Dienstag, 7. April 2020

Deutsche Videoportale Im Schatten von YouTube

Wer den Begriff Videoplattform hört, denkt unweigerlich an den Giganten YouTube. Doch die Google-Tochter ist bei Weitem nicht das einzige Filmportal. Deutsche Plattformen wie MyVideo, Clipfish oder Sevenload versuchen sich mit ihren Inhalten vom scheinbar übermächtigen Konkurrenten abzugrenzen.

Hamburg - YouTube ist zwar das größte Onlineportal für das kostenlose Ansehen und Hochladen privater Filmclips - aber bei Weitem nicht das einzige. Zur größten Plattform neben der Google-Tochter gehört in Deutschland das Portal MyVideo. Laut einer Statistik der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (Agof) surfen jeden Monat etwa sieben Millionen Besucher (Unique User) die Videoplattform an. Bei den jüngeren Usern versucht MyVideo unter anderem mit Ausschnitten aus bekannten Fernsehsendungen und Musikclips zu Punkten. Nutzer können aber auch wie gehabt ihre mit dem Handy oder der Kamera aufgenommenen Privatvideos hochladen.

MyVideo: Das Portal ist die größte deutsche Plattform
Eine ähnliche Strategie fährt auch die Videoplattform Clipfish. Mit RTL-Inhalten und redaktionell geprüften Clips versucht die Nummer drei in Deutschland aus dem Schatten des Giganten YouTube zu kommen. So richtet sich das Angebot der RTL-Tochter unter anderem an die Fans der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Auf Clipfish kann man sich etwa Musikvideos der Nachwuchsstars anschauen. Inzwischen mache der Abruf solcher Clips einen Anteil von bis zu 40 Prozent gegenüber den Privatvideos aus, sagt Clipfish-Geschäftsführer Mathias Blüm. Laut Agof hat Clipfish jeden Monat knapp 2,2 Millionen Unique User.

Dass sich separate Rubriken vor allem finanziell lohnen, hat Sevenload-Geschäftsführer Axel Schmiegelow festgestellt. "Wir sind nicht in den roten Zahlen unterwegs. Unser Fokus waren von Anfang an Sendungen und Kanäle mit Premium-Inhalten", sagt der Chef der von den großen Privatanbietern wie RTL und ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen betriebenen Plattform. Laut Agof nutzen monatlich 1,3 Millionen Unique User die Inhalte. Die Spanne der Videos reicht inzwischen von den typischen Videos stolpernder Katzen über den National Geographic Channel bis hin zu Folgen der Fernsehserie "Verbotene Liebe".

Auch Clipfish-Geschäftsführer Blüm sieht in den kontrollierten Rubriken Vorteile - besonders für die Werbekunden: "Durch die hohe Nutzungsrate der professionell produzierten Inhalte verzeichnen wir auch ein zunehmendes Interesse der Werbepartner, denn diese möchten sich in verlässlichen Umfeldern präsentieren." So lässt sich für die Kunden vermeiden, was vor Kurzem der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen passierte: Nachdem ihre Werbung neben rechtsextremen Einträgen erschienen sein soll, zog der Konzern seinen Werbeauftrag für das Videoportal 3min im US-amerikanischen Onlinenetzwerk Facebook zurück.

Doch trotz aller Abgrenzungsversuche ist der Abstand der Videoportale zu YouTube noch immer immens groß: Während beispielsweise auf MyVideo täglich etwa 450 Stunden Filmmaterial hochgeladen werden, sind es auf YouTube rund 15 Stunden - pro Minute. Wie viele Minuten davon alleine die Nutzer in Deutschland auf die Plattform heben, möchte das Unternehmen allerdings lieber für sich behalten.

Ira Kugel, dpa

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung