Montag, 16. September 2019

Breitband-Studie Deutschland verliert den Anschluss

Mehr als jeder vierte Deutsche hat einen schnellen Internet-Anschluss - ein mittelmäßiges Ergebnis im OECD-Vergleich. Denn während in Städten neue Glasfaserverbindungen für noch mehr Geschwindigkeit sorgen, sind rund fünf Millionen Menschen in kleinen Dörfern immer noch ausgesperrt.

Hamburg - Zuerst die gute Nachricht: Nach den aktuellen Zahlen der OECD können viele Internetnutzer in Deutschland schon ordentlich schnell durch das Netz surfen. Nach der aktuellen Breitband-Studie mit Zahlen aus dem Dezember 2008 haben 27,4 Prozent der Bevölkerung bereits einen Breitband-Zugang zum Internet mit einer Downloadrate von mindestens 256 Kbit/s.

Im Vergleich zu den 30 OECD-Mitgliedstaaten, einem Club von fast ausschließlich hochentwickelten Industriestaaten, liegt Deutschland damit allerdings nur knapp über dem Durchschnitt von 22,6 Breitband-Nutzern je hundert Einwohner. Deutlich besser mit Breitbandanschlüssen versorgt sind zum Beispiel Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Korea mit rund 35 Prozent Breitbandabonnenten, deutlich darunter Polen, die Slowakei, Türkei und Mexiko mit rund zehn Prozent und weniger.

Kosten liegen über dem Durchschnitt

Dazu kommt: Der Preis, den die Nutzer dafür bezahlen müssen, ist deutlich höher als im Schnitt. Rund 44 Dollar sind es im OECD-Durchschnitt, in Deutschland dagegen rund 48 Dollar. Besonders günstig gibt es schnelles Internet in Schweden, Griechenland, Japan, Finnland und Großbritannien, hier werden im Schnitt nur rund 30 Dollar fällig.

Die Bundesregierung will bis Ende 2010 das ganze Land flächendeckend mit Breitband-Internet versorgen, mindestens ein Mbit/s Downloadrate sollen überall zur Verfügung stehen. Aber während in manchen Städten Glasfasernetze schon bis kurz vor die Haustür reichen und Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s möglich sind, warten rund fünf Millionen Menschen in 2000 Gemeinden in ländlichen Regionen noch auf einen Breitbandanschluss.

Investitionen in die Provinz rechnen sich nicht

Der Grund ist einfach: Für die Telekom rechnen sich die Investitionen in Anschlüsse in der Provinz oft nicht - und die Politik wollte sich nicht auf einen Kompromiss einlassen. Für den Ausbau der Anschlüsse, die an Mitbewerber zu einem festgesetzten Preis vermietet werden müssen, forderte die Telekom einen bestimmten Mietpreis, um mit den Mehreinnahmen den betriebswirtschaftlich nicht zu rechtfertigenden Anschluss abgelegener Orte zu finanzieren. Weil der festgesetzte Preis aber sogar gesenkt wurde, investiert die Telekom in diesem Jahr hundert Millionen Euro weniger in den Ausbau. Jetzt sollen Mittel aus dem Konjunkturpaket II eingesetzt werden.

Doch das wird nicht reichen - und das ist die schlechte Nachricht: Zwar treibt Deutschland damit den Anschluss der abgehängten Gemeinden mit staatlicher Unterstützung voran. Andere Länder aber sind schon einen Schritt weiter. Sie treiben den Ausbau noch schnellerer Glasfasernetze bis in die Haushalte voran: Glasfaser für alle, und zwar schnell als Staatsaufgabe. In Japan sind fast die Hälfte aller Breitbandverbindungen Glasfaseranschlüsse, in Südkorea sind es 43 Prozent - hier sind der Auf- und Ausbau der Netze staatlich finanziert. Für Deutschland gibt es in der OECD-Statistik noch nicht einmal Angaben über Glasfaseranschlüsse.

Um bis zum Jahr 2018 alle 38 Millionen Haushalte in Deutschland mit mindestens 50 Mbit/s zu versorgen, wie es der Plan der Bundesregierung vorsieht, müssen insgesamt geschätzte 50 Milliarden Euro investiert werden - derzeit habe kein Netzbetreiber Pläne für solche Investitionen, schreibt die Computerzeitschrift "c't". Viele Gemeinden werden noch Jahre auf schnelles Internet warten und über herkömmliche Telefonleitungen ins Internet gehen müssen - während in Städten die Glasfaser bis in den Haushalt vorrückt.

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