ProSiebenSat.1 Sparen, sparen, sparen

Nach einem deutlichen Umsatzeinbruch will ProSiebenSat.1 mit weiteren Einsparungen dem Einbruch der Werbeeinnahmen entgegensteuern. Der Vorstand verdoppelte sein Sparziel für das laufende Jahr auf 200 Millionen Euro. Eine Prognose wagte der hochverschuldete Konzern aber nicht.

München - Weil viele Unternehmen in der Wirtschaftskrise ihre Ausgaben für TV-Werbung drosseln, fiel der Konzernumsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9 Prozent auf 694 Millionen Euro, teilte ProSiebenSat1 am Donnerstag in München mit.

Der Quartalsgewinn des TV-Unternehmens sank um 14 Millionen Euro auf 45,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,5 Millionen Euro auf 147,1 Millionen Euro zurück.

Mit seinem Sparkurs konnte der Konzern den Umsatzrückgang zumindest teilweise ausgleichen. "Das Umfeld bleibt auch in der zweiten Jahreshälfte sehr schwierig", erklärte Konzernchef Thomas Ebeling. Er rechne mit einem Rückgang des deutschen Fernseh-Werbemarktes um 11 bis 16 Prozent in diesem Jahr. Das neue Vermarktungsmodell des Konzerns in Deutschland sei aber "in den Grundzügen in Ordnung", betonte Ebeling.

Unternehmen will sein Sparziel jetzt verdoppeln

Sein Sparziel von 100 Millionen Euro im laufenden Jahr hat der Konzern bereits erreicht und will nun noch stärker auf die Kostenbremse treten. Finanzvorstand Axel Salzmann erklärte, 2009 könnten bestenfalls 200 Millionen eingespart werden. Das Unternehmen hat die Zahl seiner Mitarbeiter innerhalb eines Jahres von rund 6000 auf 5300 gesenkt, der Sender Sat1 musste von Berlin an den Hauptsitz des Konzerns nach München umziehen. Auch bei den Programmausgaben wurde gespart.

Trotz Sparkurs werde man weiterhin angemessen in Programme investieren. Beim Zuschauermarktanteil konnte die TV-Gruppe im zweiten Quartal zulegen. ProSiebenSat1 sitzt auf einem Schuldenberg in Höhe von rund 3,4 Milliarden Euro. Er resultiert aus der Übernahme der Senderkette SBS, die der Konzern seinen beiden Mehrheitsaktionären, den Fondsgesellschaften KKR und Permira, vor zwei Jahren abgekauft hat.

Aktie fällt deutlich - Analysten zeigen sich uneins

Die Aktie von ProSiebenSat.1  gab am frühen Nachmittag rund 4 Prozent auf 5,16 Euro nach und war damit schwächster Wert im MDax . Analysten beurteilten das Zahlenwerk indes unterschiedlich.

Ein Börsianer stufte die Bilanz zum zweiten Quartal als etwas besser als erwartet ein. Ein weiterer Händler erklärte die Kursverluste vor allem mit dem vorherigen Kurssprung: "Nach einer 75-Prozent-Rally in weniger als vier Wochen nimmt man gerne mal Gewinne mit, zumal eine Prognose fehlt und der Werbemarkt wackelig bleibt."

Das Bankhaus Lampe konstatierte durchwachsene Zahlen und senkte das Kursziel von 3,00 auf 2,00 Euro beim weiter gültigen Votum "Verkaufen". "Der Umsatz liegt unter unseren Schätzungen, die Ebitda- und Ebit-Werte dagegen leicht darüber", so Analyst Frank Neumann. Die in allen Bereichen rückläufige Umsatzentwicklung sei "enttäuschend".

Dagegen habe das Unternehmen mehr Kosten einsparen können als von ihm erwartet. Mit Blick in die Zukunft bleibt Neumann zurückhaltend: "Die jüngste Entwicklung im Werbemarkt deutet darauf hin, dass es bis 2011 zu keiner Erholung kommt. "Ob ProSiebenSat.1 in der Lage ist, das aktuellen Kostenlevel bis zum Anspringen des Werbemarktes zu halten, ohne Zuschauer-Marktanteile und in deren Konsequenz Werbemarktanteile zu verlieren, ist unseres Erachtens unwahrscheinlich."

Kepler-Analyst Conor O'Shea schreibt, die Zahlen seien wie von ihm erwartet gut ausgefallen. Der Werbemarkt bleibe schwierig, aber ProSiebenSat.1 schlage sich unter allen frei empfangbaren Sendern in Europa am besten und habe 2008 verlorene Marktanteile zurückgewinnen können. Er habe bereits vor den Zahlen seine Jahresschätzungen nach oben revidiert und rechne damit, dass ihm nun viele andere Analysten folgten. Angesichts der Schuldensituation bleibe ein Investment allerdings schwierig. Eine Kapitalerhöhung erscheine kaum vermeidbar. "Doch die Kurserholung und das Vertrauen in das Management haben zumindest die Hoffnung geweckt, dass eine Kapitalerhöhung zu einem weniger verwässernden Preis durchgeführt werden kann", so der Experte. Nach der Telefonkonferenz des Unternehmens werde er das derzeitige "Hold"-Votum für die Aktie sowie das Kursziel von 4,40 Euro überdenken.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa