Geldautomaten Vorsicht vor Spionkameras

Eine Urlaubsreise will man genießen. Doch wenn es um Geld geht, kann der Spaß schnell ein Ende haben. Denn wie in Deutschland auch, spähen auch im Ausland Betrüger die Daten am Bankautomaten aus und heben später Geld ab. Welche Tricks werden angewendet, und wie kann man sich schützen?

Den Haag/Wiesbaden - Die Zahlen steigen: Immer häufiger buchen Betrüger mit Daten, die sie am Geldautomaten ausgespäht haben, hohe Beträge vom Konto ab. Während in Deutschland immer wieder über die Methoden der Gauner berichtet wird, ist über die Taktiken im Ausland nur wenig bekannt. Dabei ist Vorsicht bei Reisen besonders geboten.

Denn "Skimming", wie Fachleute das Ausspähen von Kontodaten und Pin-Nummer nennen, ist auch in den klassischen Urlaubsländern gefragt. "Das ist die Taktik in Europa derzeit: Mit einer Spionkamera wird die Pin bei der Eingabe von oben abgefilmt", erläutert ein Europol-Sprecher in Den Haag.

Wo Urlauber besonders vorsichtig sein sollten, lässt sich ihm zufolge allerdings schwerlich genau sagen: Es gebe keine Verpflichtung der EU-Mitgliedsländer, die Daten oder Auffälligkeiten an die Zentralbehörde weiter zu geben. Es werde vielmehr bei der Verfolgung der Betrüger zusammengearbeitet.

Eine Zahl wurde jüngst allerdings erhoben: Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden wurden 2008 insgesamt 514 Geldautomaten oder Lesegeräte im Handel festgestellt, an denen deutsche Kartendaten abgegriffen wurden. Im Jahr davor waren es 332. Vor allem in der Türkei und in Südafrika sei das vorgekommen. In Deutschland selbst zählte das BKA 809 Fälle im Vergleich zu 459 im Jahr 2007.

In den klassischen europäischen Urlaubsländern der Deutschen - etwa Spanien oder Italien - seien Datensammlungen durch manipulierte Automaten weniger häufig dokumentiert worden. Allerdings läuft der Betrug mit den abgefischten Daten sehr wohl auch mitten in Europa: Die Schwerpunktländer für den Einsatz gefälschter Debitkarten von Kunden aus Deutschland sind laut BKA Italien, Rumänien, die Niederlande, Frankreich und die Türkei - in diesen Ländern wurden den Angaben nach 75 Prozent aller gefälschten Debitkarten eingesetzt.

Die Tipps der Experten

Bereits am Eingang werden die Kontodaten ausgelesen und dann am Automaten bei der Eingabe die Pin. Ideal schützt sich daher derjenige, der zwei Karten hat und den Türöffner der Filiale mit einer anderen Karte betätigt als mit der, mit der er dann die Transaktion am Geldautomaten vornimmt.

"Also mit der Kreditkarte zum Beispiel die Tür öffnen und mit der EC-Karte abheben", empfiehlt Harald Schmidt, Geschäftsführer bei der Polizeilichen Kriminalprävention in Stuttgart. Nicht jeder habe immer zwei Karten dabei. Aber Paare zum Beispiel könnten sich leicht vorsehen, indem die eigene Karte und die vom Partner genommen wird.

Karte weg

Bisweilen werden nicht nur die Daten ausgespäht, ohne dass Kunden das merken. "Manchmal wird auch gleich die ganze Karte eingezogen", sagt Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband in Berlin. "Das nennt sich dann "Lebanese Loop"." Dann sollte die Karte sofort unter der zentralen Notrufnummer 0049/ 116 116 gesperrt werden. "Erledigen Sie das sofort vor Ort", rät Schmidt. "So stellen Sie sicher, dass kein Schaden entsteht."

Eingabe verdecken

Außerdem gilt: "Verdecken Sie die Eingabe der Geheimzahl, indem Sie die Hand oder Geldbörse als Sichtschutz dicht über die Tastatur halten", raten die Experten des BKA und der Polizei. Die Geheimzahl sollte nicht notiert werden, vor allem nicht auf der Zahlkarte. "Geben Sie nie mehrfach die Geheimzahl ein, wenn Sie von einer unbekannten Person dazu aufgefordert werden." Und selbstverständlich sollte die Karte nie einem Dritten überlassen werden.

Das leuchtet ein, weiß man um die Einschätzungen des Unternehmens Euro Kartensysteme in Frankfurt/Main, einem zentralen Dienstleister für die deutsche Kreditwirtschaft: Den Experten zufolge lassen sich 70 Prozent aller Missbrauchsfälle mit Bankkundenkarten verhindern, wenn diese Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden.

Thorsten Wiese, dpa

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