T-Systems "Wir sind und werden kein Discounter"

Die Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom sieht sich für Übernahmen nicht zuletzt finanziell gut gerüstet. Trotz dieser Zukaufspläne muss auch bei T-Systems weiter gespart werden.

Hannover - "Wir schauen uns den Markt genau an", sagte Ferri Abolhassan, Leiter des Geschäftsbereichs Systems Integration bei T-Systems in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters auf der Branchenmesse Cebit. "Es wird eine Konsolidierung geben. Daraus könnten sich Möglichkeiten für uns ergeben."

T-Systems stehe aber nicht unter Druck. "Es muss Sinn machen, an den finanziellen Mitteln wird es nicht scheitern", erläuterte der Manager. T-Systems wolle zudem die Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Cognizant ausbauen, um die Kosten weiter zu senken. Dem unter der Wirtschaftskrise leidenden Projektgeschäft wolle er mit einem neuen Modell auf die Sprünge helfen, das Kunden animieren soll, Infrastruktur und IT-Anwendungen nicht nur auszulagern, sondern auch zu optimieren. "Wir sind gut im Saft, aber wir müssen weiter aktiv um Kunden und Marktanteile kämpfen. Wir setzen auf dieses neue Modell, damit uns die Krise nicht genauso trifft wie andere", sagte Abolhassan.

T-Systems kämpft seit Jahren mit schrumpfenden Umsätzen und niedrigen Renditen. Doch im laufenden Jahr strebt Spartenchef Reinhard Clemens ein Wachstum "mit dem Markt" an, das Experten bei rund 3 Prozent erwarten. Die Ebit-Marge soll von unter einem Prozent 2008 bis 2011 das "gute Mittelfeld" der Wettbewerber - wie Atos und IBM - von 5 bis 10 Prozent erreichen.

T-Systems verzichtet auf den Teil des Hardware-Geschäfts mit zu niedrigen Renditen und unprofitablen Verträgen und lässt Standardleistungen in Niedriglohnländern erbringen. Dazu schloss T-Systems vor einem Jahr in der Systemintegration eine Partnerschaft mit Cognizant, das die meisten Mitarbeiter in Indien und China beschäftigt.

T-Systems müsse bei den Preisen wettbewerbsfähiger werden, sagte Abolhassan. "In der Krise bekommen wir Druck auf den Kessel. Wir sind und werden kein Discounter, aber wir müssen die Preise schneller anpassen können." Der Fremdfertigungsanteil werde erhöht. "Wir müssen verstärkt darauf setzen, selbst wirklich nur den Teil zu machen, den wir am Markt nicht als Standardleistung dazu kaufen können." Dabei ist T-Systems nicht auf Indien beschränkt, das "schon lange nicht mehr das Niedriglohnland von einst" sei. "Heute gibt es bereits gute Möglichkeiten in Ländern wie Russland, Vietnam oder Malaysia, aber auch Ostdeutschland ist im Kommen", sagte Abolhassan.

Dem Projektgeschäft soll ein neues Modell helfen. "Heute ist bei den Kunden mehr denn je ein extrem großer Druck da, die Kosten weiter zu senken. Das klassische Outsourcing boomt daher und das ist genau der Punkt, wo wir unsere Leistungen aus der Systemintegration einbringen werden", sagte Abolhassan. "Wir betreiben nicht nur die Anwendungen und die Infrastruktur für den Kunden, sondern wir nehmen zugleich einen Teil der eingesparten Kosten, um mit dem Geld die IT-Systeme und Anwendungen des Kunden zu reduzieren und die Prozesse zu modernisieren", erläuterte der Manger. "Das senkt seine Lizenz- und Wartungskosten und er braucht weniger Mitarbeiter."

von Nicola Leske und Nikola Rotscheroth, reuters

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