Gründer Vier Jahre Ärger

Mit seinem Direktvertrieb für Kontaktlinsen und Pflegemittel unterläuft der Kieler Gründer Stefan Kloth die satten Gewinnspannen der Optiker. Doch vier Jahre nach dem Start liegt Kloth immer noch im Dauerclinch.

Kiel - Ein USA-Aufenthalt öffnete dem Kieler Stefan Kloth die Augen: Kontaktlinsen und Pflegemittel, hier zu Lande teuer verkauft, waren in den Staaten zu wesentlich niedrigeren Preisen zu haben. Kloth, damals noch Student, deckte sich nicht nur zum Eigenbedarf ein. Er beschloss, Linsen und Mittel zu importieren und in Deutschland im Direktvertrieb anzubieten.

Vier Jahre ist das her. In dieser Zeit hat Kloth mit Lenscare ein beachtliches Unternehmen aufgebaut. Lenscare beschäftigt nach eigenen Angaben mittlerweile über 45 Mitarbeiter - geschultes Fachpersonal und einen Augenoptikmeister. Doch mit der Optikerbranche, dem traditionellen Handelszweig seiner Produkte, liegt der Kieler im Dauerclinch. Den Einzelhändlern garantieren die hohen Preise für diese Produkte satte Gewinnspannen.

Mit gezielten Falschinformationen, sagt Kloth, hätten die Einzelhändler laufend versucht, Kunden zu vergraulen. Kloth setzte Werbung dagegen, musste sich aber neben dem Aufbau seines Unternehmens immer wieder mit Abmahnungen, einstweiligen Verfügungen und Prozessen herum schlagen.

Nun scheinen die Einzelhändler doch noch die Trümpfe in der Hand zu halten. Lenscare wird von grossen Herstellern nicht beliefert. "Den Augenoptikern sind diese günstigen Preise ein Dorn im Auge, die Hersteller wiederum wollen es sich mit den Optikern nicht verderben und weigern sich daher, Lenscare zu beliefern", heisst es aus dem Kieler Unternehmen.

Mit einer Klage vor dem Münchner Landgericht will Kloth nun Fakten schaffen. Marktführer Bausch & Lomb ("Rayban") soll gezwungen werden, die Kieler mit Produkten auszustatten.

Zur Spitzengruppe der Kontaktlinsenhersteller gehören laut Lenscare neben dem beklagten Unternehmen Bausch & Lomb noch Ciba Vision als Marktführer, Zeiss, Johnson & Johnson sowie Wesley-Jessen. Bei den Pflegemitteln seien es außerdem Pharm-Allergan und Alcon. Insgesamt hielten diese Unternehmen etwa 90 Prozent der Marktanteile. Bei einer solchen Markt-Konstellation könne kartellrechtlich eine sogenannte Spitzengruppenabhängigkeit bestehen, argumentiert Lenscare. Eine Belieferung kann dann rechtlich erzwungen werden, wenn die Nichtbelieferung ohne sachlich gerechtfertigten Grund erfolgt.

"Es gibt aber keinen vernünftigen Grund, uns gegenüber anderen Vertriebskanälen zu benachteiligen", so Stefan Kloth. "Wir legen großen Wert auf Qualität, Kundenservice und faire Preise. Und wir sehen es nicht ein, warum man ein identisches Pflegemittel in den USA für nur einen Bruchteil des deutschen Preises bekommt."