne für den Zugriff auf die Daten aber zahlen - was nicht auszuschließen ist -, wäre das für Twitter das erste Geschäft, bei dem nennenswert Einnahmen generiert werden.

SPIEGEL ONLINE