Samstag, 21. September 2019

Axel Springer Döpfner will Geld für Smartphone-Inhalte

Die Werbeflaute ist in der Medienwelt längst angekommen, und mit ihr die wiederaufkeimende Idee der Bezahlinhalte im Internet. Auch Springer-Chef Mathias Döpfner will die Kostenloskultur begraben: Seine Losungsworte lauten kostenpflichtige Smartphone-Inhalte und Freemium.

Frankfurt am Main - "Sämtliche Inhalte auf Smartphones werden wir auf Dauer gegen Gebühr anbieten", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). "Für das iPhone von Apple entwickeln wir sogenannte Apps, also kostenpflichtige Angebote, über die man dann welt.mobil, bild.mobil oder computerbild.mobil bezahlt und quasi abonniert", so Döpfner.

Springer-Chef Döpfner: Für das Archiv soll der Leser zahlen
Auf diese Weise will Axel Springer Börsen-Chart zeigen zusätzliche Einnahmequellen erschließen, denn die Werbeflaute macht dem Medienkonzern zu schaffen. Im ersten Halbjahr 2009 ging der Umsatz von Europas größtem Zeitungshaus um 6,6 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro zurück. Die Werbeerlöse sanken im gleichen Zeitraum um 13 Prozent auf 541,5 Millionen Euro.

Einige Inhalte von Regionalzeitungen wie dem "Hamburger Abendblatt" oder der "Berliner Morgenpost" sollen im Internet demnach nicht länger kostenlos sein. "Für unsere Regionalzeitungen arbeiten wir derzeit an einem Freemium-Modell: Allgemeine Nachrichten sind für den Leser gratis, Premiuminhalte kosten Geld", sagte Döpfner. "Wer etwa die Exklusivgeschichte aus der Stadtverordneten-Sitzung lesen möchte, das Archiv oder den Staumelder nutzen will, muss zahlen."

Kürzlich hatte US-Medienmogul Rupert Murdoch für die Inhalte seines Konzerns News Corp. Börsen-Chart zeigen einen ähnlichen Vorstoß angekündigt. News Corp wird vermutlich auf eine Mischung aus kostenlosen und kostenpflichtigen Angeboten setzen - ähnliches kündigte nun auch Döpfner an.

Über die Chancen und Risiken von Bezahlinhalten im Netz herrscht seit Jahren Uneinigkeit - in jüngerer Zeit aber mehren sich die Stimmen, die Geld für Journalismus im Netz fordern. Kritiker solcher Modelle verweisen darauf, dass online vor allem mit Werbung Geld verdient wird - dafür aber muss man möglichst viele Leser anziehen. Die könnten aber von einem Bezahlangebot abgeschreckt werden.

Befürworter von Bezahlinhalten halten dem entgegen, dass Qualitätsjournalismus auf dem Niveau, das sich Tageszeitungen oder Magazine leisten, ausschließlich mit Onlinewerbung nicht zu finanzieren sei.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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