Lexikon Microsoft beerdigt Encarta

Der Softwaregigant Microsoft gibt den Kampf gegen Wikipedia auf: Die Produktion der Enzyklopädie Encarta wird im Laufe dieses Jahres eingestellt. Bis Ende des Jahres sollen dann die Online-Ausgaben aus dem Netz verschwinden.

Redmond - Anfang der neunziger Jahre kam es einer Revolution gleich: Wer wissen wollte, wann der Dreißigjährige Krieg endete (24. Oktober 1648), wie viele Ehefrauen Heinrich VIII hatte (Sechs) oder was heute im Jahr 1889 geschah (in Paris wurden die Arbeiten am Eiffelturm beendet), war nicht länger auf den Griff ins Bücherregal angewiesen.

Kein Suchen nach dem richtigen Lexikonband, kein Blättern durch abgegriffene Seiten mehr. Nur ein paar Klicks und schon hatte man das gewünschte Ergebnis vor sich auf dem Bildschirm. Mit Microsofts Enzyklopädie-Software Encarta  schien auf einmal alles so einfach.

16 Jahre und zahlreiche Sprachversionen später hat Microsoft bekannt gegeben, dass bis Ende 2009 die komplette Encarta-Reihe eingestellt wird. Bereits ab Juni sollen die Software-Produkte Microsoft Student und Encarta Premium nicht mehr zu kaufen sein, nur Updates werden noch so lange verfügbar sein, wie es auch die Online-Encarta gibt. Die wird zum 31. Oktober endgültig vom Netz genommen - mit Ausnahme von Encarta Japan, die hat noch eine Schonfrist bis zum 31. Dezember 2009. Abonnenten einer Premium-Version sollen aber ihr Geld zurückerstattet bekommen, heißt es auf der Encarta-Website.

1993 erschien erstmals eine CD-ROM mit Encarta-Software. Als der Eroberungszug des Internet begann, wurden bald alle Informationen auch online zur Verfügung gestellt. Laut dem Encarta-eigenen Eintrag über Enzyklopädien  kam dann 1995 eine hybride CD-ROM-Version auf den Markt, die man monatlich - später sogar wöchentlich - mit Online-Inhalten aktualisieren konnte.

Doch die Beliebtheit der Software-basierten Encarta sank. Die einst so wegweisende Lexikon-Software von Microsoft hat - ähnlich wie die Encyclopaedia Britannica - nach und nach an Bedeutung verloren, je populärer die Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde. Wikipedia bietet zu bedeutend mehr Themen Artikel, die zum Teil umfangreicher und aktueller sind als die Encarta-Beiträge, die von einer Redaktion gepflegt werden, die bei weitem kleiner ist als das enorm große Heer der freiwilligen Wikipedia-Autoren. Dafür müssen Nutzer von Wikipedia immer auf der Hut sein, denn die Richtigkeit ist nicht immer garantiert.

manager-magazin.de mit Material von afp