Versicherungen Online noch in den Kinderschuhen

Die deutsche Versicherungswirtschaft hat im Gegensatz zum Bankgewerbe den Trend zu Online-Angeboten noch nicht umgesetzt, obwohl das Interesse der Kunden groß sei. Das ergab eine jüngste Marktstudie.

Hamburg - "Die Internet-Auftritte der Versicherungen beschränken sich bislang meistens auf Informationsangebote", sagte die Marktforscherin Susanne Fittkau am Mittwoch in einem Interview. "Es fehlen die Möglichkeiten, direkt über das Netz Versicherungen abzuschließen und Schadensmeldungen abzugeben."

Nach einer Umfrage der Fittkau & Maaß GmbH bei knapp 24.000 Internet-Nutzern wollten rund ein Drittel gern ihre Kfz-Haftpflicht über das Netz abschließen oder eine Schadensmeldung online abgeben. Den Grund für das fehlende Engagement der Versicherer sieht Fittkau nicht in der Schwerfälligkeit der Branche oder mangelndem Problembewusstsein. "Die Struktur der Branche ist sehr diffizil", sagte die Marktforscherin. "Es gibt viele Vermittler, Versicherungsmakler und Agenten, die an den Abschlüssen mitverdienen."

Sollte sich die Branche wandeln und ihre Produkte vermehrt online anbieten, so wären große Veränderungen die Folge: Viele Versicherungsvermittler würden nicht mehr benötigt. "Die Verbraucher hätten auch eine vollständige Produkt- und Preistransparenz", sagte Fittkau. "Der Wettbewerb würde sich verschärfen und die Auswirkungen wären ähnlich gravierend wie im Bankgewerbe."

Nach der Studie lassen sich die Nutzer von Online-Banking klar einer Zielgruppe zuordnen: Sie sind männlich (87 Prozent), zwischen 30 und 40 Jahren alt, haben ein hohes Bildungsniveau und ein überdurchschnittliches Einkommen. "Frauen sind bei den aktiven Nutzern von Online-Finanzdienstleistungen heute noch stark unterrepräsentiert", erklärte Fittkau. "Das könnte sich aber künftig ändern, denn fast alle befragten Internet-Nutzerinnen äußern zumindest Interesse, sich online über Finanzdienstleistungen zu informieren und diese auch abzuwickeln."