Axel Springer "Antizyklische Investitionen"

Der Medienkonzern Axel Springer will den Rückgang bei Anzeigen und Auflage der Printtitel mit dem Wachstum im Internet ausgleichen. Spätestens in zehn Jahren sollen mindestens die Hälfte von Umsatz und Gewinn aus dem digitalen Geschäft kommen, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner auf der Bilanzpressekonferenz.

Berlin - Heute schöpfe der Konzern ("Bild", "Die Welt") 14 Prozent des Umsatzes aus seinen Internetangeboten, sagte Döpfner auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch weiter. Im vergangenen Jahr hatte Axel Springer  einen Rekordgewinnerzielt.

In den kommenden Monaten wolle Europas größtes Zeitungshaus verstärkt Zukäufe auf dem Mediensektor prüfen. Bei niedriger Verschuldung, hoher Liquidität und einer Kreditlinie von 1,5 Milliarden Euro sei der Konzern angesichts der Weltwirtschaftskrise für "antizyklische Investitionen" bestens gewappnet.

Axel Springer habe früh die Chancen des Online-Geschäfts erkannt und wie bei "Bild"-Zeitung" und Bild.de oder der "Welt"-Gruppe auf die Verbindung von Print-Titeln und Online-Angeboten gesetzt. Das Medienhaus sei weniger abhängig vom Werbemarkt als viele Konkurrenten, die zwischen 54 und 80 Prozent ihrer Gesamterlöse mit Anzeigen erwirtschafteten. Bei Axel Springer seien es 46 Prozent, sagte Döpfner.

Die Rubrikenanzeigen etwa für Immobilien oder Autos seien mit nur 8 Prozent am Gesamterlös beteiligt. Mit Internetportalen wie Immonet oder der Jobbörse Stepstone könne der Verlag die Verluste bei der Abwanderung von Anzeigen ins Netz auffangen.

Zwar bleibe das journalistische Produkt wichtigste Aufgabe des Medienhauses. Es sei aber notwendig, auch im Netz die Verbreitung von Inhalten urheberrechtlich zu schützen. "Es kann nicht sein, dass die Verlage die Inhalte liefern und andere das Geschäft damit machen", sagte Döpfner. Er forderte Medienverbände und Politik auf, sich über neue Urheberrechtsregeln im Netz zu verständigen.

Von 2006 bis 2008 habe Axel Springer in 58 digitale Projekte investiert. Trotz der Finanzkrise plane das Haus Investitionen im dreistelligen Millionenbereich in Print und Online. Dabei wolle der Konzern attraktive Beteiligungen zu günstigen Bewertungen erwerben und so die Entwicklung zu Europas führendem Multimediaunternehmen beschleunigen.

Wie bereits Ende Februar bekanntgegeben war der Überschuss 2008 auf 571,1 Millionen Euro und damit auf den höchsten Wert in der Firmengeschichte gestiegen. Der Umsatz legte um 5,8 Prozent auf 2,73 Milliarden Euro zu. Eine Prognose für 2009 gab der Medienkonzern nicht ab. Die Aktionäre sollen mit 4,40 Euro je Aktie 0,40 Euro mehr und damit eine Rekorddividende erhalten. Im Jahr zuvor war noch ein Verlust von 288,4 Millionen Euro ausgewiesen worden, weil die Posttochter PIN abgeschrieben worden war.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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