Samstag, 18. Januar 2020

Ifa Jahresendspurt der Elektrobranche

Im Vergleich mit anderen Branchen ist die Elektrobranche bislang glimpflich durch die Wirtschaftskrise gekommen. Die Kauflust der Verbraucher hielt den Umsatzrückgang bei TVs, Handys und Haushaltsgeräten in Grenzen. Auf der Ifa in Berlin wollen die Unternehmen die Neugier der Kunden für den Jahresendspurt nutzen.

München - Die Veranstalter der Internationalen Funkausstellung (Ifa) rechnen trotz Wirtschaftskrise mit konstantem Interesse von Ausstellern und Publikum. "Wir haben letztes Jahr ein Rekordniveau erreicht und werden uns dieses Jahr um das Rekordniveau herum bewegen", sagt Ifa-Chef Jens Heithecker.

Ifa-Trends 2009: Internet auf dem TV und gestochen scharfe Bilder
Im vergangenen Jahr hatten sich rund 220.000 Besucher um die Stände von 1245 Ausstellern auf Europas größter Konsumelektronikmesse gedrängt. Die Cebit, die sich vor allem ans Fachpublikum wendet, musste im Frühjahr einen Aussteller- und Besucherschwund hinnehmen. Doch anders als in Hannover soll auf der Ifa vor allem der Privatkunde im Fokus stehen, dessen Interesse an Unterhaltungselektronik und Hausgeräten nach Einschätzung der Messeveranstalter ungebrochen sein sollte.

"Die Konsumenten kaufen nach wie vor", so Heithecker. Durch den jahrzehntelangen Preiskampf etwa bei Fernsehern, Computern oder Mobiltelefonen seien die Geräte auch immer erschwinglicher.

TV-Hersteller, die sich 2010 von den Olympischen Winterspielen und der Fußballweltmeisterschaft eine Absatzwelle erhoffen, setzen für das Jahresendgeschäft auf die Verbindung von Internet und Fernsehen. Zwar ist die Möglichkeit, sich Internetseiten oder -videos auf dem Fernseher anzeigen zu lassen, an sich nicht neu, doch erst jetzt scheint der Markt reif dafür.

HDTV will endlich durchstarten - Generalprobe verpatzt

"Bei der Kombination von Internet und Fernsehen, die wir seit 13 Jahren anbieten, ist nun der Punkt erreicht, an dem die Idee auf fruchtbaren Boden fällt", sagt Frieder Löhrer, Chef von Deutschlands größtem Fernseherhersteller Loewe Börsen-Chart zeigen.

Im Fernsehen über das Internet (IPTV) sehen auch Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen eine Erlösquelle der Zukunft. Mit der Live-Übertragung der Fußball-Bundesliga, zahlreichen Zusatzkanälen oder der Möglichkeit zum zeitversetztem Fernsehen will die Telekom Kunden gewinnen - und halten. Denn auch die Konkurrenz aus den Reihen der Kabelanbieter buhlt um Nutzer für ihre neuen Angebote aus TV, Internet und Telefon.

Ein Dauerbrenner ist das Thema hochauflösendes Fernsehen. Im kommenden Jahr wollen die öffentlich-rechtlichen Sender die Winterspiele und die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika in HDTV übertragen. Die Gerätehersteller erwarten sich davon den endgültigen Durchbruch des neuen Übertragungsformats.

Die Generalprobe dafür, die HDTV-Übertragung der Leichtathletik-WM aus Berlin, ging allerdings daneben: Viele Zuschauer zeigten sich von ihren neuen Flachbildschirmen enttäuscht und nahmen nur eine geringe Verbesserung der Bildqualität war. Der Grund: Sie hatten das HDTV-Signal beim Einschalten von ARD oder ZDF erwartet. Nur war dort die übliche Standardqualität zu sehen. Für HDTV hätten die Zuschauer einen anderen Kanal einstellen müssen - was die meisten nicht wussten.

Und selbst dann funktionierte der Empfang in weiten Teilen Deutschlands nur über Satellit. Im Kabelnetz streikte vielerorts die Technik.

Jens Hack und Nikola Rotscheroth, reuters

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung