Computerbranche "Kopfgeld" für neue Kollegen

In Deutschland können rund 70.000 Stellen in der Computerbranche nicht besetzt werden, weil IT-Experten fehlen. Die Unternehmen greifen deshalb tief in die Trickkiste und versuchen mit Segeltörns, Aktienoptionen oder Gratisfrühstück neue Kollegen zu gewinnen und alte im Betrieb zu halten.

Hamburg - Vor allem kleinere aufstrebende Internet-Unternehmen sind angesichts der IT-Experten-Ebbe in einer Zwickmühle: Sie können keine Spitzengehälter zahlen wie die Branchenriesen, ihr Wachstum wird aber gerade durch fehlende Mitarbeiter gebremst. Die Unternehmen nutzen bei der Personalsuche alle Möglichkeiten: Anzeigen, Informationsveranstaltungen an Universitäten, Jobbörsen und "Headhunting" auf einschlägigen Messen wie der in gut drei Wochen startenden CeBit. Über "Kopfgelder" - Prämien für Mitarbeiter, die neue Kollegen ins Unternehmen holen - wird vielerorts gemunkelt.

Mit Leckereien an der Unternehmenstheke, Freizeitangeboten und Aktienoptionen versuchen die Firmen, begehrte Programmierer und Systemadministratoren zu rekrutieren und am Arbeitsplatz zu halten. "Wir suchen händeringend neue Mitarbeiter", sagt Marc Pohlmann, Sprecher des Hamburger E-Commerce-Dienstleisters SinnerSchrader. "Aber es gibt einfach nicht genug Leute."

Auch Pohlmann darf sich morgens im Büro über kostenlose Brötchen und Kaffee satt freuen. Am Sonntag paukt er mit Kollegen Segel-Theorie, um dann im Sommer - gesponsort vom Unternehmen - in See zu stechen.

Die Hannoveraner Multimedia-Agentur Ponton lässt gelegentlich einen Heilpraktiker vorbeikommen und die zehn Mitarbeiter durchchecken. Und: Jeder kann auch während der Arbeitszeit ins Fitness-Studio im selben Haus gehen - auf Kosten der Firma selbstverständlich.

Nach Angaben des Branchenverbandes Bitcom schließen nur knapp 7000 Informatiker jedes Jahr ihr Studium an Unis und Fachhochschulen ab. Die Bundesanstalt für Arbeit finanziert zwar nach eigenen Angaben jedes Jahr die Umschulung von bis zu 35.000 Arbeitslosen für die Informationstechnologie (IT). Doch Quereinsteiger allein können das Defizit an qualifizierten Bewerbern nicht ausgleichen.

Elke Ahlswede