Samstag, 18. Januar 2020

Traditionsmarke Telefunken kehrt als Start-up zurück

Hartmut Esslinger will Telefunken wiederbeleben: Die Traditionsmarke, die jahrelang von der Bildfläche verschwunden war, soll mit Designprodukten an alte Erfolge anknüpfen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, schließlich hat Esslinger schon erfolgreich mit Steve Jobs zusammengearbeitet.

Berlin - Die deutsche Industrie-Ikone Telefunken war fast in der Versenkung verschwunden. Das Berliner Technikunternehmen stand einst in einer Reihe mit namhaften Unterhaltungselektronikmarken wie Nordmende, Wega, Dual und Grundig. 1903 auf Weisung von Kaiser Wilhelm II. als Gemeinschaftsunternehmen von Siemens & Halske und der AEG gegründet, erlebte die Traditionsmarke in den 60er Jahren mit damals rund 35.000 Beschäftigten ihren Zenit.

Unternehmen mit Tradition: Telefunken damals ...
Dann verpasste Telefunken allerdings den Trend, den japanische Konzerne wie Sony in den 70er Jahren vorgaben. Das Aus kam rund ein Jahrzehnt später, als die Telefunken AG fast vollständig zerschlagen wurde. Die Markenrechte landeten über den AEG-Konzern kaum mehr beachtet bei Daimler Börsen-Chart zeigen.

Ein Schwabe möchte nun dafür sorgen, dass die Nostalgiemarke wiederbelebt wird und ein junges Publikum Telefunken neu entdecken soll. Hartmut Esslinger gilt in der Designerszene als Legende. Anfang der 80er Jahre, als bei Telefunken bereits der Niedergang einsetzte, verhalf Esslinger Apple-Mitbegründer Steve Jobs dabei, das erste PC-Gehäuse zu entwerfen, das von der Szene als formschön erachtet wurde.

"Wir haben rund um die Uhr gearbeitet, nachts die Beatles und Bob Dylan gehört und über Strategien, Skizzen und Styropormodelle diskutiert", beschreibt der heute 65-jährige Wahl-Kalifornier den Auftrag, der sein Leben verändern sollte. Seine Firma Frog Design hat seitdem für Microsoft Börsen-Chart zeigen, Walt Disney Börsen-Chart zeigen, Sony Börsen-Chart zeigen und zahlreiche andere Weltmarken gearbeitet.

Vor knapp zwei Jahren wurde Esslinger von Hemjö Klein in das kleine Telefunken-Team geholt. Der ehemalige Bahn-Vorstand hatte Ende 2007 Daimler die Markenrechte für einen zweistelligen Millionenbetrag abgekauft, um in Europa, Asien und später auch den USA Unterhaltungselektronik unter dem Namen "Telefunken" anbieten zu können. Im Gegensatz zu anderen Marken sei Telefunken in der Vergangenheit nie beschädigt worden, sagt Klein. "Sie war mal einige Zeit vom Markt verschwunden, hat aber keine Skandale erlebt."

... und heute:
Esslinger fühlt sich mit seiner neuen Aufgabe an seine Jahre bei Apple erinnert: "Wir sind nur 22 Leute und funktionieren im Prinzip wie ein Start-up-Unternehmen." In Auftrag von Telefunken sei er nun ständig in China und Taiwan unterwegs, um die Designer und Ingenieure der Telefunken-Lizenznehmer von seinen Prinzipien zu überzeugen. "Wir wollen coole Produkte mit einem klaren Design, bedienerfreundlich aber auch nachhaltig und umweltfreundlich." Als ersten Schritt setzte Esslinger durch, dass die meisten Audioprodukte mit dem Label Telefunken leicht mit dem Apple-Erfolgsprodukt iPod verbunden werden können.

Im Gegensatz zu anderen am Markt aktiven deutschen Traditionsmarken wie Metz oder Loewe Börsen-Chart zeigen produziert und vertreibt Telefunken selbst keine Geräte, sondern überlässt Spezialisten wie der Intron Electronic GmbH oder der türkischen Vestel Group diesen Teil der Wertschöpfungskette. "Wir lizenzieren die Marke und sorgen dafür, dass Qualität und Design stimmen." Auf der Ifa in Berlin kann Esslinger die ersten Ergebnisse vorzeigen, auf die er stolz ist, darunter zwei modern gestaltete Röhrenverstärker im Aludesign, mit denen man aus einem iPod eine ungeahnte Klangfülle zaubern kann.

Erfolge feiert Telefunken nach Esslingers Worten derzeit vor allem in Russland und dem Nahen Osten. "Da läuft es sogar besser als hier in Deutschland." Die Ifa soll nun dazu beitragen, dass Telefunken wieder die Regale der hiesigen Fachhändler erobert. Für einen Marktstart in den USA sieht Esslinger den richtigen Zeitpunkt noch nicht gekommen. "Amerika steckt mitten in der Rezession."

Christoph Dernbach, dpa

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