Ausblick Infineon erwartet Nachfrageerholung

Der angeschlagene Halbleiterkonzern Infineon rechnet mit einem Anstieg der Nachfrage und will seine Produktion vorsichtig anheben. Fortschritte gibt es zudem beim Schuldenabbau. Der geplante Konzernumbau und der Preisverfall in der Branche kommen Infineon allerdings teurer zu stehen als bislang erwartet.

München - Hatte Infineon  bislang mit Abschreibungen für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 (bis Ende September) in Höhe von 500 Millionen Euro gerechnet, dürften es nun mehr werden, teilten die Münchener am Mittwoch mit.

Infineon hält immer noch die Mehrheit am insolventen Speicherchiphersteller Qimonda, nachdem es dem Unternehmen zuvor nicht gelungen war, die einst größte Sparte abzustoßen. Derzeit verkauft Infineon zudem das Geschäft mit Chips für drahtgebundenen Kommunikationsgeräte (WLC) für 250 Millionen Euro. Um das frühere Dax-Unternehmen aus der finanziellen Zwickmühle zu befreien, läuft außerdem noch bis zum 3. August eine Kapitalerhöhung samt angepeiltem Einstieg des Finanzinvestors Apollo.

Im laufenden Quartal erwartet Infineon einen steigenden Umsatz in den verbleibenden Konzernteilen. Das Unternehmen geht vor allem im Geschäft mit Auto- und Industriechips von einer höheren Nachfrage aus. Dank staatlicher Konjunkturprogramme wie der Abwrackprämie und dem Ende des Lagerabbaus in Europa und China zog das Geschäft mit Autochips bereits in der Zeit von April bis Juni an. Bei den Industriechips machte sich in dieser Zeit die bessere Nachfrage von Kunden aus der Computerbranche, der Kommunikation und bei Industrieanwendungen bemerkbar.

Am Aktienmarkt ließen optimistische Aussagen von Infineon die Papiere mit zeitweilig plus 6,77 Prozent auf 2,84 Euro an die TecDax-Spitze steigen. Seit Jahresbeginn gehört die Aktie mit einem Anstieg von mehr als 250 Prozent zu den größten Gewinnern am Markt.

Bei dem für Infineon wichtigen Thema Entschuldung kam der Konzern weiter voran. Unter dem Strich sanken die kurzfristigen Schulden vor allem wegen des höheren Geldzuflusses aus dem operativen Geschäft im Vergleich zum Vorquartal um mehr als die Hälfte auf 151 Millionen Euro. Mit dem Verkauf der WLC-Sparte für 250 Millionen Euro und den erwarteten bis zu 725 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung wäre der Konzern zudem seine mittel- bis langfristigen Schulden in Höhe von rund einer Milliarde Euro los.

Dabei ist allerdings noch unsicher, ob der Einstieg des Finanzinvestors Apollo glückt. Apollo  ist nur zum Kauf von maximal 326 Millionen der neuen Aktien oder dann knapp 30 Prozent der Infineon-Anteile verpflichtet, wenn der Finanzinvestor bei der Kapitalerhöhung mindestens 15 Prozent an Infineon erwerben kann. Sollte es weniger sein, kann er das Engagement bei Infineon auch ganz bleiben lassen.

Unterm Strich stand im dritten Geschäftsquartal ein Minus von 23 Millionen Euro nach minus 258 Millionen Euro im Vorquartal. Eckdaten zu Umsatz und den Segmentergebnissen hatte Infineon bereits Mitte Juli veröffentlicht. Demnach stieg der Erlös im Quartalsvergleich um 13 Prozent auf 845 Millionen Euro. Operativ erzielte das Unternehmen mit 8 Millionen Euro einen kleinen Gewinn nach deutlich roten Zahlen im Vorquartal. Bei Halbleiterkonzernen ist der Vergleich zum Vorquartal wegen der stark schwankenden Preise üblich.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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