Gruner + Jahr Im Sog der Krise

Das Verlagshaus Gruner + Jahr leidet unter der Anzeigenkrise. Der Umsatz des Jahres 2008 bricht um 15 Prozent ein, der Gewinn schrumpft ebenfalls. Nun will der Verlag mehr als zehn Millionen Euro sparen. Dazu gehört, dass der komplette Vorstand der Bertelsmann-Tochter auf Bonuszahlungen und Tantiemen verzichtet.

Hamburg - Bernd Buchholz könnte Bergsteiger sein. "Wir mussten einige Sicherheitshaken einschlagen", erzählt er. Und dennoch musste zum Jahresende ein ordentliches Stück Seil nachgegeben werden, um wohlbehalten das Zwischenbiwak errichten zu können.

Buchholz ist Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J). Der langjährige Deutschland-Chef, der erst seit Anfang des Jahres das Hamburger Verlagshaus führt, blickt auf ein turbulentes Jahr 2008 zurück. Wetterkapriolen und Bergstürze sind da nur allzu gern genommene Metaphern. Natürlich hätte er sich zu seinem Start als CEO ein ruhigeres Umfeld gewünscht, meint der Manager.

Während sich die Vertriebserlöse im vergangenen Jahr als weitgehend stabil erwiesen, machen G+J seit der zweiten Jahreshälfte 2008 massive Anzeigenrückgänge zu schaffen. Der Konzernumsatz ging im Jahresvergleich um 2,2 Prozent auf 2,77 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis vor Steuern sank um 15 Prozent von 264 auf 225 Millionen Euro. Der Überschuss schrumpfte von 226 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 88 Millionen Euro. Die Umsatzrendite lag bei 8,1 Prozent.

"Okay ist nicht gut genug"

"Das Ergebnis ist vor dem Hintergrund der Krise okay. Damit sage ich aber auch: Für das größte europäische Zeitschriftenverlagshaus ist okay langfristig nicht gut genug", so Buchholz. Das Unternehmen, das auch an der SPIEGEL-Gruppe beteiligt ist, gehört zu 74,9 Prozent Bertelsmann und zu 25,1 Prozent der Hamburger Verlegerfamilie Jahr.

Nicht nur in Deutschland leidet G+J unter der Wirtschaftskrise. Desaströs verlief das Geschäft in Spanien, berichtet Vorstandskollege Torsten-Jörn Klein. Dort sei der Verlag von der Krise des Automarkts eingeholt worden. Österreich sei gut, ebenso das Geschäft in Osteuropa. Als vielversprechend erweise sich die Entwicklung in China, auch wenn dort erste Anzeichen der Krise zu spüren seien. Potenzial sieht der Manager noch in Südostasien.

In den vergangenen Monaten hat der Verlag weltweit mit der Einstellung verschiedener Magazine wie "Park Avenue", "Viva" in Deutschland und "Gala" in den Niederlanden auf die Anzeigenkrise reagiert. Spektakulär war die Entscheidung, die Redaktionen der Wirtschaftspresse hierzulande zusammenzulegen. Vor den versammelten Journalisten verteidigt Buchholz noch einmal den Schritt.

"Wir mussten verhindern, dass die Wirtschaftstitel selbst Geschichte werden. Wir brauchten eine kreative Lösung, eine neue Route." Seitdem bedient eine Zentralredaktion in Hamburg Titel wie die "Financial Times Deutschland", "Capital" und "Impulse".

Copypreise dürften steigen

Eine Prognose für dieses Jahr wagt Buchholz nicht. "Ich möchte nicht das Orakel vom Baumwall sein." (Anmerkung: Das Pressehaus von G+J befindet sich in Hamburg an der Straße Baumwall.) Er erwarte für das Gesamtjahr aber einen Anzeigeneinbruch der deutschen Verlagsbranche um mehr als 10 Prozent. In den ersten zwei Monaten 2009 verzeichneten die Hamburger einen zweistelligen Anzeigeneinbruch. Besonders betroffen seien Titel, in denen bislang die Finanz- und Autounternehmen gerne warben.

""Stern", "Brigitte" und "Geo" stehen gut da", sagt Buchholz. Auf den Break-even der "Financial Times Deutschland" wird man dagegen weiter warten müssen. Im vergangenen Jahr hatte G+J noch erklärt, dass dies für 2009 geplant sei.

Angesichts der konjunkturellen und strukturellen Krise hat G+J mittlerweile ein Sparprogramm aufgelegt, das in diesem Jahr weit mehr als zehn Millionen Euro einbringen soll. So verzichtet der gesamte G+J-Vorstand ähnlich wie der Vorstand der Mutter Bertelsmann beispielsweise auf alle Bonuszahlungen und Tantiemen. Honorare für freie Autoren stehen allerdings genauso auf dem Prüfstand wie das Abspecken von Veranstaltungen.

Auch werden weitere Szenarien entwickelt, sollte sich der Markt im Laufe dieses Jahres nicht erholen. Das macht Buchholz deutlich. Welcher Art sie sind, spezifiziert er nicht, führt aber das Blatt "Brand eins" als Beispiel an, das mit einer kleinen Mannschaft Qualität liefere.

Derzeit kein weiterer Stellenabbau geplant

Der Vorstandsvorsitzende sagt, dass derzeit keine weiteren Einstellungen von Magazinen oder ein weiterer Stellenabbau geplant sei. Stattdessen will der Manager das Merchandising- und Dienstleistungsgeschäft vorantreiben. G+J sei solide aufgestellt und frei von Nettofinanzschulden, betont Buchholz. Das mache das Unternehmen handlungsfähig. So soll das Onlinegeschäft weiter ausgebaut werden, auch Akquisitionen sind denkbar. "Mondpreise zahlen wir aber nicht".

Die Qualität der journalistischen Produkte will der Verlagschef auf jeden Fall beibehalten, unterstreicht Buchholz während seines Vortrags immer wieder. Letztendlich geht es dabei auch um Copypreissteigerungen. "Die werden Ende des Jahres sicher bei vielen Zeitschriften im Markt zu beobachten sein", meint er.