Mitarbeiterüberwachung Honeywell installiert Spionageprogramm

130.000 Mitarbeiter hat der Technologiekonzern Honeywell, jeder einzelne gilt den Sicherheitsverantwortlichen offenbar als potenziell verdächtig. Denn auf nahezu jedem Rechner des US-Unternehmens ist einem Bericht zufolge eine Spionagesoftware installiert. Betroffen sind auch Tausende deutsche Beschäftigte.

Hamburg - Mit Hilfe raffinierter Schnüffelsoftware ist der US-Technologiekonzern Honeywell  jederzeit in der Lage, die Computer seiner weltweit rund 130.000 Mitarbeiter auszuforschen. Internen Unterlagen zufolge wurde auf nahezu allen Rechnern des Unternehmens, darunter auch die der rund 6000 deutschen Honeywell-Mitarbeiter, eine Software namens EnCase installiert. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe.

EnCase kann laut Angaben seiner Herstellerfirma in kürzester Zeit die komplette Festplatte des angezapften Rechners auf einen zentralen Server kopieren und als Beweismittel sichern. Das Programm, das laut SPIEGEL auch von deutschen Sicherheitsbehörden und dem FBI bei der Verbrechensbekämpfung benutzt wird, ist zudem in der Lage, bereits gelöschte Dateien wieder sichtbar zu machen.

Erfahren haben die deutschen Honeywell-Mitarbeiter von der Schnüffelsoftware auf ihren Rechnern erst durch den Tipp eines externen EDV-Dienstleisters. Seither versuchen die Arbeitnehmervertreter, die Anwendung von EnCase zumindest hierzulande zu verhindern und das Programm wieder von den Rechnern nehmen zu lassen, weil es aus ihrer Sicht "in unzulässiger Weise in die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer eingreift".

Honeywell dagegen erklärt laut SPIEGEL, man habe EnCase in Deutschland bislang nicht aktiviert. Der Konzern werde die Software nur nutzen, um die Sicherheit seiner Informationen und die Mitarbeiter vor Bedrohungen aus dem Netz zu schützen. Ende März soll nun das Arbeitsgericht Offenbach klären, ob Honeywell durch die EnCase-Installation Mitbestimmungsrechte in Deutschland verletzt hat. Juristen halten Programme wie EnCase hierzulande aus Datenschutz- und Persönlichkeitsrechtsgründen für äußerst problematisch.

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