Kapitalerhöhung Investor Apollo steigt bei Infineon ein

Der US-Finanzinvestor Apollo dürfte demnächst Hauptaktionär von Infineon sein. Apollo habe sich verpflichtet, den größten Teil einer geplanten Kapitalerhöhung zu zeichnen, teilt der verlustreiche Chiphersteller mit. Apollo wolle mindestens 15 Prozent der Anteile erwerben und den Aufsichtsratschef stellen, heißt es.

Frankfurt am Main - Der US-Finanzinvestor Apollo steigt mit bis zu 29,99 Prozent beim verlustreichen Chiphersteller Infineon ein. Das Unternehmen aus Neubiberg bei München erhofft sich von einer Kapitalerhöhung um 337 Millionen Aktien einen Mittelzufluss von 725 Millionen Euro, die vor allem zur Schuldentilgung verwendet werden sollen, wie Infineon am Freitag mitteilte.

Die neuen Aktien werden zu je 2,15 Euro ausgegeben, fast 17 Prozent unter dem Schlusskurs vom Donnerstag. Apollo  habe sich verpflichtet, bis zu 326 Millionen Aktien zu zeichnen, soweit sie nicht von den Altaktionären bezogen werden. Diese können für je neun Aktien vier neue kaufen. Apollo will mit mindestens 15 Prozent bei Infineon einsteigen und den nächsten Aufsichtsratschef stellen.

Damit würden die Amerikaner den Fonds Dodge & Cox (10,03 Prozent) als größten Aktionär ablösen. Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley und Vorstandschef Peter Bauer haben sich laut Medienberichten in den vergangenen Tagen für den Einstieg von Apollo starkgemacht. Die Summe sichere Infineon einen Kapitalpuffer für schwere Zeiten.

Infineon steckt tief in der Verlustzone, hatte Anfang der Woche aber die Börse mit dem Verkauf seines Geschäfts mit Chips für die Festnetztelekommunikation an den Fonds Golden State Capital überrascht und damit den Kurs nach oben getrieben. Die Sparte galt als Tafelsilber von Infineon . Kreisen zufolge hatte sich das Unternehmen zuletzt um Staatsbürgschaften über bis zu 750 Millionen Euro bemüht, um im kommenden Jahr Anleihen über 600 Millionen Euro durch neue Kredite ablösen zu können. Ob dieser Plan mit dem Einstieg des Investors hinfällig ist, war zunächst unklar.

Finanzinvestoren wie Apollo hatten in der Vergangenheit stets auf die Übernahme von Mehrheitsbeteiligungen gepocht. Dafür fehlt aber durch die eingeschränkten Möglichkeiten zur Beschaffung von Fremdkapital derzeit die Gelegenheit. Zuletzt war Apollo als Aufkäufer von faulen Unternehmenskrediten am Sekundärmarkt aufgefallen, so beim Baustoffhersteller Monier ("Braas") und der Holding der ProSieben-Eigentümer, Lavena.

Bei Monier hatte sich Apollo kürzlich mit dem Plan durchgesetzt, Schulden in Eigenkapital zu tauschen. Nun gehört dem Unternehmen zusammen mit zwei verbündeten Fonds die Mehrheit an dem Dachpfannen- und Schornsteinhersteller aus Oberursel bei Frankfurt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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