Milliardendeal IBM liebäugelt mit Sun - Aktie hebt ab

IBM will offenbar die aktuelle Krise nutzen und expandieren. Nach einem Medienbericht erwägt der Computerkonzern, den Konkurrenten Sun Microsystems zu schlucken. Der Kaufpreis soll bei 6,5 Milliarden Dollar liegen. Die Aktie von Sun legt bis zum Nachmittag um rund 60 Prozent zu.

New York - An der Börse kommt die Nachricht gut an: Das "Wall Street Journal" berichtete in seiner Onlineausgabe, dass der Computerkonzern IBM  den Konkurrenten Sun Microsystems schlucken möchte. Die Papiere von Sun legten am Nachmittag an der Wall Street zeitweise um 60 Prozent zu. Die Übernahme könne noch diese Woche verkündet werden, zitierte das Blatt mit der Situation vertraute Personen.

Der Kaufpreis wird auf mindestens 6,5 Milliarden Dollar veranschlagt, was rund das Doppelte des derzeitigen Börsenwerts wäre. Allerdings, so schränkten die Personen ein, könne das Geschäft auch noch in letzter Minute platzen. Die Unternehmen kommentierten die Informationen gegenüber der Zeitung nicht.

Beide Konzerne stellen Großrechner und die passende Software her, beide sind beim offenen Betriebssystem Linux engagiert und beide sind wenig abhängig vom Prozessorenprimus Intel . IBM hat allerdings durch sein starkes Dienstleistungsgeschäft die Wirtschaftsflaute wesentlich besser wegstecken können als Sun. IBM bietet unter anderem Technologieberatung und die Auslagerung von IT an. Diese Services versprechen hohe Profite, weshalb IBM in diesem Jahr trotz Rezession mit einem neuerlichen Rekordergebnis rechnet.

Sun baut Personal ab

Auch Sun entwickelt sich in Richtung Dienstleister, ist momentan aber noch von seiner Hardware abhängig. Das hat in der Vergangenheit immer wieder zu roten Zahlen geführt, ist der Markt doch heiß umkämpft und darüber hinaus anfällig für konjunkturelle Schwankungen.

Alleine im vergangenen Jahr fiel ein Verlust von 209 Millionen Dollar an. Sun streicht deshalb jeden fünften seiner weltweit 33.000 Arbeitsplätze. Bei IBM arbeiten mehr als 400.000 Menschen.

Neben Sun und IBM zählen Hewlett-Packard  und Dell  zu den größten Server-Herstellern der Welt. Zum Einsatz kommen die Hochleistungsrechner in Computernetzen großer Unternehmen - etwa in der momentan stark gebeutelten Finanzbranche oder im vergleichsweise stabilen Telekommunikationssektor. Über Server läuft auch der Datenverkehr im Internet. Durch den Sun-Kauf würde IBM seine Stellung in all diesen Bereichen ausbauen, schreibt das "Wall Street Journal".

Der Markt ist jedoch inzwischen noch ein Stück enger geworden. Der Netzwerkausrüster Cisco Systems  hatte seinen Einstieg ins Großrechnergeschäft bekannt gegeben und will die Konkurrenz mit einem Rundumangebot aus einer Hand angreifen. Cisco hat sich dafür unter anderem mit Intel und dem Windows-Hersteller Microsoft verbündet. Analysten werteten diese Allianz als direkten Angriff auf IBM und Hewlet-Packard.

manager-magazin.de mit Material von dpa