App Store Vom Programmierer zum Millionär

Als Apple seinen Webladen App Store vorstellte, wurde der iPhone-Erfinder seiner Vorreiterrolle wieder einmal gerecht. Mittlerweile werden Tausende kleine Programme für das iPhone auf dem Onlineportal angeboten. Ein Erfolg für Apple, aber auch für manchen Programmierer, der zum Star wurde.

München - Was Ethan Nicholas widerfahren ist, erscheint ein wenig wie ein modernes Märchen: Monatelang schlug sich der Softwareentwickler nach seinem Arbeitstag als Angestellter die Nächte um die Ohren, um iShoot zu programmieren. Das Geld habe damals nicht einmal gereicht, um sich die nötigen Programmier-Handbücher zu kaufen, erklärte der Amerikaner dem Onlineableger des US-Magazins "Wired". Mittlerweile dürfte Nicholas durch sein Artillerie-Spiel fast Millionär geworden sein. Die Erfolgsstory des jungen Programmierers ist mit der des App Store von Apple  verknüpft - dort steht iShoot als kostenpflichtiger Download zur Verfügung.

Programme werden im Englischen auch kurz Apps genannten, was vom Wort Application für Anwendung kommt. Im App Store werden Anwendungen für das iPhone-Handy und den Multimedia-Player iPod touch vertrieben - kostenpflichtig oder kostenlos. Dass Handy-Besitzer Software für ihr Mobiltelefon kaufen können, ist nicht neu. Klingeltöne zum Beispiel sind seit Jahren ein Verkaufsschlager. Neu ist, dass das iPhone und der iPod touch eine eigene Software besitzen, um über das Mobilfunknetz beziehungsweise W-Lan auf den App Store zugreifen zu können. Das macht es für Anwender besonders einfach, Apps zu erstehen und auf ihrem Endgerät zu installieren.

Der App Store ist aber auch ein neues Verkaufsmodell in der Handy-Welt: Er gehört Apple, und das Unternehmen mit dem Apfel im Logo stellt die Plattform anderen Software-Entwicklern zur Verfügung, damit sie ihre Programme iPhone-Nutzern anbieten können. Zu welchem Preis sie das tun, ist ihnen überlassen. Apple stellt mit dem iPhone SDK, dem Software Development Kit, auch eine Programmsammlung bereit, die Programmierer benötigen, um entsprechende Software zu entwickeln.

Apple nimmt Gebühren

Das macht Apple natürlich nicht aus lauter Nächstenliebe. Das Unternehmen profitiert von den unzähligen enthusiastischen Entwicklern: Das SDK ist zwar kostenlos - doch sobald Programme in den App Store sollen, werden 99 Dollar (Basisversion) oder 299 Dollar (Business) fällig. Außerdem behält Apple 30 Prozent der Verkaufserträge ein.

Dafür müssen sich Programmierer bei diesem Vertriebssystem nicht weiter darum kümmern, wie ihre Software unter die Leute kommt - außer, dass sie ein gutes Programm schreiben müssen, für das es einen gewissen Bedarf gibt. Sinnvoll muss es dagegen nicht unbedingt sein: Die App-Themen-Website Apptism.com zählte im März fast 30.000 Anwendungen im App Store (Stand 30.03.09). Darunter finden sich zum Beispiel Programme, die ein Pupsen imitieren.

Doch wie einfach ist es wirklich, eine Applikation fürs iPhone zu schreiben und damit Geld zu verdienen? Sich bei Apple online für das Entwicklerprogramm registrieren zu lassen und das SDK herunterzuladen, bekommt jeder hin, der einen Computer bedienen kann - allerdings muss es ein Mac sein, denn nur darauf können die Apps fürs iPhone entwickelt werden.

Etwas Marketing hilft der Software auf die Sprünge

Das SDK enthält zwar alle für die Entwicklung notwendigen Programme. Ohne Programmierkenntnisse aber sieht es schlecht aus. Es ist von Vorteil, sich schon einmal eingehender mit Objective-C, der Programmiersprache für Mac OS, beschäftigt zu haben. So nutzt das iPhone SDK ebenfalls Xcode - eine Entwicklungsumgebung, die auch für die Mac-Programmierung verwendet wird.

Für die ersten Schritte zum App braucht es noch kein iPhone, das SDK enthält einen entsprechenden Simulator. Dieser verhält sich jedoch in manchen Situationen anders als ein echtes iPhone - abgesehen davon, dass das SDK den Accelerometer nicht simulieren kann. Das ist jener Sensor im iPhone, der Programme auf Bewegungen des Gerätes reagieren lässt. Damit wird das iPhone zum virtuellen Bierglas, weil das kühle Blonde mit den Handbewegungen des Nutzers hin- und herschwappt - auch eine Anwendung aus dem App Store. Auch eine App-Wasserwaage existiert bereits.

Sind die technischen Hürden genommen und die Programme geschrieben, wird die Software an Apple übermittelt. Dort wird geprüft, ob die Applikation den Anforderung des Unternehmens genügt. Diese seien jedoch einfach, erklärt Georg Albrecht, Sprecher von Apple Deutschland in München: "Zum Beispiel dürfen die entwickelten Applikationen nicht gegen die guten Sitten verstoßen." Die Zahl der abgelehnten Anwendungen liege "nicht einmal im Promille-Bereich".

Applikationen machen Appetit auf mehr

Bei der großen Zahl von Programmen im App Store ist es sinnvoll, dem Erfolg seiner Anwendung durch ein bisschen Marketing auf die Sprünge zu helfen. Dazu zählt ein guter Beschreibungstext: Er sollte weder zu kurz noch zu lang sein und Lust auf das Programm machen.

Ethan Nicholas' iShoot schaffte den Durchbruch mit einer kostenlosen Variante, die einen Link zur Kaufversion enthält - und die wurde Hunderttausende Male heruntergeladen. Als Appetithappen eine kostenlose Version seines Programmes bereitzustellen, ist also eine gute Idee. Anschließend dürfte auf dem Weg zum Millionär nicht mehr viel im Wege stehen. Der Branchenverband Bitkom schätzt, dass mit Videos, Spielen, Musik und Werbung auf dem Handy im Jahr 2012 in Deutschland ein Umsatz von 740 Millionen Euro erreicht wird.

Sven Appel, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.