Mitarbeiterbespitzelung Bahn soll Computer durchsucht haben

Der Datenskandal der Deutschen Bahn weitet sich abermals aus: In den vergangenen Jahren sind offenbar nicht nur Hunderttausende E-Mails von Mitarbeitern heimlich durchsucht worden. Der Konzern soll auch Computerlaufwerke und die darauf befindlichen Dateien gescannt haben.

Hamburg - Die Deutsche Bahn hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL gezielt den Inhalt von Festplatten der Mitarbeiter durchsucht. Nach Aussagen von Bahn-Mitarbeitern soll es sich bei den gescannten Festplatten um sogenannte Gruppenlaufwerke gehandelt haben, auf denen Mitarbeiter ihre Computerdateien speichern konnten. Die Schnüffler sollen in den Dateien nach vorher definierten Schlagworten gefahndet haben.

Die Bahn wehrte sich am Sonntag gegen die Vorwürfe. Nur in konkreten Verdachtsfällen auf Straftaten sei gezielt gegen Bahn-Mitarbeiter ermittelt und dabei nur in diesem Zusammenhang der Inhalt von Festplatten gesichert worden. In der ausführlichen Mitteilung heißt es auch: Bahnmitarbeiter "wurden ausschließlich in solchen Fällen überprüft, bei denen der konkrete Verdacht der illegalen Weitergabe von internen Unternehmensinformationen bestand, um so die Bahn vor Schaden zu schützen."

Der Konzern bestreitet dem SPIEGEL zufolge zudem, dass Vorstände von den sogenannten Massendatenabgleichen Kenntnis gehabt hätten, geschweige denn, dass die Datenabgleiche von ihnen genehmigt oder beauftragt wurden.

Das Magazin berichtet daneben, dass die Bahn den E-Mail-Verkehr seiner Mitarbeiter auch daraufhin kontrolliert habe, ob sie Kontakte zu einem Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Uwe Beckmeyer unterhielten. Nach Angaben des "Tagesspiegel am Sonntag" soll der Referent auf der rund 30 Namen umfassenden Liste von Bahn-Kritikern stehen, deren E-Mail-Verkehr mit Bahn-Beschäftigten das Unternehmen seit 2005 in einer Aktion mit dem Namen "Leakage" habe filtern lassen.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte Ende März wegen der Datenaffäre seinen Rücktritt angeboten. Nachfolger soll der Daimler-Manager Rüdiger Grube werden. Obwohl die Vorwürfe dem Bund damals schon weitgehend bekannt waren, hat der alleinige Anteilseigener den scheidenden Bahn-Chef bereits am 27. März entlastet. Aufgrund dieses Vertrauensbeweises dürfte es dem SPIEGEL-Bericht zufolge nun sehr viel schwerer sein, die Gehaltsforderungen von Mehdorn nicht zu erfüllen.

manager-magazin.de mit Material von afp und ddp

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