Bluetooth-Headsets Minimalisten im Ohr

Freihändig telefonieren kann man mit jedem drahtlosen Headset. Davon abgesehen gibt es aber große Unterschiede, im Design, in der Funktion und beim Preis. Wir haben einige Modelle ausprobiert und festgestellt, dass Gutes nicht immer teuer sein muss.

Hamburg - Manche sind schick, manche sind Hightech und manche einfach nur billig: Wer sich einen kabellosen Kopfhörer fürs Mobiltelefon zulegen will, sieht sich einer enormen Auswahl gegenüber. Denn Bluetooth-Headsets gibt es wie Sand am Meer. Die Preise reichen von zehn bis über 100 Euro. Nützlich sind sie in jedem Fall. Beim Autofahren beispielsweise kann man sich durch Benutzung eines vergleichsweise günstigen Headsets den Einbau einer teuren Freisprecheinrichtung sparen. So bleiben beide Hände am Lenkrad und man kann ohne Angst vor Polizeikontrollen (oder Unfällen) unterwegs telefonieren.

Aber auch außerhalb des Autos können drahtlose Headsets sinnvoll sein. Wer sein Smartphone nicht nur zum Telefonieren benutzt, freut sich, während eines Gesprächs beispielsweise einen Termin in den Kalender eintragen zu können oder schnell eine Information im Web nachzuschlagen.

Die drahtlosen Hör-Sprech-Geräte sind allerdings meistens Minimalisten. Man könnte meinen, die Hersteller versuchten sich gegenseitig dabei zu überbieten, möglichst wenige Bedienelemente einzubauen. Mit immerhin fünf physikalischen Knöpfen ist Motorolas H780 im Vergleich üppig bestückt. Beim Plantronics Discovery 925 muss man sich dagegen mit zwei Knöpfen begnügen, ebenso beim Jawbone, nur dass man dort die Knöpfe nicht einmal sehen kann.

Gedächtnistraining mit zahlreichen Tastenkombinationen

Trotz dieses Verzichts auf Bedienelemente sparen die Hersteller nicht an Funktionen. So bieten Bluetooth-Headsets fast immer die Möglichkeit der Sprachwahl, bei der man den Namen des Anzurufenden ins Headset spricht, statt dessen Nummer einzutippen. Eine Wahlwiederholung gehört ebenso zum Standardrepertoire wie die Option, Anrufe abzulehnen oder vom Headset an das Handy zu übergeben.

Damit das alles mit nur ein oder zwei Tasten funktioniert, müssen die natürlich mehrfach belegt sein. Die Lösung der Hersteller: Je nach Situation entscheidet die Anzahl oder die Dauer der Tastendrücke darüber, welche Funktion jeweils ausgelöst wird. Wirklich kompliziert ist das nicht, aber ohne einen intensiven Blick in das Handbuch ist man aufgeschmissen. Glück hat, wer ein gutes Gedächtnis hat, sich die verschiedenen Tastenfunktionen merken kann.

Darin unterscheiden sich die Geräte unterschiedlicher Preisklassen kaum, wohl aber in ihrer Ausstattung und Verarbeitung. Technik zur Unterdrückung von Nebengeräuschen etwa gehört im Wortsinne zum guten Ton - auf unterschiedliche Weise. Bei fast allen identisch ist dagegen der Code für das sogenannte Bluetooth-Pairing, den man eingeben muss, um eine Verbindung zwischen Mobiltelefon und Headset herzustellen. Er lautet immer 0000.

Worin sich Bluetooth-Headsets unterscheiden und weshalb Billigheimer und Edel-Anbieter manchmal denselben Fehler machen, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Billig aber brauchbar - ein No Name-Headset

Dieses Modell kann man nicht mehr kaufen, es ist mittlerweile durch einen Nachfolger abgelöst worden. Aber auch, als man es noch erwerben konnte, musste man das eintlich nicht tun. Sofern man bei einem bestimmten Online-Elektronikhändler für eine nicht all zu hohe Mindestsumme bestellte, bekam man es kostenlos mit der Bestellung geliefert - und damit ist es kein Einzelfall. Der Verkaufspreis solcher Geräte liegt bei 10 bis 20 Euro.

Die Ausstattung ist angesichts dieses Preises nicht einmal schlecht. Neben dem Headset selbst lag das obligatorische Ladegerät und sogar ein KFZ-Adapter bei. Das passt: Schließlich werden Headsets meist im Auto verwendet. Umso besser, wenn man den Akku unterwegs aufladen kann. Für diesen Komfort muss man bei den teureren Modellen entweder Aufpreis zahlen oder sich Zubehör vom Dritthersteller besorgen.

Trotzdem hat gerade die Ladefunktion dieses Modells einen gehörigen Haken: Der Anschluss für das Ladegerät erfordert einen speziellen Ladestecker. Hat man das entsprechende Kabel vergessen, kann man auch das Aufladen vergessen. Dass ein Kollege eine passende Strippe dabei hat, ist unwahrscheinlich.

Angesehen von den beiden Ladegeräten gilt Genügsamkeit als Motto der Stunde. Austauschbare Ohrpassteile gibt es nicht, das Headset muss so ins Ohr, wie es kommt. Als kleines Highlight lässt sich noch vermelden, dass der Ohrbügel sehr einfach von Links auf Rechts umzusetzen ist. Schade nur, dass man das in der Regel nur ein einziges Mal macht.

Die Klangqualität ist in Ordnung, wenn auch nicht gerade berauschend. Vor allem in lauter Umgebung verpasst man manches Wort, weil der Ohrhörer nicht perfekt in der Ohrmuschel sitzt, sondern ein wenig darüber schwebt. So wird der Lautsprecher nicht abgeschirmt, Umgebungsgeräusche dringen ins Ohr ein.

Und eine Schönheit ist das Elektromarkt-Headset auch nicht gerade, kann seinen niedrigen Preis nicht verhehlen. Dafür ist es dank auch blind bedienbarer Knöpfe simpel zu bedienen und verfügt über alle grundlegenden Funktionen.

Technische Daten

Hersteller No Name
Bezeichnung Bluetooth Headset
Gewicht* Keine Angabe
Standby-Zeit* Keine Angabe
Sprechzeit* Keine Angabe
Besonderheiten
Zubehör Ladegerät, KFZ-Ladegerät
Preis 10 bis 20 Euro
* Herstellerangaben

Hightech im Retro-Gewand - Motorola H780

Motorolas Modell H780 hebt sich angenehm von der Konkurrenz ab. Zum einen weil es einfach anders aussieht. Statt in der sonst üblichen Melange aus schwarzem Plastik und Chromapplikationen kommt es im schon wieder erfrischenden Look eines 60er-Jahre Transistorradios daher. Aber das Design ist nicht das Einzige, worin es sich erfreulich differenziert.

Auch für die Vereinfachung der Bedienung haben sich die Entwickler eine ebenso simple wie praktische Lösung einfallen lassen: Tasten. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend zieren das H780 nicht weniger als vier, wenn man es genau nimmt sogar fünf echte physikalisch fühlbare Tasten.

Dazu gehört zunächst einmal ein Knopf, der für nichts anderes zuständig ist als dazu, das Gerät ein- oder auszuschalten. Dann natürlich die Anruftaste und ein Lautstärkeregler, den man auch als zwei Tasten werten kann und dessen Funktionen (lauter/leiser) durch Markierungen auch blind fühlbar sind. Den Abschluss bildet eine als "Noise Cancellation Button" gekennzeichnete Taste, die das System zur Unterdrückung von Nebengeräuschen aktiviert.

Trotz der vielen kleinen Knöpfe bleibt es dem Motorola-Nutzer nicht erspart, die Anleitung aufmerksam zu studieren. Das liegt einfach daran, dass das H780 so viele Funktionen bietet. Allein zehn unterschiedliche Tonfolgen informieren über den jeweiligen Betriebszustand - die muss man erst einmal auswendig lernen. Und auch Funktionen wie etwa die Annahme eines zweiten Anrufs bei laufendem Gespräch sind kaum intuitiv beherrschbar.

Die Nebengeräuschunterdrückung arbeitet angenehm unaufdringlich, filtert Lärm recht zuverlässig aus, so dass man sich auch am Bahnhof oder bei schneller Fahrt über die Autobahn noch gut verständigen kann. Motorola bezeichnet diese Technik als CrystalTalk. Der Trick: Über zwei Mikrofone werden Sprache und Außengeräusche registriert. Das Headset passt dann Lautstärke und Frequenzspektrum der Sprache automatisch an die Umgebung an. Der Effekt: Auch wenn es laut wird, muss man nicht brüllen.

Technische Daten

Hersteller Motorola
Bezeichnung H780
Gewicht* 11 Gramm
Standby-Zeit* Bis zu 8 Tage
Sprechzeit* Bis zu 7 Stunden
Besonderheiten Nebengeräuschunterdrückung
Zubehör Ladegerät, Wechselbare Ohraufsätze
Preis 80 Euro
* Herstellerangaben

Das Elegante - Plantronics Discovery 925

Geht es um Eleganz, liegt Plantronics mit dem Discovery 926 weit vorn. Als V-Frame bezeichnet der Hersteller die schlanke Konstruktion des Mikrofonbügels. Zudem wird mit dem Headset eine schmucke Leder-Tragetasche geliefert, die es in sich hat. Ihr Zweck ist es nicht nur, dem Headset Halt und Sicherheit beim Transport zu geben. Stattdessen ist in der vergleichsweise voluminösen Hülle noch ein Akku integriert, der das Headset unterwegs auch ohne Steckdose aufladen kann. Für mindestens eine komplette Befüllung soll die Kapazität ausreichen.

Ausgesprochen originell ist die Methode, mit der das Plantronics am Ohr fixiert wird. Auf einen Ohrbügel haben die Designer verzichtet. Stattdessen werden transparente Gel-Ohrstöpsel in drei verschiedenen Größen mitgeliefert. Die sind so gestaltet und so weich, dass man sie seiner Ohrform recht gut anpassen kann, damit das Headset so fest wie möglich und doch bequem am Ohr sitzt. Für die Anpassung sollte man sich Zeit lassen, auch wenn das Gepfriemel und Gefummel mit dem Kunststoffnippel ganz schön nervig ist, am Ende aber zahlt es sich aus.

Dasselbe gilt auch für die intensive Beschäftigung mit der Bedienungsanleitung. Schließlich gibt es nur zwei Knöpfe: Einen Lautstärkeregler und einen Multifunktionsknopf. Die Lautstärke lässt sich nur in drei Stufen ändern, die man stets sequentiell durchgehen muss. Über die Multifunktionstaste wird alles andere gesteuert. Dabei hilft es ungemein, dass die große Taste die gesamte Seitenfläche des Headsets einnimmt, so dass man sie ohne viel Suchen blind findet. Zusätzlich dient sie als Statuslampe, gibt anhand ihrer Farbe und Blinkfrequenz Auskunft darüber, in welchem Zustand sich das Gerät gerade befindet, was natürlich nur etwas nützt, wenn man es abnimmt.

Sprach- und Tonqualität waren im Test erfreulich gut. Hier zahlt sich einmal mehr eine gute Anpassung des Headsets an den Anwender aus. Je genauer man das Mikrofon auf den Mund ausrichtet und das Ohrstück an den Gehörgang anpasst, desto besser klingt man selbst und hört den Gesprächspartner.

Technische Daten

Hersteller Plantronics
Bezeichnung Discovery 925
Gewicht* 8 Gramm
Standby-Zeit* Bis zu 7 Tage
Sprechzeit* Bis zu 5 Stunden
Besonderheiten
Zubehör Ladegerät, Wechselbare Ohraufsätze, Tragetasche mit Ladefunktion
Preis 100 Euro
* Herstellerangaben

Das Besondere - Aliph Jawbone

Das Jawbone ist ein Blender. Allerdings ein verdammt guter. Obwohl es eigentlich bloß aus schwarzen Kunststoff besteht, sieht es ausgesprochen gut aus. Einerseits, weil sein Korpus eine wunderbar elegant geschwungene Form hat, andererseits, weil sein Oberteil mit einem feinen Riffelmuster versehen ist. Ein wenig Luxus strahlt der Ohrbügel aus, der hier mit Leder überzogen wurde.

Mindestens ebenso aufwendig wie das Gerät selbst wurde dessen Verpackung und Zubehör gestaltet. So steht das Jawbone in einem viel zu großen Plexiglas-Container im Laden - hübsch aber ökologisch verwerflich. Aber das macht der Hersteller zumindest teilweise damit gut, dass mitgeliefertes Zubehör wie das Netzteil, verschiedene Ohrpassformen und Austauschbügel in Pappschachteln verpackt sind.

Auf den ersten Blick irritierend fehlen dem Jawbone jegliche Knöpfe oder Schalter. Stattdessen dient die gesamte geriffelte Oberfläche als Taste. Je nachdem, ob man eher in der Mitte oder am oberen Ende drückt, löst man unterschiedliche Funktionen aus. Hört sich toll an, erweist sich in der Praxis aber als schwer handhabbar, weil es keine leicht erfühlbaren Fixpunkte gibt, anhand derer man seine Finger blind positionieren könnte.

Noch besser als die Tasten ist die Kontrolllampe in die Hülle des Jawbone eingearbeitet. Sie ist weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick zu erkennen, wird nur kurz sichtbar, wenn sie aufleuchtet.

Was das Jawbone aber einzigartig macht, ist seine Fähigkeit, Nebengeräusche zu unterdrücken. Als NoiseAssassin, also "Geräuschmörder", bezeichnet der Hersteller diese Funktion, die auf ziemlich einzigartige Weise arbeitet. Ist sie aktiviert, wird über einen winzigen Kunststofffühler der Körperschall des Telefonierenden registriert und genutzt, um Außengeräusche elektronisch auszufiltern. Tatsächlich funktioniert diese Technik erstaunlich gut.

Selbst am Rande einer viel befahrene Autobahn oder direkt neben einem startenden Flugzeug ist man so für denjenigen, den man anruft, gut verständlich, wie sich im Test zeigte. Leider aber werden Gespräche in lauten Umgebungen trotz der faszinierenden Technik recht einseitig. Während man dank Jawbone nämlich bestens verstanden wird, kann man selbst den Gesprächspartner kaum verstehen, weil der Lärm den Lautsprecher übertönt.

Im Normalfall aber ist die Tonqualität des schwarzen Schönlings ausgesprochen gut. Damit telefoniert man gerne - so lange man telefonieren kann. Um das sicherzustellen, sollte man immer das mitgelieferte Netzteil samt Ladekabel dabei haben. Denn genau wie das Billg-Gerät, ist auch das Jawbone mit einem einzigartigen Ladestecker versehen, für den sich kaum Ersatz finden wird, hat man vergessen, ihn einzupacken.

Technische Daten

Hersteller Aliph
Bezeichnung Jawbone
Gewicht* 10 Gramm
Standby-Zeit* Mindestens 8 Tage
Sprechzeit* Mindestens 4 Stunden
Besonderheiten Nebengeräuschunterdrückung
Zubehör Ladegerät, Wechselbare Ohraufsätze, Wechselbare Ohrbügel
Preis 110 Euro
* Herstellerangaben
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.