Virtualisierung Der Rechner im Rechner

Mit Virtualisierungs-Software gaukelt man Betriebssystemen einen PC vor, der eigentlich gar nicht existiert. Dadurch lassen sich Betriebssysteme wie Linux oder Windows 7 schnell und unkompliziert testen. Sun Microsystems hat gerade ein kostenloses Virtualisierungs-Programm auf den Markt gebracht.

Frankfurt am Main - Wer gefahrlos neue Programme oder auch Betriebssysteme ausprobieren möchte, für den ist eine Virtualisierungs-Software interessant. Das ist ein Programm, das einem vorgaukelt, es habe einen richtigen Computer mit Hardware, dass heißt Prozessor, Festplatte, Netzwerk-, Grafik- und Audio-Karte vor sich. Das ist nicht nur etwas für große Unternehmen, die auf ihren riesigen Rechnern mehrere Computer simulieren und damit Hardwarekosten sparen wollen, sondern auch etwas für Entwickler oder Leute, die einfach nur gerne neue Sachen ausprobieren.

Für den Privatgebrauch kostenlos, schnell installiert und sehr übersichtlich ist das jetzt in der Version 3.0 erschienene VirtualBox von Sun . Die Einrichtung des ersten virtuellen Rechners ist mit ein paar Mausklicks erledigt, meist kann man die angebotenen Einstellungen übernehmen. Alles was man dann noch braucht, ist ein startfähiges Medium mit einem Betriebssystem darauf, das man installieren möchte.

Das kann Windows, von Version 3.1 bis Version 7, sein, eine Linux-Distribution wie Red Hat oder Ubuntu oder sogar ein Oldie wie OS/2 oder MS-OS. So kann man sich quasi nebenbei zum Beispiel das neue Windows 7 ansehen oder einen Blick auf Ubuntu, Fedora, Suse oder eine andere Linux-Distribution werfen, ohne neue Partitionen erstellen oder am Boot-Manager basteln zu müssen, was immer die Gefahr birgt, den PC zu destabilisieren.

Die Installation eines neuen Betriebssystems läuft genauso wie auf einem "richtigen" Computer. Am Ende muss man den "Rechner" auch genau so herunterfahren wie den normalen Computer. Der große Vorteil der Virtualisierung ist, dass man den PC nicht neu starten muss, wenn man das Betriebsystem wechseln will. Dieses wird wie jedes andere Programm auf dem Computer einfach in einem neuen Fenster gestartet und kann auch verkleinert werden, wenn man es zwischendurch nicht braucht.

Läuft unter Windows, Linux, Solaris und am Mac

Wenn der Computer an einem Netzwerk hängt, wird auch VirtualBox dies erkennen und aktivieren. Ebenso können Drucker von dem virtuellen Rechner verwendet werden. Daten kann man zum Beispiel über einen USB-Stick, der in der Version 3.0 einfacher als bei früheren Versionen eingebunden werden kann, auf das virtuelle System oder von diesem herunter kopieren. Es können aber auch gemeinsame Ordner festgelegt werden, auf die man sowohl vom virtuellen System aus als auch vom Wirtsrechner aus zugreifen kann.

Einer der Schwachpunkte von VirtualBox war bislang die schlappe Grafik. Zu den wichtigen Neuerung in der Version 3.0 gehört es deshalb, dass jetzt Windows-Grafik und OpenGL-Standards unterstützt werden. Damit können nun auch 3D-Anwendungen in einer virtuellen Maschine laufen. Zudem werden bis zu 32 virtuelle Prozessoren unterstützt.

Wer sich VirtualBox herunterladen will, muss nur darauf achten, welches Betriebssystem er als "Host", als Gastgeber, verwenden will. Das Programm ist recht vielseitig und lässt sich sowohl unter Windows als auch Linux, Solaris, OpenSolaris und auf Mac-Computern installieren. Hilfe zur Installation, zur Arbeit und bei Problemen bietet die Website von VirtualBox.

VirtualBox 3.0 ist für den persönlichen Gebrauch kostenlos. Für Unternehmen gibt es nach Angaben von Sun  eine Lizenz ab 20,27 Euro netto je Arbeitsplatz und Jahr, inklusive Support. Dem Hersteller zufolge werden mehr als 25.000 Exemplare von VirtualBox pro Tag heruntergeladen. Andere Virtualisierungssysteme sind unter anderem Virtual PC  von Microsoft , VMware  und Parallels .

Klaus Gürtler, ap