Windows 7 "Wir wollen on the go connected sein"

Windows 7, Microsofts neues Betriebssystem, hat gute Chancen, das Desaster mit dem Vorgänger Vista vergessen zu machen. Das muss es auch, will der Softwarekonzern seine Führungsposition gegen Mitbewerber wie Google und Apple verteidigen. Ein Presseempfang zum Verkaufsstart sorgte für verblüffende Einsichten.

Hamburg - Man darf den Leuten von Microsoft  den Präsentationsstil nicht übelnehmen. Der ist Usus in den USA, und wenn man den üblichen Hype mal beiseite lässt, macht es Apple  auch nicht anders.

Da sitzt also die deutsche Microsoft-Managerin Dorothee Ritz zusammen mit Jon de Vaan auf der Bühne, der bei der amerikanischen Muttergesellschaft einer der Leiter der Entwicklung des Betriebssystems Windows ist. Einer dieser Computer-Nerds, nicht ganz schlank, im Wollpulli, sympathisch. Die beiden führen ein Gespräch darüber, wie wunderbar das neue Windows 7 ist, und jedem ist klar, dass keine einzige Zeile des Dialogs frei improvisiert sein kann.

Um zu wissen, was die Kundschaft wolle, habe man 16.000 Online-Interviews geführt und auf die Erfahrungen von 8 Millionen Beta-Testern zurückgegriffen, erklärt Ritz und will von de Vaan wissen, was dabei herausgekommen ist. Das Ergebnis ist verblüffend: "Die Leute wollen neue Sachen ausprobieren und sie wollen, dass alles einfach funktioniert", sagt der Entwickler.

In diesem Stil geht es weiter. Der Auftritt gipfelt in der Frage: "Jon, was ist denn deine Lieblingsfunktion an Windows 7?" De Vaan: "Oh Mann, das ist wirklich schwer zu beantworten, wo soll ich anfangen?"

Am heutigen Donnerstag beginnt Microsoft mit der Auslieferung von Windows 7. Nach einer kleinen Welttournee des Konzernchefs Steve Ballmer in den vergangenen Wochen, über die in den Medien ausführlich berichtet wurde, musste für diesen recht abstrakten Anlass also noch ein Ereignis her. So kommt es, dass die deutsche Division des Softwareherstellers am Mittwochabend einen Presseempfang in der Hamburger Hafen-City ausgerichtet hat.

"Powerfrauen nach ihren Wünschen befragt"

Schließlich ist Windows nicht irgendein Produkt von Microsoft. Zusammen mit dem Bürosoftware-Paket Office ist Windows der Grund, warum der Konzern aus dem amerikanischen Redmond so groß ist und sein Gründer Bill Gates einer der reichsten Männer der Welt. Je nach Zählweise liegt der Marktanteil von Windows bei 90 bis 95 Prozent weltweit.

Dennoch ist der Erfolg nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Kostenlose Linux-Systeme heizen dem Marktführer ein, Apple wird immer erfolgreicher und inzwischen hat sogar Google  ein eigenes Betriebssystem angekündigt.

Der Vorgänger von Windows 7, Vista, geriet zudem zur Enttäuschung. Die Bedienung wurde oft als umständlich wahrgenommen, sein Einsatz erforderte meist neue und leistungsstärkere PCs. Viele Kunden blieben einfach beim Vorläufer Windows XP. Fragt man bei Microsoft am Rande der Bühne nach, gibt man dort unumwunden zu, dass Windows Vista die Erwartungen nicht erfüllt hat - "aber nur im Businessbereich!" Klar, Privatkunden haben kaum die Wahl, weil das Betriebssystem von den meisten Computerherstellern vorinstalliert wird.

Es ist offensichtlich, dass sich Microsoft anstrengen musste, um die eigene Position zu sichern. Und lässt man all das PR-Geschwurbel beiseite ("Wir haben Powerfrauen nach ihren Wünschen befragt, die sagten: Wir wollen on the go connected sein."), dann ist es möglich, dass Microsoft tatsächlich ein attraktives System gelungen ist.

Tests der Fachpresse loben recht einhellig die flottere Arbeitsgeschwindigkeit und eine Bedienlogik, die von vielen überflüssigen Klicks und logischen Brüchen befreit wurde. Das Einrichten von Netzwerken soll endlich kinderleicht sein, die angebotenen Ordnungshilfen im Dateisystem nützlich.

Per Fingerzeig ins Google-Land

Der erste Eindruck an den zahlreichen Testgeräten auf dem Empfang zeigt ein übersichtliches, aufgeräumtes Betriebssystem. Auch auf sparsam bestückten Netbooks ist die Arbeitsgeschwindigkeit gut - Vista ließ sich auf den meisten nicht einmal installieren. Das neue System läuft zudem auch auf älterer Hardware flüssig. Eine wichtige Lehre aus dem Vista-Desaster.

So freuen sich die Microsoft-Leute auch über eine große Zahl an Vorbestellungen, ohne diese Zahl öffentlich zu nennen. Stattdessen zitieren sie die Marktforscher von IDC, die davon ausgehen, dass bis Ende 2010 von Windows 7 rund 177 Millionen Lizenzen verkauft werden könnten. Dafür spricht, dass in vielen Unternehmen eben noch das betagte XP verwendet wird.

Leicht wird das allerdings nicht. Auch Apple meldet Verkaufsrekorde für das eben eingeführte Betriebssystem Snow Leopard. Viele öffentliche Verwaltungen, gerade auch in Deutschland, stellen auf Linux um. Und Google könnte mit seiner Marktmacht schnell ein neues Betriebssystem durchsetzen - zumal der Konzern dafür gefürchtet ist, besonders nah am Kunden zu entwickeln.

Auf der Veranstaltung galten solche Zweifel wenig. Die meisten Gäste bestaunten lieber große Touchscreens, Bildschirme also, auf denen sich der Computer per Fingerzeig steuern lässt. Wenn man so als Betrachter etwa in eine dreidimensionale Landkarte eintaucht und per Fingerdruck auf dem Bildschirm bestimmt, in welche Richtung man fliegt - das ist sehr beeindruckend.

Die Touchscreen-Software ist bei Windows 7 schon dabei. Die Landkarte allerdings kommt von Google.

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