Sonntag, 16. Juni 2019

Datenskandal Deutsche Post führte Krankenakten

Lidl-Methoden bei der Deutschen Post: Auch der Logistikkonzern hat Krankendaten seiner Beschäftigten gesammelt und für seine Personalpolitik genutzt. Das Unternehmen spricht von Einzelfällen, räumt aber ein, Datenschutzregeln verletzt zu haben.

Hamburg - Wie DER SPIEGEL am Samstag vorab berichtete, wurden intime Krankheitsdetails auf den Computern der Deutschen Post Börsen-Chart zeigen gespeichert. Verbunden gewesen seien die Daten häufig mit Handlungsempfehlungen, berichtete das Nachrichten-Magazin und berief sich auf vorliegende Unterlagen.

Post-Angestellter: Depressionen, Herzfehler, Darminfekt?
So heiße es in den Akten etwa, auf die Patienten solle eingewirkt werden, in Vorruhestandsregelungen einzuwilligen oder ihr Tätigkeitsfeld im Unternehmen zu wechseln. Neben genauen Beschreibungen von psychischen Erkrankungen wie Depressionen fänden sich Zustandsbeschreibungen von Mitarbeitern mit schweren Herzerkrankungen oder auch von Angestellten mit Darminfekten. Die Post habe eingeräumt, dass solche Akten vorübergehend geführt worden seien und das Unternehmen damit gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen habe, berichtete das Magazin weiter.

Nach Auskunft von Personalvorstand Walter Scheuerle sei dies nach Kenntnis des Unternehmens allerdings nur in zwei Briefzentren der Fall gewesen. Bereits im vergangenen Jahr sei die Post durch interne Untersuchungen auf die Vorkommnisse gestoßen und habe sofort alle notwendigen organisatorischen und personellen Konsequenzen gezogen. Man habe alles getan, um eine Wiederholung auszuschließen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert laut SPIEGEL trotzdem, dass der Vorgang nun "rigoros aufgeklärt" werden muss.

Eine Post-Sprecherin wollte sich zu den Details des Berichts auf Anfrage nicht äußern. Sie bestätigte aber, dass im vergangenen Jahr Einzelfälle bekanntgeworden seien, in denen Krankendaten von Mitarbeitern gespeichert wurden. Das Fehlverhalten in den betreffenden zwei Briefzentren sei untersucht und die entsprechenden Daten gelöscht worden. Das Unternehmen habe seit Jahren interne Richtlinien, die entsprechend dem Gesetz verbieten, Diagnosedaten abzuspeichern. Angaben dazu, wie viele Mitarbeiter von der Aktion betroffen waren, machte der Konzern nicht.

In den vergangenen Monaten hatten bereits etliche andere Unternehmen in Deutschland Versäumnisse und Verstöße gegen den Datenschutz eingeräumt. Schlagzeilen mit sensiblen Krankendaten machten etwa Daimler Börsen-Chart zeigen, die Drogeriekette Müller und der Lebensmittel-Discounter Lidl.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa

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