Bürosoftware Open Office Kostet nichts, taugt was

Für viele Computernutzer steht Bürosoftware synonym für Microsofts Office-Paket. Doch neben dem kostenpflichtigen Programm gibt es auch gratis Open-Source-Programme wie das Büroprogramm Open Office - und damit ernst zu nehmende Alternativen.

Berlin - Die Fachpresse ist sich einig: In Sachen Bürosoftware genügen Open-Source-Lösungen den Ansprüchen der meisten Nutzer. Kommerzieller Software wie der weit verbreiteten Office-Suite von Microsoft  könnten kostenlos verfügbare Programme wie Open Office das Wasser reichen, so der Tenor. Trotz der beeindruckenden Downloadzahlen seit der Veröffentlichung der neuesten Open-Office-Version im vergangenen Oktober sieht Microsoft in der aufkommenden Konkurrenz keine Bedrohung.

Gegenüber dem Platzhirschen aus Redmond haben die Entwickler der Open-Source-Lösung - zumindest was die Anzahl der Module betrifft - im Laufe der Jahre allerdings ein mindestens ebenbürtiges Softwarepaket geschnürt: Anstelle der Textverarbeitung Word gibt es Writer, die Tabellenkalkulation Excel wird durch Calc ersetzt, das Präsentationsprogramm Powerpoint durch Impress.

Während die Standardversion des aktuellen Office 2007 für derzeit 549 Euro anders als Open Office noch einen E-Mail-Klienten (Outlook) integriert, verfügt das Gratispaket zudem über das Datenbankprogramm Base, das vektorbasierte Zeichenprogramm Draw und einen Formeleditor. Eine Datenbanksoftware (Access) hat erst das Microsoft-Flaggschiff Office Professional für 649 Euro mit an Bord.

Gibt es überhaupt noch Gründe, sich für die Microsoft-Variante zu entscheiden? Tobias Weidemann vom Fachmagazin "PC Welt" gerät bei der Frage ins Zögern: "Ich will ja nicht sagen: Es gibt keinen Grund", sagt der Redakteur. Der Durchschnittsanwender jedoch werde zwischen dem Microsoft-Produkt und Open Office "keinen Unterschied bemerken". So könnten mit der offenen Software Dateien in den gängigen Microsoft-Formaten abgespeichert und gelesen werden. Auch Dateien, die mit Corel Word Perfect oder Lotus Notes erstellt wurden, lassen sich verarbeiten. Lediglich in Einzelfällen könne es bei Open Office noch zu Problemen kommen - etwa bei der Erstellung und Verwendung von Makros, also dem Automatisieren von oft verwendeten Befehlsfolgen.

Die Hürde der Kompatibilität ist demnach genommen, Kritik erntet die offene Lösung beim sogenannten Datei-Lock-Mechanismus. Wenn mehrere Nutzer in einem Netzwerk gleichzeitig auf eine Datei zugreifen, bekommt nur einer den vollen Zugriff. So soll erreicht werden, dass der zweite Nutzer keine Änderungen vornehmen kann, die beim Abspeichern verloren gehen könnten. Wie das Fachmagazin "Information Week" analysiert hat, funktioniert dieser Mechanismus unter Open Office zwar mit den eigenen Dateiformaten, im Umgang mit Fremdformaten sei die Funktion auch in der neuesten Version 3.0.1. immer noch fehlerhaft. Mittlerweile wurde laut Tobias Weidemann das Kollaborationstool "Teamdrive" für Open Office präsentiert, das "die Zusammenarbeit von verschiedenen Partnern" verbessern soll.

"80 bis 90 Prozent der Funktionen werden nicht genutzt"

Firmen, Bürogemeinschaften und Betriebe, denen diese oder andere Arten der Vernetzung wichtig sind, könnten abgeschreckt sein. Microsoft  präsentiert auf seiner Webseite einen mittelständischen Maschinenbauer, der von Open Office zum kommerziellen Office wechselte, weil "verwendete Businessapplikationen" lediglich Schnittstellen zum Microsoft-Produkt bereitstellten. Auf der anderen Seite ist die französische Gendarmerie Berichten zufolge vor Jahren auf das lizenzfreie Open Office umgestiegen.

Für den privaten Nutzer dürfte eine Office-Suite, egal ob offen programmiert oder verdeckt entwickelt, mit der Fülle an Funktionen in den meisten Fällen überdimensioniert sein. "80 bis 90 Prozent der Funktionen, die ein komplexes Office-Paket bietet, werden ohnehin nicht genutzt - sei es die Serienbrieffunktion oder die Datenbankanbindung", sagt Weidemann. Dies hat auch Microsoft erkannt, das mit der abgespeckten "Home and Student"-Version immerhin eine Bürosoftware für 139 Euro im Angebot hat. Dieser Variante steht mit Open Office jedoch ein Gratisprogramm entgegen, das laut Weidemann "deutlich mehr kann".

Da der Quellcode von Open Office offen liegt, bietet sich nach Ansicht des Redakteurs ein weiterer Vorteil: "Das führt dazu, dass es relativ schnell Erweiterungen für die Open-Source-Programme gibt." In erfreulicher Regelmäßigkeit fänden sich auf der Webseite sogenannte Extensions des Programmcodes, seien es Assistenten für Datenbankbefehle oder neue Rechtschreibungstests. "Bei Microsoft ist man darauf angewiesen, dass etwas entwickelt wird."

Seit dem Launch von OpenOffice.org in der dritten Generation im Oktober sind laut einem Blogbeitrag von Open-Office-Marketingchef John McCreesh mehr als 30 Millionen Downloads registriert worden. Insgesamt ist von mehreren Hundert Millionen Anwendern die Rede. Microsoft gibt keine genauen Zahlen heraus, beziffert die Zahl der Office-Anwender laut seinem Sprecher Frank Mihm-Gebauer auf rund 550 Millionen weltweit. Im Konkurrenzkampf mit Open Office will der Sprecher das Wort Bedrohung nicht nutzen und verweist auf die angeblichen Vorteile seiner Haussoftware beim professionellen Einsatz.

Stefan Robert Weißenborn, ddp

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