Halbleiter "Stärkster Einbruch in der Geschichte"

Die Wirtschaftskrise trifft den deutschen Halbleitermarkt mit voller Wucht. Vor allem die Automobil-Elektronik, das mittlerweile wichtigste Segment der Branche in Deutschland, leidet unter der Absatzkrise in der Autoindustrie. Der Branchenverband ZVEI hofft dennoch auf eine Trendwende noch in diesem Jahr.

München - In diesem Jahr werde der Umsatz voraussichtlich um 23 Prozent auf etwas über sieben Milliarden Euro schrumpfen, sagte Ulrich Schaefer vom Branchenverband ZVEI am Donnerstag in München. "Wir registrieren den stärksten Einbruch in der bisherigen Geschichte des Halbleitermarktes."

Bereits ab August dieses Jahres hofft Schaefer aber wieder auf eine Trendwende. Diese wäre auch ein wichtiges Signal für das diesjährige Weihnachtsgeschäft, sagte der Experte. In den Jahren 2014/15 könne die Branche dann voraussichtlich wieder an frühere Wachstumsraten anknüpfen.

Zugleich sieht Schaefer aber eine weitere Marktbereinigung mit Zusammenschlüssen von Unternehmen. Im Januar hatte der Speicherchip-Hersteller Qimonda  Insolvenz angemeldet. Die Infineon-Tochter leidet unter anderem unter dem Preisverfall bei Speicherchips.

Aber auch Infineon  selbst kämpft mit massiven Problemen. Erst am Mittwoch gab der Konzern bekannt, dass die Kurzarbeit wegen drastischer Nachfrage-Einbrüche unter anderem aus der Automobil- und der Handy-Industrie auf alle deutschen Standorte ausgeweitet wird.

Umsätze dürften weltweit um 18 Prozent nachgeben

Bereits im vergangenen Jahr seien die Erlöse im deutschen Halbleitermarkt um 13,1 Prozent auf knapp 9,3 Milliarden Euro zurückgegangen, sagte Schaefer. Grund dafür sei neben der Dollar-Schwäche im Vergleich zum Euro auch der Nachfrageeinbruch durch die Wirtschaftskrise gewesen.

Weltweit verringerten sich die Erlöse im vergangenen Jahr dagegen lediglich um 2,7 Prozent auf knapp 250 Milliarden Dollar. Deutlich steiler wird es aber nach Einschätzung des ZVEI in diesem Jahr abwärtsgehen: Die weltweiten Umsätze dürften sich um 18 Prozent auf gut 200 Milliarden Dollar verringern, erwartet der Verband.

Einzig für das Produktsegment der sogenannten Opto-Halbleiter sieht der ZVEI dabei ein Umsatzwachstum. Die übrigen Segmente, darunter vor allem die integrierten Schaltkreise als größter Bereich, dürften dagegen Umsätze einbüßen. Noch düsterer als beim ZVEI fallen die Prognosen des Marktforschungsunternehmens Gartner für die Branche aus: Erst kürzlich hatte Gartner einen Rückgang der weltweiten Halbleiter-Umsätze um gut 24 Prozent in diesem Jahr prognostiziert.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.