Schmiergeldaffäre MAN feuert Topmanager

Die Schmiergeldpraktiken bei MAN haben einem Bericht zufolge drei Topmanagern den Job gekostet. Weitgehend unbemerkt wurde demnach zum 1. Oktober fast die komplette Vertriebsführung der Nutzfahrzeugsparte in Deutschland ausgetauscht. Weitere sechs Mitarbeiter seien beurlaubt worden.

Hamburg/München - Bei der Nutzfahrzeugsparte in Deutschland hätten drei Topmanager aus dem Vertrieb gehen müssen, die nach einer Razzia Anfang Mai ins Visier der Ermittler geraten seien. Das berichtete das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL am Samstag vorab. Auch in Österreich sei der bisherige Statthalter ausgewechselt worden.

Rund ein halbes Dutzend weiterer Verkaufs- und Vertriebsmitarbeiter an verschiedenen Nutzfahrzeugstandorten in Deutschland seien bereits beurlaubt worden und sollen in den kommenden Wochen und Monaten ausgetauscht werden, berichtet das Magazin weiter. Einige von ihnen gälten schon seit Längerem als Beschuldigte in dem Verfahren. Nun wolle die Konzernspitze mit der großangelegten Personalrochade das Signal zu einem Neuanfang setzen.

Der MAN-Aufsichtsrat will nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) bis zum Jahresende Klarheit haben über das Ausmaß der Korruptionsaffäre in dem Unternehmen. MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson müsse dem vom Autoindustriellen Ferdinand Piëch geleiteten Kontrollgremium bei dessen nächster Sitzung am 11. Dezember Rapport erstatten, berichtete die Zeitung.

Im Aufsichtsrat wird laut der Zeitung darauf gedrängt, "den Fall bis Ende des Jahres abschließen zu können" - zumindest, was die eigenen Nachforschungen und die Konsequenzen daraus anbelangt. Die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft werden nach Angaben des Blattes noch länger dauern.

MAN kämpft seit Mai mit der Schmiergeldaffäre. Mitte Juli ging Vertriebsvorstand Peter Erichreineke. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass vor allem im Lastwagengeschäft Verkäufer in den Niederlassungen Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden zahlten, um den Verkauf anzukurbeln. Sie haben weit mehr als 100 Beschuldigte im Visier, dem Vernehmen nach auch Erichreineke.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

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