IT-Branche Wachstum mit Krisenkratzern

Unternehmen müssen sparen, und aktuelle Computerprogramme helfen ihnen dabei. Soweit die Theorie der Softwarehersteller, die sich selbst zuweilen als Profiteure der Wirtschaftskrise bezeichnen. Eine aktuelle Erhebung des Marktanalysten Lünendonk zeigt, wie es um die IT-Branche bestellt ist.

Hamburg - Der deutsche Markt für Standardsoftware ist 2008 weiter gewachsen. Die 25 größten Softwareunternehmen, die jeweils mehr als 60 Prozent ihres Umsatzes mit standardisierter Software machten, haben im vergangenen Jahr Inlandsumsätze von zusammen über 7,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem durchschnittlichen Anstieg von rund 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Veränderung der Umsatzraten fallen jedoch äußerst unterschiedlich aus: Sie liegen zwischen plus 114,5 Prozent und minus 18 Prozent, was unter anderem durch Übernahmen bedingt ist. Sechs der größten 25 Standardsoftwarefirmen wiesen Umsatzrückgänge im Deutschland-Geschäft auf, während weitere sechs Unternehmen zweistellige Zuwachsraten erzielten.

Mit Aussagen über die erwarteten Veränderungen des Marktvolumens und der eigenen Unternehmensumsätze hielten sich die meisten Unternehmen zurück. Soweit Prognosen für den deutschen Markt genannt wurden, liegen diese im Durchschnitt für 2009 bei etwa 3 Prozent, für den Zeitraum bis 2014 allerdings schon wieder bei über 5 Prozent pro Jahr.

Auch bei den IT-Beratungsunternehmen zeigen sich bei den Umsatzveränderungen in Deutschland große Unterschiede. Sie reichen von plus 46,3 Prozent bis minus 19,4 Prozent. Im Durchschnitt nahm der Umsatz der größten 25 IT-Beratungs- und Systemintegrationsfirmen 2008 um 11 Prozent zu. Lediglich sechs der 25 Unternehmen mussten im Jahr 2008 niedrigere Inlandsumsätze als 2007 hinnehmen.

Allerdings zeigen die Planungen und Prognosen für die nahe Zukunft deutliche Krisenspuren. Für das laufende Jahr 2009 erwarten die Top 25 IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von nur noch 2,7 Prozent. Für den IT-Beratungs-Gesamtmarkt gehen sie sogar von einer Quasi-Stagnation (plus 0,5 Prozent) aus. Hinsichtlich der Entwicklung bis 2014 bleiben sie jedoch optimistisch. Ihre Marktprognosen lauten für diesen Zeitraum durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr, die individuellen Unternehmensumsätze sollen zwischen 2009 und 2014 im Durchschnitt sogar um 7,6 Prozent pro Jahr wachsen.

Die Marktanalysten von Lünendonk untersuchten zudem den Markt für IT-Dienstleistungen, den große Hardwarehersteller wie IBM  oder Hewlett-Packard  anführen. Die 25 großen Anbieter weisen zunehmende Inlandsumsätze gegenüber 2007 aus. Das Wachstum beträgt im Durchschnitt 4,5 Prozent. Dabei gibt es, bedingt durch Umstrukturierungen und Übernahmen, beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Firmen. Während 15 Unternehmen - davon sechs sogar zweistellig - Umsatzzuwächse aufweisen, waren bei acht Unternehmen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr 2007 rückläufig. Bei zwei weiteren Unternehmen stagnierte der Umsatz.

Angesichts der heterogenen Leistungs- und Kundenstruktur der 25 IT-Service-Unternehmen lässt sich über die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftkrise kein einheitliches Bild zeichnen. Soweit die Unternehmen ihre Umsatzerwartungen angaben, ergeben ist für 2009 ein deutlich reduziertes Wachstum in Höhe von 1,2 Prozent zu erkennen. Mittelfristig, also für den Zeitraum 2009 bis 2014, erwarten die Unternehmen allerdings wieder einen Wachstumspfad von durchschnittlich rund 4 Prozent pro Jahr für ihre Unternehmensumsätze.

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