Hansenet Telecom Italia will verkaufen

Der italienische Telekommunikationskonzern Telecom Italia will seine deutsche Tochter Hansenet veräußern. Als möglicher Käufer gilt der spanische Anbieter Telefonica, der in Deutschland mit seiner Tochter O2 am Markt vertreten ist. Angeblich soll Telefonica auch an United Internet interessiert sein.

Hamburg - Die Telecom Italia  bestätigte heute erstmals die geplante Trennung von ihrer Tochter Hansenet: "Der Verkaufsprozess von Hansenet hat gerade erst begonnen; in dieser ersten Phase hält Telecom Italia Treffen mit mehreren Interessenten ab", sagte ein Konzernsprecher der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). An Hansenet könnte Kreisen zufolge der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica  Interesse haben.

Vorher hatten die Aktien von United Internet  am Freitag mit einem Kurssprung von zeitweise rund 19 Prozent auf einen Bericht über ein Kaufinteresse von Telefonica reagiert. Die "FAZ" schrieb unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, Telefonica interessiere sich sowohl für das Unternehmen aus Montabaur als auch für Hansenet.

Telefonica und United Internet (UI)wollten sich nicht äußern. In Branchenkreisen hieß es, es habe noch keine Gespräche zwischen Telefonica und United Internet gegeben, jedoch zwischen Telefonica und Hansenet, wobei man sich noch nicht auf einen Preis habe einigen können.

UI steht bislang nicht zum Verkauf. Größter Aktionär von UI ist Vorstandschef Ralph Dommermuth mit gut 36 Prozent. Das Unternehmen selbst hält knapp 9 Prozent, ebenso wie die Karlsruher Beteiligungsgesellschaft Kizoo, die aus dem früheren Internetunternehmen Combots hervorgegangen ist. Combots ist an United Internet beteiligt, seit das Unternehmen sein Portal Web.de, das der Firma früher den Namen gab, 2005 an United Internet verkauft hatte.

Telefonica hat in Deutschland eines der größten Wettbewerbsnetze zur Deutschen Telekom aufgebaut, bietet aber bislang nicht direkt Anschlüsse an Endkunden an. Telefonica stellt Konkurrenten wie Hansenet, Freenet  und United Internet sein Netz zur Verfügung. Diese bieten dann die DSL-Anschlüsse unter ihrem eigenen Namen an. Auch die deutsche Konzerntochter O2 vermarktet DSL-Anschlüsse über das Telefonica-Netz.

In der Branche galt ein Verkauf von Hansenet schon länger als ausgemacht. Als Interessenten wurden bisher Telefonica oder Versatel gehandelt. UI-Chef Dommermuth hatte gesagt, sollte Hansenet zum Verkauf stehen, würde man sich das ansehen. Hansenet sei interessanter als das DSL-Geschäft von Freenet. Letzteres steht schon seit Monaten zum Verkauf. Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen hatte vor einigen Tagen zu dem Thema gesagt: "Hansenet ist interessant, weil das Unternehmen größer ist. Aber es gibt zurzeit keine konkreten Gespräche."

Der DSL-Markt ist in Deutschland hart umkämpft. Das Akquirieren von Kunden kostet viel Geld, weshalb sich ein Zukauf rentieren kann. Zugleich sind aber wegen des Preiswettbewerbs die monatlichen Erlöse pro Kunde stark gesunken, was sich auch in den Preisvorstellungen möglicher Käufer niederschlägt.

manager-magazin.de mit Material von reuters