Vattenfall Wüstenprojekt ist "nicht realistisch"

Gerade hat sich Siemens zu dem Aufsehen erregenden Projekt "Desertec" bekannt, bei dem Strom für Europa in Afrikas Wüsten produziert werden soll. Vattenfall-Chef Lars Josefsson dagegen lehnt den Plan ab: Für zu viel Geld würden neue Abhängigkeiten geschaffen.

Hamburg - Anders als die deutschen Energiekonzerne RWE  und Eon  sieht der schwedische Wettbewerber Vattenfall  das geplante Wüstenstromprojekt "Desertec" sehr kritisch. Das Vorhaben, Strom aus Sonnenenergie in der Sahara zu produzieren und nach Deutschland zu transportieren, soll ein Volumen von rund 400 Milliarden Euro haben.

"Das ist verdammt viel Geld", sagte Vattenfall-Chef Lars Josefsson, der vor kurzem zum Klimaschutzberater der Vereinten Nationen ernannt wurde, der "Financial Times Deutschland". "Zudem wären die Transportkosten sehr hoch. Ich halte das nicht für realistisch." Hinzu käme das Risiko terroristischer Anschläge. "Europa muss seinen Strom in Europa erzeugen", forderte Josefsson.

Auch der Vorsitzende der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler, kritisierte das Vorhaben. Den Strom aus Afrika nach Deutschland zu transportieren halte er für nicht sinnvoll. "Wir müssen nicht teure Leitungen über drei oder viertausend Kilometer bauen, um ihn zum Beispiel nach Deutschland zu transportieren", sagte Kohler im Deutschland Radio Kultur. Dadurch entstehe die Gefahr einer Abhängigkeit.

Sinnvoll sei das Projekt aber, wenn der Strom vor Ort gebraucht werde. Zudem könnte sich Deutschland - dank des weltweiten Handels mit CO2-Zertifikaten - die Investitionen in saubere Energie als Emissionsrechte gutschreiben lassen.

Der Technologiekonzern Siemens steht dem Projekt indes sehr offen gegenüber. Es sei genau die "Kragenweite" von Siemens, zukünftig Strom in Solarkraftwerken in der Wüste zu erzeugen und mit ultraeffizienten Verbindungen nach Europa zu übertragen, sagte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher am Montag in München. Man müsse jetzt die konstituierende Sitzung am 13. Juli abwarten, um zu sehen, "wie sich die unterschiedlichen Firmen in das Konsortium einbringen werden.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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