Urteil Mehr als elf Jahre Haft für Ruzicka

Der frühere Werbemanager Alexander Ruzicka ist zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Wiesbaden befand ihn in 68 Fällen der Untreue für schuldig. Ruzicka habe durch Manipulationen Gewinne "nach eigenen Vorstellungen abgeschöpft".

Wiesbaden - Im Prozess um veruntreute TV-Werbemillionen ist der angeklagte Werbemanager Alexander Ruzicka zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Wiesbaden befand ihn am Dienstag in 68 Fällen der Untreue für schuldig. Ein Mitangeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, weil er sich in 41 Fällen der Beihilfe schuldig gemacht habe.

Ruzicka habe durch Manipulationen Gewinne "nach eigenen Vorstellungen abgeschöpft", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk in seiner Urteilsbegründung. Mit dem veruntreuten Geld habe Ruzicka seine aufwendige Lebensführung finanziert, erklärte der Richter.

Der Verurteilte war bekannt dafür, Freunde und Kunden häufig auf die Jagd nach Ungarn oder Südafrika einzuladen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ruzicka rabattierte Werbeminuten an der Firma vorbei an Kunden verkaufte. Mithilfe der Eventagentur Zoffel Hoff Partner (ZHP) habe er sich Millionensummen auf eigene Konten überwiesen. ZHP-Geschäftsführer war bis 2006 der hessische CDU-Politiker und frühere Landesminister Volker Hoff.

Ruzicka saß seit Herbst 2006 in Untersuchungshaft. Das Unternehmen Aegis Media vermittelt Fernsehwerbezeiten; Ruzicka war Chef für Deutschland und Zentraleuropa. Der Schaden entstand, indem Ruzicka Gratissendezeiten, die Fernsehsender dem Großkunden Aegis Media einräumten, auf eigene Rechnung vermarktete. Auf diese Weise soll er das Unternehmen um rund 50 Millionen Euro geprellt haben.

Die Verteidigung hatte zuvor Freispruch für Ruzicka gefordert. Sie warf der Wiesbadener Staatsanwaltschaft vor, auf fragwürdiger Basis zu argumentieren. Ihre Kronzeugin hätten die Ankläger zur Aussage bewegt, indem sie ihr schon im Voraus einen ihr genehmen Strafbefehl vorgelegt habe. Dies sei ein in Deutschland einmaliger Vorgang. Überdies habe die Frau die ihr vom Angeklagten angeblich als "Schweigegeld" gewährten 427.000 Euro behalten dürfen. Wenn das Geld aber tatsächlich aus einer Straftat stamme, hätte es verfallen müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Ruzicka 13 Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Prozessbeteiligte erwarten, dass der Verurteilte in Revision geht.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap

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