Deutsche Telekom Wachstum, aber wo?

Anfang August wird René Obermann die Zahlen der Deutschen Telekom für das zweite Quartal vorstellen. Experten erwarten, dass sich der Konzernchef zur weiteren Auslandsstrategie äußert. Wird er T-Mobile Großbritannien verkaufen? Was plant er in den USA? manager-magazin.de sprach mit Analysten.

Hamburg - Telekom-Chef René Obermann feiert dieser Tage den Zusammenschluss von T-Mobile und T-Home hierzulande. "Alles aus einer Hand", heißt es jetzt bei dem Bonner Konzern. Nun müssen Bündelpakete für Festnetz und Mobilfunk folgen. "Daraus ergibt sich ein ordentliches Potenzial für eine Wachstumsgeschichte", meint Peter Lugauer, Analyst der Dresdner Bank.

Die Konkurrenz hat den Weg schon lange eingeschlagen. "Dieser Schritt kommt reichlich spät", urteilt ein Analyst, der nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit manager-magazin.de. Die Geschwindigkeit, mit der die Telekom  umgebaut werde, sei zu langsam. Der Konzern müsse aufpassen, die technologische Entwicklung zu verpassen.

"Es muss etwas passieren", darin sind sich alle Analysten einig, mit denen manager-magazin.de sprach. Seit Monaten kennt der Aktienkurs vor allem eine Richtung, nach unten. Das dürfte weder Großaktionär Blackstone  noch den Bund freuen, der zusammen mit der KfW immer noch über 30 Prozent der Anteile an dem Telekommunikationsriesen hält.

Abschied aus Großbritannien?

Doch was kann Obermann machen? Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass sich vor allem im Mobilfunkgeschäft etwas ändern wird. Betroffen sind die Auslandstöchter, allen voran T-Mobile Großbritannien, die der Telekom im ersten Quartal dieses Jahres unterm Strich einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro bescherte. Anlass genug für den Konzernlenker bei der Bilanzpressekonferenz im Mai von "erheblichen Herausforderungen" zu sprechen, nicht nur in Großbritannien, sondern auch in den USA und Polen.

"Ein Verkauf des britischen Mobilfunkgeschäfts macht Sinn", sagt Sal.-Oppenheim-Analyst Frank Rothauge im Gespräch mit manager-magazin.de. Besonders da Ende des Jahres millionenschwere Investitionen anstünden. Denn dann beginnen in Großbritannien die Versteigerungen von neuen Mobilfunkfrequenzen, die durch die Digitalisierung der Fernsehübertragung frei geworden sind. Experten raten zum Kauf, da die Telekommunikationskonzerne für den steigenden Datenverkehr per Funk weitere Kapazitäten brauchen.

Interessenten für T-Mobile UK gibt es indes genug: O2 (Telefonica ), Vodafone  und Orange  (France Telecom ) haben Interesse signalisiert. Vodafone könnte womöglich im Tausch sein Türkei-Geschäft an die Telekom abtreten. Den Bonnern gelänge damit der Einstieg in Richtung Asien. Zumindest könnte der Konzern die Kundenzahl von T-Mobile insgesamt annähend halten, was für Verhandlungen mit den Handyherstellern wie Ericsson  und Motorola  wichtig ist.

Dass jedoch die Mitbewerber 3,5 bis vier Milliarden Britische Pfund für die UK-Tochter zahlen, hält Dresdner-Bank-Analyst Lugauer für sehr ambitioniert. Ein Tauschgeschäft mit Barausgleich komme ebenfalls infrage, sagt Rothauge.

Die Verlockung der Schwellenländer

Doch Großbritannien ist nur eine Großbaustelle des Konzerns. Obermann steht vor weiteren Herausforderungen, eine davon ist das US-Geschäft. Im Jahr 2001 war der Telekom der Sprung über den Atlantik gelungen. Für rund 40 Milliarden Euro übernahmen die Bonner den Mobilfunkkonzern Voicestream. Nun stehen erneut hohe Investitionen in die Erneuerung der Netze an. Um gegen die Konkurrenz nicht abzufallen, muss die Telekom ein G3-Netz aufbauen, was voraussichtlich weitere Milliarden Euro verschlingen wird. An den Platzhirsch AT&T Wireless wird das Bonner Unternehmen dennoch nicht herankommen.

Was also tun? Der Konzern hat kaum eine Alternative, als weiterzumachen, urteilen die Analysten unisono. Leicht werde es Obermann nicht fallen. Aber ein "natürlicher" Käufer für das Geschäft stehe nicht zur Verfügung, da die Mitbewerber auf andere Technikstandards setzen, und somit die Kunden der Telekom nicht einfach migrieren können. Lugauer erwartet, dass sich der Konzernchef Anfang August zur US-Strategie äußern wird, wenn er die Zahlen für das zweite Quartal vorstellt.

An Vorschlägen, was Obermann angehen müsste, um die Aktie in Schwung zu bringen, mangelt es derweil nicht. Ein Branchenbeobachter meint, dass die Telekom noch 20.000 bis 30.000 weitere Stellen abbauen müsste. Möglich sei auch, die Dividende zu kürzen. Analyst Theo Kitz von Merck Finck rät, die Telekom sollte sich neue Geschäftsfelder suchen. Auch ein Merger sei theoretisch denkbar. Doch mit wem könnte die Telekom fusionieren? British Telecom  oder Telefonica  schließen Kenner aus, vielmehr herrsche eine große Ähnlichkeit mit der France Telecom . Ein Zusammenschluss der beiden ehemaligen Monopolisten gilt aber politisch als nicht durchsetzbar.

Neue Produkte entwickeln

So zeigt sich schnell, dass die Telekom eher einen anderen Weg gehen muss. Der Konzern selbst proklamiert Osteuropa als Wachstumsmarkt. Tatsächlich profitiert das Unternehmen von der Übernahme des griechischen Unternehmens OTE, was sich in den Bilanzen positiv niederschlagen wird. Südosteuropa böte sich noch für Zukäufe an, sagt Oppenheim-Experte Rothauge.

Mitbewerber investieren dagegen gerne in Schwellenländer. Vivendi  will sich beispielsweise in Nordafrika engagieren. Telefonica ist traditionell in Lateinamerika vertreten und France Telecom profitiert von ehemaligen Kolonien Frankreichs. Die Experten sind sich uneins, ob die Deutsche Telekom ebenfalls nach Afrika gehen sollte. Einerseits böten sich hervorragende Wachstumsmöglichkeiten, andererseits müsste das Unternehmen viel Geld in die Hand nehmen, immerhin wäre der Kontinent auch absolutes Neuland. Sollte sich jedoch ein günstiger Übernahmekandidat anbieten, raten die Analysten zum Kauf.

Für Obermann stehen schwierige Zeiten an. Grundsätzlich muss er Kosten sparen, gleichzeitig aber in neue Technologien und Angebote investieren. Analyst Rothauge resümiert: "Es wird schwer, aus der Telekom ein Wachstumsunternehmen zu machen." Seiner Meinung nach sollte sich der Bonner Konzern von seiner geografischen Wachstumsstrategie verabschieden und über neue Produkte wachsen. "Die könnten auch ruhig andere Markennamen haben."

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