Kabel Deutschland Fusionspläne auf Eis

Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein will die Pläne zur Schaffung eines landesweiten Kabelnetzbetreibers vorerst ruhen lassen. Der Widerstand der Wettbewerbshüter gegen eine Fusion mit Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg sei derzeit zu groß. Es böten sich aber andere Kaufgelegenheiten.

München - "Das Thema steht bei uns derzeit nicht im Fokus", sagte von Hammerstein in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit Reuters. Stattdessen will der deutsche Marktführer kleinere Netzbetreiber schlucken und auf diesem Markt die Konsolidierung vorantreiben.

Von Interesse wären beispielsweise Kabelfirmen, die die Fernsehprogramme von Kabel Deutschland (KDG) in Wohnsiedlungen verteilen. Knapp ein Fünftel seiner Kunden versorgt KDG über diese Zwischenhändler. Profitablere Internet- oder Bezahlfernsehdienste lassen sich so aber nur schwer an den Mann bringen, da das Unternehmen die indirekten Kunden häufig nicht einmal namentlich kennt. "Es ist ganz offensichtlich, dass wir bei direkten Kunden mit unseren Premium-Produkten wesentlich erfolgreicher sind", erläuterte von Hammerstein.

Eine Kaufgelegenheit könnte sich bald bieten: Der von Private-Equity-Gesellschaften kontrollierte Wettbewerber Orion Cable droht Berichten zufolge von seiner hohen Schuldenlast erdrückt zu werden. Mit seinen Töchtern Tele Columbus und Primacom kommt Orion auf insgesamt rund drei Millionen Kunden, vor allem in Ostdeutschland.

Branchenbeobachter setzen darauf, dass Orion einzelne Kabelnetze verkaufen muss, um an Geld zu kommen. KDG zeigt sich sehr interessiert. "Ein Großteil der Netze könnte zu uns passen", sagte ein Sprecher. Gespräche gebe es derzeit nicht.

Kartellamt sieht große Übernahmen kritisch

Bei größeren Übernahmen muss KDG jedoch mit dem Einspruch der Wettbewerbshüter rechnen. Das Kartellamt hatte bereits den ersten Anlauf zur Bildung einer Dreier-Kabelallianz unter Führung des Münchner Konzerns 2004 untersagt und vor Kurzem seine ablehnende Haltung nochmals bekräftigt. Von Hammerstein hält ein Zusammengehen jedoch weiterhin für sinnvoll, um auf dem Breitbandmarkt einen schlagkräftigen Wettbewerber zur Deutschen Telekom aufzubauen.

KDG ist in 13 Bundesländern vertreten und mit neun Millionen TV- und 700.000 Internet-Kunden mit Abstand der Kabelanbieter des Landes. KDG, Unitymedia und Kabel BW konnten 2008 einer LBBW-Studie zufolge ihren Anteil am 35 Milliarden Euro schweren Breitbandmarkt um 2,6 Prozentpunkt auf 8 Prozent ausbauen.

In diesem Jahr sollte die Marke von 10 Prozent geknackt werden, erklärte der Konzernchef. KDG gehört der Beteiligungsgesellschaft Providence.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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