Beamer Licht aus, LED an

Der Einsatz von Leuchtdioden macht Beamer kleiner und energiesparender. Auf der Cebit wurden erste LED-Projektoren vorgestellt. Fazit: Die neue Beamer-Generation ist zwar praktisch, in Sachen Qualität müssen die Nutzer aber noch erhebliche Abstriche machen.

Hannover - Beamer sind teuer, aber reizvoll: Sie bringen die eigenen Fotos oder den DVD-Film im Heimkino als Projektion an die Wand. Auf der Cebit konnte man die ersten Geräte einer neuen Beamer-Generation sehen. Sie sind weitaus preiswerter und finden Platz in der Tasche: LED-Beamer erhalten ihr Licht nicht von Gasentladungslampen, sondern von kleinen Leuchtdioden.

"Das ist der Start in eine neue Gerätekategorie", schwärmt Nicola Kippels vom taiwanischen Hersteller Aiptek. Das Pocket Cinema V10 ist ein Winzling von 150 Gramm mit einem Tischstativ. Das Gerät zum Preis von 349 Euro hat einen integrierten Datenspeicher mit Platz für ein Gigabyte (GB). Dieser nimmt die Powerpoint-Präsentation oder beliebige andere Inhalte auf und wirft sie an die Wand - ohne irgendein Notebook oder anderes Gerät. Zusätzlicher Speicher kann mit einer SD-Karte bis acht GB eingesteckt werden.

Das Ergebnis erfüllt allerdings noch keine höheren Ansprüche. Die LED-Leuchte hat einen Helligkeitswert von zehn Lumen - gängige Beamer transportieren ihre Inhalte mit einer Leuchtkraft von mindestens 2000 Lumen. Der Raum für die Pocket-Cinema-Projektion sollte also gut abgedunkelt sein.

Aiptek gibt an, dass die projizierte Fläche bei einer Entfernung von 1,80 Metern 50 Zentimeter in der Diagonalen misst - bei VGA-Qualität von 640 mal 480 Bildpunkten. Aber je größer das Bild auf der Leinwand wird, desto unschärfer wirkt es. Ohne Netzteil reicht der Akku nach Herstellerangaben für eine Präsentation von 45 Minuten.

Als Zielgruppe stellt sich der Hersteller sowohl Geschäftsleute als auch private Nutzer vor. So akzeptieren die Anschlüsse für VGA und Video (AV) alle entsprechend ausgestatteten Geräte - vom Notebook über die Digitalkamera bis zur Spielkonsole oder dem iPhone. Auch Ton wird mitgeliefert, dafür gibt es einen kleinen Stereolautsprecher. In der Ausführung V10 Plus dient das Gerät auch als Videorekorder, die Fernsehbilder werden in MPEG-Format auf die SD-Karte gespeichert.

Die Pocket Camera kann und will zwar kein Ersatz zum Beamer sein. Aber am Cebit-Stand von Aiptek gibt es hinter verschlossenen Türen bereits den Prototyp für einen Nachfolger, der rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft erscheinen soll. "Wir haben große Pläne für die Weiterentwicklung", sagt Firmensprecherin Kippels. "Das geht in Richtung Multifunktionalität und Lichtstärke."

Geringe Wärmeentwicklung

Geringe Wärmeentwicklung

Einen etwas anderen Weg hat Acer  eingeschlagen. Der Pico-Projektor K10 bringt es immerhin auf 100 Lumen und eine Auflösung von 800 mal 600 Bildpunkten. Das Bild an der Wand ist 1,50 Meter groß, bei einem Geräteabstand von einem Meter. Der K10 kommt der Vorstellung vom Beamer schon näher, allerdings gibt es auch hier erst im abgedunkelten Raum eine zufriedenstellende Kontrasttiefe.

Der Acer-Projektor wiegt 550 Gramm, allerdings kommt noch das Netzteil hinzu - und das Notebook, weil es keinen integrierten Datenspeicher gibt. Gedacht ist er für mobile Präsentationen aller Art - oder auch zum Einbau in ein Präsentationsmodul für den kommerziellen Einsatz. Hier kommt der Vorteil der LED-Projektoren zum Tragen, dass die Wärmeentwicklung weitaus geringer ist als beim herkömmlichen Beamer. Der unverbindliche Richtpreis des K10 liegt bei 599 Euro, im Onlinehandel kostet er zurzeit etwa 400 Euro.

Der wohl größte Vorteil der LED-Projektoren ist die lange Lebensdauer der Lampen. Für bisherige Beamer wird üblicherweise eine Betriebszeit von 4000 Stunden angegeben, und die Ersatzlampe kostet meist zwischen 200 und 600 Euro.

Bei der Frage nach den Kosten einer Ersatzleuchte für den K10 heißt es am Acer-Stand: "Das lohnt sich nicht." Bei einer vom Hersteller garantierten Nutzungsdauer von 20.000 Stunden ist zu erwarten, dass es bis zum Erlöschen bereits ganz andere und leistungsfähigere Geräte geben wird; ein Austausch der LED-Leuchte ist auch gar nicht vorgesehen.

Noch am Anfang der Entwicklung

Neben der Lichtquelle gibt es beim Beamer auch Unterschiede im technischen Konzept, wie das Licht auf dem Weg zur Wand verarbeitet wird. Der K10 und die meisten anderen Geräte verwenden eine als "Digital Light Processing" (DLP) bezeichnete Technik. Dabei wird das Licht von Leuchtdioden in den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau auf einen Chip geleitet, der für jeden Bildpunkt der zu projizierenden Quelle einen winzigen Spiegel hat. Dieser leitet die Signale entweder weiter oder zur Seite. Um die verschiedenen Farbtöne zu erreichen, wird ein sich drehendes Farbrad eingesetzt.

Das Pocket Cinema von Aiptek nutzt hingegen die Technik LCoS (Liquid Crystal on Silicon) und arbeitet mit einer weißen Leuchtdiode. Die Farben werden ähnlich wie beim LCD-Monitor mit Farbfiltern erzeugt.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass die LED-Beamer - auf dem Markt gibt es auch erste Angebote von Dell , LG, Samsung  und anderen Herstellern - noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Die Projektionsqualität der aktuellen Geräte ist noch nicht überzeugend. In ein bis zwei Jahren könnte das aber bereits ganz anders aussehen, wenn die weitere Entwicklung Goethes vermeintlich letzte Worte beherzigt: "Mehr Licht!"

Peter Zschunke, ap

LED-Beamer: Projektoren im Miniformat

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