Cebit-Splitter Von schlanken Displays und kleinen Chips

LG präsentiert energiesparende Bildschirme mit LED-Licht, bei Vodafone startet eine Suchmaschine, die zu Fotos passende Informationen sucht, Fujitsu Siemens zeigt, wie man sich vor Dieben schützen kann und Musicload schafft den Kopierschutz ab. Ein Überblick über den ersten Messetag.

Hannover - Die weltgrößte Computermesse Cebit ist am Dienstag mit einem Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel und des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger gestartet. Schon am Vorabend hatten die beiden mit ihren optimistischen Reden der Branche Mut machen wollen. "Wir sind in einer Zeit voller Herausforderungen zusammengekommen", sagte Schwarzenegger. Aber gerade das sei die beste Zeit, um neue Ideen zu entwickeln und Chancen zu nutzen.

Und was gibt es Neues? Zum Messestart haben bereits eine ganze Reihe Unternehmen ihre Produktneuheiten vorgestellt:

LCD-Monitorserie mit LED-Backlight

LG zeigt eine neue Monitorserie mit LED-Backlight. Die neuen Modelle W2286L und W2486L kommen dank der neuen Beleuchtungstechnologie mit einer Bautiefe von nur 19 Millimetern aus. Sie verbrauchen nach Angaben des Herstellers deutlich weniger Strom als herkömmliche LCDs. Die Preise betragen 299 Euro für den W2286L (22 Zoll) und 379 Euro für den W2486L (24 Zoll).

Info-Abfrage per Foto

Vodafone  präsentiert auf der Cebit eine bildbasierte Suchmaschine für Handys: Eine Aufnahme mit der Kamera des Mobiltelefons wird per MMS an eine Datenbank geschickt. Sie liefert zur Aufnahme passende Informationen. Handelt es sich dabei zum Beispiel um das Foto eines Filmplakates, spuckt die Suchmaschine entsprechende Hinweise zum Film aus. Eine Betaversion der Software ist derzeit für die Blackberry-Modelle Storm und Bold kostenlos unter www.otello.com erhältlich.

Diebstahlschutz für Notebooks

Fujitsu Siemens präsentiert unterdessen eine Technologie, die Daten auf einem gestohlenen Notebook für Unbefugte unzugänglich machen soll. Eingesetzt wird der Diebstahlschutz nach Angaben des Herstellers auf dem von April an erhältlichen Lifebook T5010. Zum einen ermögliche die sogenannte Anti-Theft-Lösung das Nachverfolgen gestohlener Hardware. Darüber hinaus können Daten via Fernbedienung auf einen zentralen Server überspielt und falls notwendig auch von der Festplatte des Notebooks gelöscht werden.

Intel wird immer kleiner

Der US-Chiphersteller Intel  treibt die Verkleinerung von Computerchips weiter voran. Ende des Jahres sollen die ersten Prozessoren mit der 32-Nanometer-Technologie gefertigt werden. "Wir arbeiten aber bereits an der 22-Nanometer-Technologie", sagte Intels-Europachef Christian Morales auf der Cebit. Intels Plänen zufolge sollen diese Chips in zwei Jahren Marktreife erlangen. Bereits 2013 soll den Plänen zufolge die 16-Nanometer-Technologie folgen.

Die ersten in dem 32-Nanometer-Prozess gefertigten Chips tragen den Codenamen "Westmere" und sind für Desktop-PCs und mobile Computer bestimmt. Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter. Zum Vergleich: Das menschliche Haar ist etwa 70 000 Nanometer dick. Die neuen Mikroprozessoren sind aber nicht nur kleiner, sondern auch leistungsstärker und zugleich energieeffizienter. Durch die Miniaturisierung ist es möglich, immer mehr Transistoren auf dem Chip unterzubringen. Test-Chips mit einer Strukturbreite von 32 Nanometer bieten auf einem Stück Silizium 1,9 Milliarden Transistoren Platz.

Aus dem Netz auf den Fernseher: AVM zeigt Fritz! Media 8260

Einem ganz anderen Thema widmet sich AVM. Das Unternehmen präsentiert ein Gerät, das Inhalte aus dem Internet auf den Fernseher überträgt. Die sogenannte Fritz! Media 8260 fungiert als Brücke zwischen dem DSL-Anschluss und dem TV-Gerät. Anwender sollen damit etwa Spielfilme in HD-Qualität aus Online-Videotheken auf dem Fernseher anschauen können, teilte der Hersteller mit.

AVM setzt bei dem Gerät nach eigenen Angaben auf den offenen DVB-iptv-Standard und nutzt den Codec H.264. Die auf W-Lan nach dem n-Standard ausgelegte und mit einem HDMI-Ausgang ausgestattete Fritz! Media 8260 ermögliche es zudem, über einen integrierten Browser auf herkömmliche Websites zuzugreifen. Das Gerät soll im Sommer in den Handel kommen. Einen Preis nannte der Hersteller noch nicht.

Musicload und Vodafone heben Kopierschutz auf

Apple  gibt vor, die anderen folgen. Die Deutsche Telekom  verkündete auf der Cebit nun offiziell, dass ab sofort sämtliche Musiktitel auf ihrem Downloadportal Musicload ohne Kopierschutz angeboten werden. Ursprünglich war bei Musicload die Aufhebung des Kopierschutzes für Musiktitel und Hörbücher im MP3-Format für April geplant. Marktführer Apple hatte bereits im Januar einen Großteil der Lieder in seinem Online-Shop iTunes vom Kopierschutz befreit.

Auch Vodafone  will dem Trend folgen. Vom Frühjahr an sollen zunächst Titel des Labels EMI  sowie der im Vodafone Music Shop vertretenen Independent Label ohne Digitales Rechte-Management (DRM) angeboten werden. Diese Titel können dann vom Nutzer unbegrenzt kopiert und auf verschiedenen Playern abgespielt werden. Auch mit anderen Plattenfirmen wie Universal, Sony und Warner liefen zu diesem Thema bereits Gespräche.

Angst klickt mit

Katastrophale Sicherheitslage

Computernutzer sind drastisch steigenden Gefahren durch Angriffe aus dem Internet ausgesetzt. "Die Lage ist ernst, sie ist noch katastrophaler als wir befürchtet hatten", sagte der Abteilungsleiter im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Hartmut Isselhorst, am Montag in Hannover. "Wir werden alle angegriffen. Sobald wir ins Internet gehen, werden wir zum Ziel von Angriffen", warnte Isselhorst.

Der Erfolg dieser Angriffe hänge von den Schutzvorkehrungen der jeweiligen Internetnutzer, Behörden und Unternehmen ab. Dieser Schutz werde allerdings immer schwieriger, denn die Kriminellen seien inzwischen "hochprofessionell". So entwickelten sie inzwischen etwa Schadprogramme, die über eine Updatefunktion ständig weiterentwickelt würden.

Der auf der Cebit vorgestellte BSI-Lagebericht zur IT-Sicherheit zeigt aber auch, dass Nutzer sensibler mit den Gefahren umgehen. So würden häufiger Sicherheitstechniken wie Virenscanner und Firewalls angewandt, und Nutzer aktualisierten häufiger ihre Betriebssysteme. Zugleich fehle diese Sensibilität aber beim Umgang mit den eigenen Daten im Internet: Gerade in sozialen Netzwerken offenbarten viele detaillierte private Informationen, erklärte das BSI.

Vorsichtige Nutzer zögern mit Onlinekauf

Dass Vorsicht aber gerechtfertigt ist, zeigen auch einige Ergebnisse einer Studie, für die der Branchenverband Bitkom 1000 Nutzer befragen ließ: Während im vergangenen Jahr erst 7 Prozent der Befragten angegeben hatten, schon einmal geschädigt worden zu sein, hat sich die Zahl in diesem Jahr auf 29 Prozent vervierfacht. Die meisten wurden Opfer von Viren, immerhin 4 Prozent wurden aber auch schon beim Online-Einkauf oder bei -Auktionen betrogen.

"Erfreulich niedrig ist die Zahl der Opfer beim Online-Banking", sagte das zuständige Bitkom-Präsidiumsmitglied Dieter Kempf. Die Zahl liege bei 0,6 Prozent - allerdings verzichten laut der Studie auch 16 Millionen Nutzer aus Sorge um ihre Daten gänzlich aufs Online-Banking.

Die Studie zeigt auch, dass Internetnutzer in Deutschland immer noch bei Geschäften im Netz zögern. Jeder sechste verzichte sogar ganz auf Online-Transaktionen. Das seien rund acht Millionen Menschen, berichtete der Branchenverband. Am ehesten buchen die Nutzer demnach noch Reisen oder Tickets im Internet, schon wesentlich zurückhaltender werden sie beim Einkauf, dem Online-Banking oder gar dem Versand wichtiger Dokumente per Mail. Immerhin jeder fünfte habe aber auch gar keine Bedenken, im Internet Geschäfte zu tätigen.

Videos in HD-Qualität

Der Internetprovider 1&1 bietet Filme seiner Online-Videothek Maxdome jetzt auch zum Herunterladen an und will ausgewählte Titel künftig in HD-Auflösung vertreiben. Bisher mussten die Filme als Stream direkt nach dem Abruf angesehen werden. Ab Ende März können Nutzer zunächst 4000 der 18 000 verfügbaren Filme auch auf der Festplatte zwischenspeichern und unterwegs zum Beispiel auf dem Notebook anschauen, teilte das Unternehmen mit.

Dazu müssen Kunden einen speziellen Download-Manager installieren. Nach dem Herunterladen haben Kunden 30 Tage Zeit, um den Film anzuschauen - nach dem ersten Aufruf kann er aber nur 24 Stunden lang abgespielt werden. Im zweiten Quartal sollen Kunden zudem auch Filme in HD-Qualität auf der Video-Plattform finden.

1&1 teilte ebenfalls mit, dass das Unternehmen mit der Deutschen Telekom  über die Zugänge zum VDSL-Netz verhandele. "Wir haben das seit langem gefordert", sagte Vorstandssprecher Robert Hoffmann "Wenn wir uns mit der Telekom einigen, erwarten wir, dass wir im Frühsommer mit entsprechenden Produkten auf den Markt kommen." Den genannten Preis von um die 30 Euro pro Anschluss im Monat bezeichnete Hoffmann aber als deutlich zu hoch, "weil er nicht dem entspricht, was die Anschlüsse hinterher kosten werden". Die Preise für die VDSL- Anschlüsse für die Telekomwettbewerber müssten sich vielmehr an den Endkundenpreisen orientieren und den Konkurrenten auch erlauben, ausreichende Margen zu erzielen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dpa-afx, ddp und ap

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