Handyhersteller Nokia startet Mini-Notebook

Der Handyproduzent Nokia will ein eigenes Netbook herstellen. Die Finnen steigen damit in den ohnehin umkämpften Markt mit Mini-Notebooks ein, der jedoch Wachstum verheißt.

Helsinki - Nokia  kündigte am Montag an, künftig kleine Laptops - sogenannte Netbooks - anbieten zu wollen. Das Nokia Booklet 3G soll nur 1,25 Kilogramm wiegen und mit Batteriebetrieb zwölf Stunden laufen. Das Gerät mit einer Bildschirmdiagonale von 10 Zoll (25 Zentimeter) kann über Mobilfunknetze und W-Lan ins Internet gehen. Es hat auch ein eingebautes GPS-Modul zur Ortung per Satellit. Außerdem soll das Nokia-Netbook mit einem Atomprozessor von Intel  und der Windows-Software von Microsoft  laufen.

Der Handyspezialist könnte mit dem Vorstoß den Wettbewerb in dem populären Segment der Mini-Notebooks verstärken. Auf dem noch jungen Markt für Netbooks muss sich Nokia allerdings gegen Platzhirsche wie Dell  und Hewlett-Packard  behaupten.

Netbooks gelten als heißer Wachstumsmarkt: Die Marktforscher von IDC gehen davon aus, dass dieses Jahr mit 26 Millionen Geräten mehr als doppelt so viele verkauft werden wie vergangenes Jahr. Im Gegensatz dazu dürfte der gesamte PC-Markt stagnieren und die Handyverkäufe sogar um etwa 10 Prozent zurückgehen.

Der gewagte Schritt könnte dem Unternehmen einen lang benötigten Auftrieb bescheren. Der finnische Marktführer steht im kriselnden Mobilfunkmarkt derzeit unter anhaltend starkem Druck. Die weltweit schwache Nachfrage nach Handys drückt auf den Umsatz. Nach erneutem Umsatz- und Gewinneinbrüchen gab das Unternehmen zuletzt im Juli eine düstere Prognose für das laufende Jahr ab und schickte die Aktie auf Talfahrt. Und im Markt der leistungsfähigen Smartphones kann das Unternehmen zwar seine Marktführerschaft weiter behaupten, kommt aber an die Image-Erfolge von Anbietern wie Apple  (iPhone) oder RIM  (Blackberry) kaum noch an.

Marktbeobachter hatten bereits angemahnt, dass Nokia Gefahr laufe, die Marktführerschaft im Mobilfunkmarkt auf lange Sicht zu verlieren. Trotz deutlich geringerer Marktanteile gelten Konkurrenten wie Apple und RIM im Unterschied zu Nokia als Technologieführer und Vordenker. Es gilt in der Branche als Tatsache, dass Apple mit dem iPhone der gesamten etablierten Mobilfunkindustrie in Sachen Bedienerfreundlichkeit eine bittere Lektion erteilt hatte.

Nach dem Marktstart von Apples erstem iPhone hatte sich das finnische Unternehmen allerdings zwei Jahre Zeit für eine Antwort im Smartphone-Markt gelassen und sich weiter auf Stückzahlen konzentriert. Erst im vergangenen Juni schaffte Nokia mit dem Smartphone-Modell N97 zumindest technologisch wieder den Anschluss.

"Nokia muss sehr vorsichtig sein, um nicht den Ruf eines "Dell des Mobilfunkmarkts" zu bekommen", sagte Gartner-Analystin Carolina Milanesi der "Financial Times".

Anleger sorgen sich, dass der Einstieg in den Computerbau die Rentabilität von Nokia belasten könnte, denn der Verkauf von Laptops bringt üblicherweise nur hauchdünne Gewinnmargen. Nokia spielte diese Gefahr jedoch herunter. "Natürlich kennen wir die Gewinnmargen im PC-Geschäft. Wir gehen hier mit offenen Augen hinein", sagte Kai Oistamo, Chef der Nokia-Telefonsparte.

Branchenexperte Ben Wood von CCS Insight vermutet, dass Nokia vor allem auf die Kraft seiner Marke und seine langjährige Erfahrung im Mobilfunk setzen dürfte, um den Kampf zu bestehen.

Ausführliche Informationen zu Preisen, technischen Details und der Markteinführung will der Konzern am 2. September bekanntgeben.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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