Hoffnung Inspur könnte Qimonda retten

Die chinesische Staatsfirma Inspur könnte den insolventen Chiphersteller Qimonda vor dem endgültigen Aus bewahren. Voraussetzung: Neben Portugal soll auch das Land Sachsen die Taschen öffnen. Die Zeit für die Rettung drängt, am 1. April könnte schon die Liquidierung von Qimonda beschlossen werden.

München - Das chinesische Server- und Softwareunternehmen Inspur hat das Interesse an dem insolventen Speicherchiphersteller Qimonda bestätigt. "Ich kann nur sagen, dass beide Seiten die Absicht haben, zu kooperieren", sagte ein Mitarbeiter im Pressebüro des Unternehmens in Jinan (Provinz Shandong) am Montag telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking.

Die Verhandlungen liefen. Einzelheiten der geplanten Zusammenarbeit seien allerdings noch "ein Geheimnis". "Es ist eine gute Chance für uns, größer und stärker zu werden", sagte der Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Auch die "Financial Times Deutschland" berichtete in ihrer Montagausgabe von einem Rettungsangebot der Chinesen. Knackpunkt sei allerdings eine staatliche Beteiligung, die Inspur als Bedingung für einen Einstieg verlange, hieß es von den Insidern. Während Portugal bereit sei, 14 Prozent an einer gesellschaftsrechtlich neu formierten Qimonda  zu übernehmen, zeige sich vor allem Sachsen weiter reserviert. Die EU hatte signalisiert, im Falle eines Investoreneinstiegs rasch über Hilfen zu entscheiden.

Eine weitere mögliche Variante sei, dass sich neben den Chinesen ein oder mehrere weitere asiatische Investoren an Qimonda beteiligen, hieß es. Die bisherige Konzernmutter Infineon  spiele bei den Überlegungen aufgrund eigener klammer Kassen keine Rolle mehr. Allerdings verhandele Insolvenzverwalter Michael Jaffé auch noch mit weiteren Interessenten.

Die Akteure müssen sich allerdings bis Ende März festlegen, da sonst der Insolvenzrichter am 1. April voraussichtlich die Liquidierung des einzigen europäischen Speicherchipherstellers einleiten wird. Die Gläubiger von Qimonda hatten sich am Freitag dazu entschlossen, das Dresdner Hauptwerk des Unternehmens herunterzufahren und für die meisten der inländischen Beschäftigten eine Transfergesellschaft aufzustellen. Mit einer Rumpfmannschaft soll die hauseigene Produktionstechnik namens "Buried Wordline" erhalten werden. Im Fall einer Rettung kann der sächsische Standort die Produktion sofort wieder aufnehmen.

Qimonda hatte nach dem Platzen eines staatlichen Rettungspaket Ende Januar Insolvenz beantragt. Das Unternehmen leidet seit längerem unter dem starken Preisverfall für DRAM-Chips, die als Arbeitsspeicher vor allem in Computern und Unterhaltungselektronik eingesetzt werden. Derzeit beschäftigt Qimonda weltweit knapp 12.000 Mitarbeiter, davon 4600 in Deutschland. Im Inland haben aber bereits gut 1500 Menschen im Zuge einer bereits eingeleiteten Stellenstreichung ihre Kündigung erhalten.

manager-magazin.de mit Material von reuters