Krisenplan Toshiba streicht Tausende Stellen

Der Technologiekonzern Toshiba ist noch tiefer in die Krise geschlittert. Das japanische Unternehmen hat seine Geschäftserwartungen zum dritten Mal in Folge reduziert und rechnet nun mit einem Jahresverlust von umgerechnet 2,7 Milliarden Euro - obwohl es erste Lichtblicke gibt. Toshiba will jetzt weitere 3900 Stellen streichen.

Tokio - Zweischneidige Entwicklung bei Toshiba : Der japanische Technologiekonzern erwartet noch höhere Verluste als bisher schon befürchtet worden ist. Das Unternehmen rechnet für das auslaufende Geschäftsjahr nun mit einem Minus in Höhe von 350 Milliarden Yen, das sind umgerechnet 2,7 Milliarden Euro. Das ist der höchste Nettoverlust in der Firmengeschichte. Zunächst war Toshiba von einem Minus von 280 Milliarden Yen ausgegangen.

Der operative Verlust allerdings werde mit 250 Milliarden Yen geringer ausfallen als erwartet. Grund ist laut Toshiba eine Stabilisierung der Preise für bestimmte Speicherchips, die unter anderem in Videokameras und Fotoapparaten eingesetzt werden.

Toshiba ist nach dem südkoreanischen Samsung-Konzern der weltweit zweitgrößte Hersteller dieser Halbleiter. Zudem solle der Konzern durch Kosteneinsparungen zumindest operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Toshiba ist eines der größten Unternehmen Japans.

An der Börse sorgte genau dieser Aspekt für Hoffnung. Toshiba-Aktien legten um 4,4 Prozent auf 332 Yen zu. Damit gewannen die Titel deutlich mehr an Wert, als die übrigen 224 Aktien, die in Japans führendem Börsenbarometer Nikkei 225 gelistet sind. Tokios Leitindex  legte um 1,74 Prozent auf 8907,58 Punkte zu.

Allerdings bleiben Marktkenner dennoch skeptisch. "Ein geringerer operativer Verlust ist positiv, aber wir können nicht wirklich sagen, dass das ausreicht um eine Wende in der Finanzkraft des Unternehmens herbeizuführen", sagte beispielsweise Analyst Ikuo Matsuhashi von Goldman Sachs  im Vorfeld der Prognose. "Selbst wenn sich der Preis für einzelne Speicherchips stabilisiert, bleiben die Aussichten für andere finster", ergänzte Analyst Masaharu Sato vom Daiwa Institute of Research. "Die Stärkung der Kapitalbasis wird für Toshiba zu einem drängenden Problem."

Die Unternehmensgruppe Toshiba, deren Produktpalette von Atomkraftanlagen bis zu Fernsehern reicht, musste ihre Prognose für das abgelaufene Gesamtjahr bereits zum dritten Mal revidieren. Japans Elektronikindustrie erlebt eine ihre schwersten Krisen. Vor allem der schwache Export macht den Unternehmen zu schaffen. Dazu beigetragen hat die insgesamt schwache Lage der Weltwirtschaft, aber auch Aufwertungen der Landeswährung Yen.

Toshiba wird nun bis März kommenden Jahres 3900 weitere Frauen und Männer im Heimatland Japan entlassen, hat Toshiba-Sprecherin Hiroko Mochida angekündigt. Bisher hatte Toshiba bereits geplant 4500 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Im Juni wird zudem mit Norio Sasaki ein neuer Konzernchef die Führung des Unternehmens übernehmen. Er folgt damit dem bisherigen Toshiba-Chef Atsutoshi Nishida.

manager-magazin.de mit Material von ap, dow jones und dpa

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.