Mathias Döpfner Das Orakel vom Axel-Springer-Platz

Mathias Döpfner wagte am Montagabend in Hamburg einen Blick in die Zukunft der Medien. Einen besonders großen Umbruch sieht der Chef des Axel Spinger Verlags im Onlinejournalismus. Hier werde sich, so Döpfners Prognose, die Anzahl der Mitbewerber noch stärker verringern als im Print-Markt.
Von Alexander Hämmerli

Hamburg - "Hätten Sie vor einem Jahr 1000 Euro in Aktien des amerikanischen Medienkonzerns Gannett investiert, hätten Sie heute noch 69 Euro übrig. Hätten Sie damals für den gleichen Betrag Holsten gekauft, hätten Sie viel Bier trinken können und könnten obendrein noch für 238 Euro Leergut einlösen." Mit diesen Worten eröffnete Mathias Döpfner seine Rede vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten . Ein Einstieg, der zwar für die erhofften Lacher sorgte, den er aber postwendend relativieren wollte.

"Der oft beklagte Niedergang der Branche ist eine maßlose Übertreibung", sagte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG  im Gästecasino des Springer-Hauses am Axel-Springer-Platz hoch (13. Stock) über den Dächern Hamburgs. Schließlich hätte Springer 2008 das beste Ergebnis seiner Geschichte erzielt. Und das gelte, selbst wenn man den Verkauf von ProSiebenSat.1  außen vor lasse.

Die Gesetze der Schwerkraft könne allerdings auch Springer nicht ausschalten. "Uns stehen 2009 schwere Zeiten bevor", räumte Döpfner ein. In der Krise sieht der selbsternannte Antizykliker aber "fabelhafte Gelegenheiten" für Zukäufe - explizit auch im Print-Bereich. Wichtig sei für ihn aber ein deutliches Potenzial für die Digitalisierung. Als Richtschnur für mögliche Übernahmen gab er die kommenden 18 Monate aus. Dabei dürften die Zukäufe "nicht zu früh, nicht zu groß und nicht zu riskant sein."

Klar ist für Döpfner, dass bis zum Ende der Krise viele Medienunternehmen auf der Strecke bleiben werden. "Die Anzahl der Player wird geringer. Viele werden fusionieren, das Aussterben ist die Alternative." Wer überlebe und wer nicht, habe dabei nichts mit der Größe zu tun: "Die kleinen sind nicht zwingend die Schwachen, und umgekehrt die Großen nicht unbedingt die Starken." Schließlich sei Größe für den vielerorts nötigen Transformationsprozess eher hinderlich und eine "selbstzufriedene Marktführerschaft" hochgefährlich.

Online vor starker Konzentration

Einen besonders großen Rückgang an Wettbewerbern, wenn auch keinen Flächenbrand, erwartet der Springer-Chef im Onlinebereich. Anders als zum Beispiel bei Tageszeitungen würden hier nur "die ganz Großen und die ganz Schnellen" sowie spezialisierte Portale den Trend zur Konzentration überleben. Axel Springer scheint in diesem Bereich gut aufgestellt: Laut Döpfner arbeiten von den zehn größten Internetauftritten des Konzerns bereits sieben profitabel, darunter auch Bild.de. Und solange die Online-Gewinne die Einbußen im Printbereich ausglichen, sei das Vermarktungsmodell auf der Gewinnerstraße.

Ein separiertes Denken sieht Döpfner ohnehin als nicht mehr zeitgemäß. "Online ist der beste Freund der Zeitung", so der Springer-Chef. Digitale Ableger würden insbesondere zur Markenstärkung beitragen und schließlich würden "die Geldströme den Aufmerksamkeitsströmen folgen."

Da im Internet aber die "Kostenloskultur" etabliert sei und das Geld meist nur aus Anzeigen generiert werde, müsse man "den Copypreis durch ein Copyright ersetzen". Deshalb plädiere er für ein Leistungsschutzrecht, ähnlich wie in England, Griechenland oder Finnland. Denn wer wolle schon im Netz investieren, wenn dort "die Inhalte geklaut werden".

Eine ernsthafte Gefährdung des Journalismus durch nutzergenerierte Inhalte wie zum Beispiel Blogs, sieht Döpfner im Gegensatz zu einigen "Kulturpessimisten" übrigens nicht. "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun." Die Menschen würden auch in Zukunft gut erzählte, von Profis recherchierte Geschichten nachfragen.

Zum Schluss seines Vortrags nahm Döpfner noch einmal den Gannett-Bier-Vergleich auf: Hätte man vor einem Jahr für 1000 Euro Springer-Aktien gekauft, wäre einem bis heute immerhin noch etwas mehr als die Hälfte des Geldes geblieben. Ein "Erfolg auf niedrigem Niveau", gab Döpfner zu, aber im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen auf der ganzen Welt belege Springer damit Platz eins.