Sonntag, 21. Juli 2019

US-Studie Internet übertrifft Zeitung

US-Zeitungen rutschen in die roten Zahlen, werden eingestellt oder verkauft. 2009 könnte eines der schlimmsten für die Zeitungsverlage überhaupt werden, prognostizieren Wissenschaftler. Nicht nur die Anzeigenflaute macht den Verlagshäusern zu schaffen, sondern auch die Leser. Die wandern immer häufiger ins Internet ab.

Washington - Die Nachricht könnte kaum passender sein. Die von der Schließung bedrohte US-Tageszeitung "San Diego Union-Tribune" wird an eine Investmentgesellschaft verkauft. Die soll das einstige Flaggschiff des Verlagshauses Copley Press wieder in die schwarzen Zahlen führen.

nachrichten: US-Bürger schauen lieber ins Web und ins TV
Die Meldung scheint den Jahresbericht zur Lage der Medien in den USA zu bestätigen. Dessen Fazit: Die Lage für die Zeitungsverlage könnte kaum schlechter sein. Denn erstmals - so heißt es in dem Bericht - informierten sich mehr Amerikaner im Internet als in den gedruckten Blättern. Nachrichten seien den US-Bürgern zwar weiter wichtig und blieben begehrt, allerdings seien immer weniger Menschen bereit, dafür zu bezahlen. Dies sind zentrale Erkenntnisse aus dem US-Medien-Jahresbericht 2009 des angesehenen Washingtoner Pew-Forschungsinstituts (im Rahmen des "Project for Excellence in Journalism").

Zum sechsten Mal in Folge legten die Wissenschaftler den Jahresbericht zur Lage der US-Medien vor. Es sei der "düsterste bisher", so die Forscher. Auch Zeitschriften, Radio und die lokalen Fernsehsender mussten 2008 Einbußen hinnehmen. 2009 werde für die US-Zeitungsbranche angesichts der dramatischen Wirtschaftskrise zum vermutlich "schlimmsten Jahr" überhaupt, lautet schließlich die Prognose.

Aber es gibt nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner: Und zwar Internetanbieter und Nachrichtensender. Der Versuch von Verlagen, im Web die Verluste aufzufangen, die die Zeitungen seit Jahren wegen sinkender Auflagen und des Anzeigenrückgangs erleiden, hätten dagegen nicht gefruchtet. Das habe sich zu "einem verzweifelten Bemühen entwickelt", lautet es in der Studie. Die Verlage hätten noch kein Konzept gefunden, um die Zeitungskrise zu meistern, es dominiere das "Geschäftsmodell des vergangenen Jahrhunderts". Um mit Nachrichten Geld verdienen zu können, werde traditionelle Werbung künftig nur teilweise die Kosten für Qualitätsjournalismus decken können.

Allerdings sei es übertrieben, von einem Sterben des traditionellen Journalismus zu sprechen, vor dem angesichts der US-Zeitungskrise Kommentatoren und Medienexperten gewarnt hatten.

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Wegen der Rezession und der wachsenden Nutzung des Internets als Nachrichtenquelle bleibe den Verlagen jedoch "immer weniger Zeit, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln und die finanzielle Zukunft zu sichern", schreiben die Medienwissenschaftler. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Zahl der Amerikaner, die sich im Web auf den 50 wichtigsten Nachrichtenseiten informierten, um 24 Prozent. 2007 lag der Anstieg lediglich bei 8 Prozent. Allerdings seien 2008 die Erlöse im Web kaum gestiegen.

Die Auflage der US-Zeitungen sank 2008 erneut um etwa 4,6 Prozent auf eine tägliche Gesamtauflage von rund 48 Millionen. Die Zeitungswirtschaft habe 2008 etwa 38 Milliarden Dollar (28,2 Milliarden Euro) umgesetzt, wobei die Verlage noch immer meist gute Profite erwirtschaftet hätten, so die Studie. Die Gewinne der Zeitungshäuser seien aber um 14 Prozent niedriger als 2007 und 23 Prozent geringer als ein Jahr zuvor.

Bis Ende 2009 wird der Prognose des unabhängigen Instituts zufolge im Vergleich zu 2001 jeder vierte Arbeitsplatz in den Zeitungsredaktionen verloren gegangen sein. Allein 2008 sank die Zahl der journalistischen Arbeitsplätze um etwa 5000, das sind etwa 10 Prozent. Einen Boom im Nachrichtengeschäft erlebten lediglich die Nachrichtensender wie CNN, MSNBC und Fox News. Die Zuschauerzahl stieg im spektakulären Wahljahr 2008 um 38 Prozent, auch die Gewinne legten um 33 Prozent zu.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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