Telecom Italia Hansenet-Verkauf nimmt Fahrt auf

Telecom Italia beschleunigt den Verkaufsprozess seiner Tochter Hansenet und hat nach Informationen von manager-magazin.de nun die Bücher für Interessenten offengelegt. Aussichtsreichster Kandidat für die Übernahme ist derzeit Telefónica.
Von Astrid Maier

Hamburg - Wie manager-magazin.de von mit der Situation vertrauten Personen erfuhr, treiben vor allem die Spanier die Due Diligence Prüfung bei Hansenet derzeit mit großem Interesse voran.

Telefónica  gilt als aussichtsreichster Kandidat für eine Hansenet-Übernahme und ist in Deutschland mit seiner Mobilfunkmarke O2 am Markt. Bis Ende Juni haben die Bieter nun offenbar Zeit, ein weiteres unverbindliches Angebot abzugeben. Neben Telefónica sind Vodafone  und United Internet  an einer Übernahme des Konkurrenten interessiert und haben bereits eine unverbindliche Offerte abgegeben.

Vodafone beteiligt sich an dem Verkauf allerdings mit mäßigem Elan. Vodafone-Chef Fritz Joussen hatte bereits erklärt, ein sehr konservatives Angebot eingereicht zu haben. Der Grund: In der Vodafone-Zentrale im englischen Newbury ist die Entscheidung noch nicht gefallen, ob der Mobilfunker seine Strategie in Richtung Festnetz beschleunigen soll, berichten Branchenkenner.

Die Unternehmen wollten sich zum Stand der Verhandlungen nicht äußern. Ein Sprecher von Telecom Italia  sagte aber, "der Verkaufsprozess geht weiter".

Der hoch verschuldete italienische Telekomkonzern hat das Hansenet-Geschäft mit seinen 2,3 Millionen Kunden schon vor geraumer Zeit zum Verkauf gestellt. Allerdings ist der Zeitpunkt für einen Verkauf ungünstig, denn die Preise für DSL-Anbieter sind beträchtlich geschrumpft. So verschleuderte Freenet  sein DSL-Geschäft mit 700.000 Kunden Ende Mai für 125 Millionen Euro an United Internet. Damit war United Internet ein Freenet-Kunde nur rund 180 Euro wert. Der Verkauf von Hansenet war zuletzt wegen der unterschiedlichen Preisvorstellungen ins Stocken geraten.

Die kleineren DSL-Anbieter wie Hansenet leiden derzeit unter dem massiven Konkurrenzdruck der großen Konzerne und können ihre Kunden nicht halten. Ursprünglich hatte Telecom Italia mit einem Verkaufspreis von über einer Milliarde Euro für Hansenet gerechnet. Der Preis gilt inzwischen als unrealistisch.

Telefónica selbst verkauft in Deutschland unter der Marke O2 seit geraumer Zeit DSL-Anschlüsse, das Geschäft kommt aber nicht richtig in Fahrt. Die Hansenet-Kunden würden die Spanier auf einen Schlag nach vorne bringen. Telefónica ist Großaktionär bei Telecom Italia, die Unternehmen kooperieren in Deutschland bereits bei den Netzen miteinander.

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