Telekom Umworbene Mobilfunktochter

Schon lange erwarten Experten eine Umwälzung des britischen Mobilfunkmarktes. Mit der Ankündigung, alle Optionen für ihre schwächelnde Tochter T-Mobile UK zu prüfen, könnte die Deutsche Telekom nun Bewegung in die Sache bringen. Vor allem Vodafone und O2 dürften sich auf den Übernahmehappen freuen.

Düsseldorf - Bei einem guten Angebot würde sich der Konzern von seinem Geschäft in Großbritannien trennen, sagten zwei Personen aus dem Unternehmensumfeld. Doch bislang habe die Telekom noch nicht über einen Verkauf entschieden, sagte ein Insider. Vorerst versuche sie mit Kostensenkungen und einem neuen Management die strauchelnde Tochter auf solide Füße zu stellen.

Ungeachtet dessen werden in der Branche bereits mögliche Käufer gehandelt, allen voran die britische Vodafone  und die spanische Telefonica  mit ihrer Tochter O2. Es wird erwartet, dass sich alle Konkurrenten T-Mobile UK zumindest anschauen. Ein Gemeinschaftsunternehmen gilt als Alternative.

Doch bislang hat die Telekom lediglich vorsichtig die Fühler ausgestreckt, um grundsätzlich die Interessen der Wettbewerber abzutasten, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen.

Der britische Mobilfunkmarkt ist der am stärksten umkämpfte in Europa. Fünf Anbieter tummeln sich hier. O2 hat einen Marktanteil von rund 27 Prozent, Vodafone von 25 Prozent, die France-Telecom-Tochter Orange von 22 Prozent, T-Mobile kommt auf 15 Prozent und der zu Hutchison Whampoa  gehörende Anbieter "3" auf 8 Prozent. Einige Experten und auch Manager glauben, dass eine Konzentration der beste Weg wäre, um den drastischen Rückgang der Gewinnmargen zu stoppen. T-Mobile würde bei einer Konsolidierung wohl "zuerst fallen", meint Emeka Obiodu, Senior-Analyst beim Analystenhaus Ovum.

Einige Experten finden, dass T-Mobile am besten zum Marktführer O2 passen würde. Für O2 hätte ein Kauf als Abwehrstrategie Sinn, erklärt Unicredit-Analyst Thomas Friedrich. Branchenkennern zufolge beobachtet Telefonica die Entwicklung genau, Gespräche habe es aber noch nicht gegeben.

France Telecom  hat kein Interesse an einer Übernahme. "Das Risiko ist, dass derjenige, der zahlt, nicht derjenige sein muss, der den Gewinn erhält", hatte France-Telecom-Finanzchef Gervais Pellissier gesagt. Es gebe in diesem Markt keine Garantie, dass die Kunden gehalten werden könnten. Eine Partnerschaft oder ein Joint Venture sehen Branchenkenner damit nicht als ausgeschlossen an. Auch Vodafone wird als Interessent gehandelt. Der Konzern leidet wie T-Mobile in den jüngsten Quartalen unter Umsatzrückgängen und schrumpfenden Renditen.

Die Telekom setzte den Wert von T-Mobile UK im ersten Quartal um 1,8 Milliarden Euro herab. Der Wettbewerb, die Regulierung und Wechselkurseffekte drückten den Umsatz im ersten Quartal binnen Jahresfrist um 21 Prozent auf 836 Millionen Euro, der operative Gewinn sank wegen gestiegener Kosten sogar um 51 Prozent auf 113 Millionen Euro. Die Rendite liegt mit knapp 14 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt aller Mobilfunkgesellschaften des Konzerns von knapp 31 Prozent. Experten führen das unter anderem darauf zurück, dass T-Mobile relativ wenig Geschäftskunden zählt, aber mehr Prepaid-Kunden.

Einziger Vorteil von T-Mobile sei, dass es sich mit dem kleinsten Anbieter "3" die Mobilfunkmasten für den schnellen Übertragungsstandard 3G, der UMTS entspricht, teile, und damit nahezu hundert Prozent der Bevölkerung erreiche, meint das Analystenhaus SES. Eine komplette Zusammenlegung der Mobilfunkaktivitäten könnte folgen.

Um die Marge zu steigern, will die Telekom die Kosten im mittleren zweistelligen Millionen-Pfund-Bereich senken, etwa in der Verwaltung, beim Marketing oder im Vertrieb. Kunden sollen SIM-Karten ohne Handy angeboten werden. Ein neues Managementteam wurde eingesetzt. Viele Analysten meinen, diesem solle zunächst Zeit gegeben werden. Die Bonner selbst sehen sich auch nicht unter Zeitdruck. Auch wenn der Konzern mit den Margen vor allem im ersten Quartal nicht zufrieden sei, so liefere das Geschäft in Großbritannien doch einen positiven Beitrag zum Cash-Flow, hatte Finanzvorstand Timotheus Höttges gesagt.

Nikola Rotscheroth, Nicola Leske, Kate Holton, reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.