Greentech Siemens zählt auf Konjunkturprogramme

Wenn Regierungen in aller Welt die Wirtschaft ankurbeln, soll das bei Siemens für Umdrehungen sorgen. Konzernchef Peter Löscher wirbt für die Energietechnik des Konzerns und bekundet seine Offenheit gegenüber dem "Desertec"-Projekt. So mag man kurz vergessen, dass die Krise auch für Siemens noch nicht ausgestanden ist.

München - Manchmal muss man eben selbst für positive Nachrichten sorgen. Siemens  rief am Montagmorgen zur Pressekonferenz, um von der segensreichen Wirkung der internationalen Konjunkturpakete zu berichten. Was es sonst zu sagen gäbe, stellte Siemens-Chef Peter Löscher an den Anfang: Das Geschäft im dritten Quartal würde sich weiter abschwächen, mit einer echten Erholung sei vor 2011 nicht zu rechnen.

Aber es ging ja um gute Stimmung. So könne man angesichts der gedrosselten Geschwindigkeit des Konjunktureinbruchs darauf hoffen, dass die Talsohle bald erreicht sei, sagte Löscher. Und ein Bereich sei sogar auf Wachstum eingestellt, die grüne Technologie nämlich. Darunter versteht er alles, was mit Emissionsreduzierung und schadstoffarmer Energieerzeugung zu tun hat, vom Solarpanel bis zum LED-Birnchen.

Während Siemens im vergangenen Geschäftsjahr damit 19 Milliarden Euro umsetzte, habe man sich für 2011 das Ziel von 25 Milliarden gesetzt, kündigte Löscher an. Man sehe hier "gigantische Wachstumschancen", von denen Siemens besser als andere profitieren können. Logisch: "Wir sind der grüne Technologiegigant."

Grund für diese Aussichten sind die Konjunkturprogramme, die Regierungen weltweit auflegen, um der Wirtschaftskrise entgegenzuwirken. Viele davon sind so angelegt, dass sie gleichzeitig den Ausbau umweltfreundlicherer Technik fördern sollen.

Von diesen Subventionsgeldern will Siemens im Laufe der kommenden drei Jahre 15 Milliarden Euro abbekommen. Diese Zahl erklärt Löscher mit einem Gesamtvolumen von rund 2 Billionen Euro, die weltweit in Konjunkturpakete fließen sollen. Aufgrund diverser Pauschalannahmen - zum Beispiel, dass zwei Drittel dieser Summe auf Steuererleichterungen fallen - kommt er auf einen "adressierbaren Markt" von 150 Milliarden Euro. Geteilt durch den heutigen Siemens-Marktanteil von 10 Prozent ergibt das 15 Milliarden Euro.

Energiesparende Schulen in Tennessee

Das sind in der Tat optimistische Prognosen. Sechs Milliarden Euro könnten Regierungen weltweit in echte Greentech-Infrastrukturen stecken, so die Einschätzung der Siemensianer. Damit könnten zu erwartende Einbrüche bei privaten Auftraggebern ausgeglichen werden, hoffen sie.

Großes Potenzial sieht Löscher dabei im Contracting, bei dem der Konzern die energieeffiziente Neuausstattung für die Auftraggeber vorfinanziert. Die bezahlen ihre Raten aus der Energieersparnis der Maßnahmen. So würde der US-Bundesstaat Tennessee bereits heute dank eines solchen Deals 40 Prozent Energiekosten einsparen: Siemens hat 135 Schulen auf den neuesten technischen Stand gebracht.

Wie breit Löschers Verständnis von grüner Technologie ist, wird an weiteren Beispielen deutlich, die er liefert. Dazu zählt er unter anderem den Hochgeschwindigkeitszug Velaro, in Deutschland bekannt als ICE. Grün daran ist, dass der Zug laut Löscher pro Sitzplatz und 100 Kilometer "nur 0,3 Liter Treibstoff" verbraucht. Ob das auch für die Tempo-300-Abschnitte gilt, blieb in der Pressekonferenz offen.

Für die Zukunft stehen weitere Großprojekte auf der Agenda. Der Siemens-Chef kündigte an, dass sich sein Konzern bei "Desertec" "intensiv engagieren" wolle. Unter dem Namen will ein deutsches Konsortium die Sahara und andere Wüsten mit Solaranlagen ausstaffieren und den dort gewonnenen Strom nach Europa transportieren; die konstituierende Sitzung für das Unterfangen findet am 13. Juli statt. Das sei "genau die Kragenweite" von Siemens, findet Löscher.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.