USA Im Netz sind alle gleich, oder?

Julius Genachowski hat hehre Ziele. Der Leiter der US-Aufsichtsbehörde für Telekommunikation FCC will die Provider und Mobilfunkanbieter zur Netzneutralität im Internet zwingen. Für Comcast, AT&T und Co. ist das eine schwere Schlappe.

New York - US-Präsident Barack Obama hatte es schon im Wahlkampf versprochen, sich für den Grundsatz der Netzneutralität einzusetzen. Julius Genachowski, der Leiter der Aufsichtsbehörde FCC, hat nun am Montag eine mit Spannung erwartete Rede gehalten, was die US-Regierung vorhat:

Klare Regeln sollen sicherstellen, dass künftig alle Kunden gleich behandelt werden. Niemand soll im Netz diskriminiert werden. Bislang gibt es solche Bestimmungen bereits für den Datenverkehr in Hochgeschwindigkeitsnetzen, Kabel und Mobilfunk sind jedoch bisher davon ausgeschlossen.

Mehrere große Internetunternehmen wie Google haben zusammen mit Verbrauchergruppen gefordert, dass diese Regeln auch für den drahtlosen Internetverkehr gelten müssten.

Tatsächlich können Provider bisher beispielsweise ihre zahlende Kunden bevorzugen, wenn sie auf der firmeneigenen Website Videos oder Fotos downloaden. Gleichzeitig können sie den Download verlangsamen, wählen die Nutzer eine Konkurrenzseite aus.

Die FCC wolle den Unternehmen nicht verbieten, weiter bestimmte Preismodelle für ihre Kunden auszuprobieren, hieß es nun. Vielmehr wolle die Behörde in Zusammenarbeit mit den Unternehmen Regeln aufstellen.

Für Telekomfirmen wie AT&T oder Verizon  ist das drohende Regelwerk jedoch eine schwere Schlappe. Sie hatten in der Vergangenheit wiederholt argumentiert, sie müssten ihre Netze vor Überlastung schützen. Durch Streams von Videoseiten wie Youtube oder Hulu entstünden hohe Übertragungskosten. Auf denen bliebe man sitzen - denn die von den Angeboten generierten Werbeerlöse landeten bei Firmen wie Google , die nichts für die Übertragung durch das Netz der Telefonfirmen zahlten.

Zudem befürchten die Unternehmen, dass Netzanwendungen mit einem hohen Bedarf an Bandbreite den Internetzugang für andere Nutzer ausbremsen könnten. Als einer der Hauptkritikpunkte gilt jedoch, dass die Unternehmen sich nicht regulieren lassen wollen, da sie die Netze größtenteils selbst aufgebaut haben.

Zwei Vertreter der republikanischen Partei, die in der fünfköpfigen Kommission der FCC sitzen, zeigen sich wesentlich weniger überzeugt, ob der Eingriff der FCC tatsächlich richtig ist. Verhindern können sie das Vorhaben allerdings kaum, denn Genachowski dürfte der Rückhalt der drei demokratischen Mitglieder reichen, um das Werk durchzusetzen. Im Oktober will Genachowski den Startschuss geben, um das Regelwerk zu entwickeln.

manager-magazin.de mit Agenturen

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.