Zusammenschluss Telekom bestätigt Plan mit Orange

Die Deutsche Telekom will ihre britische Mobilfunktochter T-Mobile UK mit der Tochter Orange UK des Konkurrenten France Telecom zusammenschließen. Verhandlungen für ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Partner zur Hälfte beteiligt sein sollen, seien aufgenommen worden.

Bonn/Paris/London - Die Deutsche Telekom  will ihre angeschlagene britische Mobilfunktochter T-Mobile UK in ein Gemeinschaftsunternehmen mit France Telecom  einbringen. Es seien Verhandlungen zu einer Zusammenlegung von T-Mobile UK und Orange UK aufgenommen worden, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. manager-magazin.de hatte zuvor exklusiv berichtet, dass beide Unternehmen kurz vor einer Einigung stünden.

Statt sich vom am stärksten umkämpften Mobilfunkmarkt in Europa zurückzuziehen, wagen die Bonner nun den Angriff nach vorne. Mit einem Joint-Venture von T-Mobile UK und der France-Telecom-Tochter Orange steigen die Partner mit einem Kundenanteil von 37 Prozent zum größten Anbieter in Großbritannien auf, vor der Telefonica-Tochter o2, Vodafone und der Hutchison-Tochter 3.

Exklusive Verhandlungen über ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Partner zur Hälfte beteiligt sein sollen, seien aufgenommen worden, teilten die Konzerne am Dienstag mit. Der Vertragsabschluss werde bis Ende Oktober erwartet. Das Vorhaben müsse noch von den Aufsichtsgremien und Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Aus der Zusammenlegung verspricht sich die Telekom Synergien von mehr als vier Milliarden Euro. Die Integrationskosten würden bei 600 bis 800 Millionen Euro im Zeitraum 2010 bis 2014 liegen. Ab 2011 solle sich die Transaktion positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken.

Die Telekom hatte angekündigt, alle Optionen für T-Mobile UK zu prüfen. Der Konzern hatte auf den Wert der Tochter im ersten Quartal 1,8 Milliarden Euro abgeschrieben, nachdem Umsatz und operativer Gewinn massiv gesunken waren. Wie Reuters zuvor aus Unternehmenskreisen erfahren hatte, war ein Joint Venture die bevorzugte Option des Managements. Der Konzern könne derzeit nicht den Verkaufspreis für T-Mobile UK erzielen, der seinen Vorstellungen entspreche, hieß es.

Für France Telecom als Joint-Venture-Partner sprach unter anderem, dass die Unternehmen in der Vergangenheit bereits gemeinsam Geschäfte gemacht haben. So übernahm die Telekom 2007 von France Telecom die niederländische Tochter Orange und gab ihre spanische Breitbandtochter ya.com an die Franzosen ab. Das neue Unternehmen in Großbritannien würde (Stand Ende 2008) 28,4 Millionen Kunden zählen. Der Umsatz läge bei 9,4 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern und Zinsen bei 2,1 Milliarden Euro. Die beiden Marken sollen nach Abschluss gemeinsam für 18 Monate bestehen bleiben. In dieser Zeit will sich das Management Gedanken über einen neuen Auftritt machen.

Chef des Joint Ventures soll der bisherige CEO von Orange UK, Tom Alexander, werden, während der vor kurzem benannte T-Mobile-UK-Chef Richard Moat den Posten des COOs übernimmt. Wie die Telekom mitteilte, habe sich der Konzern dem Joint Venture für drei Jahre verpflichtet.

Einsparungen erhoffen sich die Partner unter anderem durch die Integration und Vereinheitlichung der Netze und den gemeinsamen Ausbau des 3G-Netzes (UMTS). 2010 steht wohl auch die Versteigerung neuer Mobilfunkfrequenzen an. Kosten entstehen etwa durch den Abbau von Anlagen, der Straffung des Ladennetzes und der Optimierung operativer Abläufe.

In das Joint Venture sollen auch die Breitbandaktivitäten von Orange eingebracht werden, womit das neue Unternehmen dann auch kombinierte Angebote an die Kunden machen kann. Die Telekom werde alle Aktivitäten von T-Mobile UK in das Gemeinschaftsunternehmen einbringen, ohne Barmittel und Schulden, einschließlich der 50-prozentigen Beteiligung am 3G-Netz-Joint-Venture mit Hutchison. France Telecom werde zum Geschäft auch 1,25 Milliarden Pfund Nettoschulden mit einbringen, um Bewertungsunterschiede auszugleichen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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